Das Evangelium nach Lukas1¶1Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind,
2wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind.
3So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, 
es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben,
4damit du den sicheren Grund der Lehre erfahrest, in der du unterrichtet bist.
5Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der
Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth.
6Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig.
7Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt.
¶8Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war,
9daß ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das
Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn.
10Und die ganze Menge des Volkes stand draußen und betete zur Stunde des Räucheropfers.
11Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand an der rechten Seite des Räucheraltars.
12Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam Furcht über ihn.
13Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.
14Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen.
15Denn er wird groß sein vor dem Herrn;
Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem heiligen Geist.
16Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.
17Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft 
Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.
18Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn
ich bin alt, und meine Frau ist betagt.
19Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin
Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen.
20Und siehe, du wirst stumm werden und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit.
¶21Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, daß er so lange im Tempel blieb.
22Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, daß er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm.
23Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus.
24Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach:
25So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat,
um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.
26Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth,
27zu einer Jungfrau, die vertraut* war
einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.
28Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!
29Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?
30Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.
31Siehe,
du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und
du sollst ihm den Namen Jesus geben.
32Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den
Thron seines Vaters David geben,
33und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.
¶34Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?
35Der Engel antwortete und sprach zu ihr:
Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.
36Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, daß sie unfruchtbar sei.
37Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.
38Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.
39Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda
40und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.
41Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom heiligen Geist erfüllt
42und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!
43Und wie geschieht mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.
45Und
selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.
46
Und Maria sprach:
47und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
48denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
49Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
50Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
51Er übt Gewalt mit seinem Arm und
zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
52Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
53Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer ausgehen. 
54Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
55wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit. 
¶56Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
57Und für Elisabeth kam die Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn.
58Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.
59Und es begab sich
am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen.
60Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen.
61Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
62Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte.
63Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle.
64Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.
65Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas.
66Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was meinst du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.
67Und sein Vater Zacharias wurde vom heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:
68Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn
er hat besucht und erlöst sein Volk
69und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David
70- wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten -,
71daß er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen,
72und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte
an seinen heiligen Bund
73und an den 
Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,
74daß wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,
75ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
76Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn
du wirst dem Herrn vorangehen, daß du seinen Weg bereitest,
77und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,
78durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird
das aufgehende Licht aus der Höhe,
79damit es erscheine denen, die
sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
¶80Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er
war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.
2Jesu Geburt
¶1Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde.
2Und diese Schätzung* war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. *Siehe Sach- und Worterklärungen.
3Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
4Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,
5damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe;* die war schwanger. *Siehe Sach- und Worterklärungen zu „Verlobung“.
6Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte.
7Und
sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
¶8Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
9Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
10Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
11denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
12Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
13Und alsbald war da bei dem Engel
die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
14
Ehre sei Gott in der Höhe und 
Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.*
¶15Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
¶21Und als acht Tage um waren und 
man das Kind beschneiden mußte,
gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.
Jesu Darstellung im Tempel. Simeon und Hanna
¶22Und als die
Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn nach Jerusalem,
um ihn dem Herrn darzustellen,
23wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2. Mose 13,2.15): „Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen“,
24und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“ (3. Mose 12,6-8).
¶25Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und
wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war mit ihm.
26Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen.
27Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz,
28da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
29Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;
30denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
31den du bereitet hast vor allen Völkern,
32ein
Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.
¶33Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde.
34Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wirda
35- und
auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.
¶36Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte,
37und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und
diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.
38Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
¶39Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth. 40Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.
Der zwölfjährige Jesus im Tempel
¶41Und seine Eltern
gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest.
42Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes.
43Und als
die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wußten's nicht.
44Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten.
45Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.
46Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte.
47Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.
48Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.
49Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem,
was meines Vaters ist?
50Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.
51Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.
52Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.
3Das Wirken Johannes des Täufers. Seine Gefangennahme(Mt 3,1-12; Mk 1,1-8)
¶1Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene,
2als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da 
geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.
3Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden,
4wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben!
5Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden.
6Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.“
¶7Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiß gemacht, daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
¶10Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. 12Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und laßt euch genügen an eurem Sold!
¶15Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen von Johannes,
ob er vielleicht der Christus wäre,
16antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, daß ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.
17In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.
18Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihm das Heil.
19
Der Landesfürst Herodes aber, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das er getan hatte,
20fügte zu dem allen noch dies hinzu: er warf Johannes ins Gefängnis.
Jesu Taufe(Mt 3,13-17; Mk 1,9-11)
¶21Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf,
22und
der heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel:
Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.
Jesu Stammbaum(Mt 1,1-17)
¶23Und Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig Jahre alt und
wurde gehalten für einen Sohn Josefs, der war ein Sohn Elis,
24der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn Levis, der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Jannais, der war ein Sohn Josefs,
25der war ein Sohn Mattitjas, der war ein Sohn des Amos, der war ein Sohn Nahums, der war ein Sohn Heslis, der war ein Sohn Naggais,
26der war ein Sohn Mahats, der war ein Sohn Mattitjas, der war ein Sohn Schimis, der war ein Sohn Josechs, der war ein Sohn Jodas,
27der war ein Sohn Johanans, der war ein Sohn Resas, der war ein Sohn Serubbabels, der war ein Sohn Schealtīls, der war ein Sohn Neris,
28der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Addis, der war ein Sohn Kosams, der war ein Sohn Elmadams, der war ein Sohn Ers,
29der war ein Sohn Joschuas, der war ein Sohn Elīsers, der war ein Sohn Jorims, der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn Levis,
30der war ein Sohn Simeons, der war ein Sohn Judas, der war ein Sohn Josefs, der war ein Sohn Jonams, der war ein Sohn Eljakims,
31der war ein Sohn Meleas, der war ein Sohn Mennas, der war ein Sohn Mattatas, der war ein Sohn
Nathans, der war ein Sohn Davids,
32der war ein Sohn
Isais, der war ein Sohn Obeds, der war ein Sohn des Boas, der war ein Sohn Salmas, der war ein Sohn Nachschons,
33


der war ein Sohn Amminadabs, der war ein Sohn Admins, der war ein Sohn Arnis, der war ein Sohn Hezrons, der war ein Sohn des Perez, der war ein Sohn Judas,
34der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn Isaaks, der war ein Sohn Abrahams, der war ein Sohn Terachs, der war ein Sohn Nahors,
35der war ein Sohn Serugs, der war ein Sohn Regus, der war ein Sohn Pelegs, der war ein Sohn Ebers, der war ein Sohn Schelachs,
36der war ein Sohn Kenans, der war ein Sohn Arpachschads, der war ein Sohn Sems, der war ein Sohn Noahs, der war ein Sohn Lamechs,
37der war ein Sohn Metuschelachs, der war ein Sohn Henochs, der war ein Sohn Jereds, der war ein Sohn Mahalalels, der war ein Sohn Kenans,
38der war ein Sohn des Enosch, der war ein Sohn Sets, der war ein Sohn Adams, der war Gottes.
4Jesu Versuchung(Mt 4,1-11; Mk 1,12.13)
¶1Jesus aber, voll heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt
2und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht. Und er aß nichts in diesen Tagen, und als sie ein Ende hatten, hungerte ihn.
3Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu diesem Stein, daß er Brot werde.
4Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): „Der Mensch lebt nicht allein vom Brot.“ * *In der späteren Überlieferung finden sich zusätzlich die Worte: „sondern von einem jeden Wort Gottes“ (vgl. Mt 4,4).
¶5Und der Teufel führte ihn hoch hinauf und zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick 6und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will. 7Wenn du mich nun anbetest, so soll sie ganz dein sein. 8Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 6,13): „Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.“
¶9Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter;
10denn es steht geschrieben (Psalm 91,11.12): „Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, daß sie dich bewahren.
11Und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.“
12Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt (5. Mose 6,16): „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“
13Und
als der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeitlang.
Jesu Predigt in Nazareth(Mt 4,12-17; 13,53-58; Mk 1,14.15; 6,1-6)
¶14Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa, und die Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte.
15Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen.
¶16Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.
17Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1.2): „
18Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt,
zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen,
19zu verkündigen das
Gnadenjahr des Herrn.“
20Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn.
21Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.
¶22Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich, daß solche Worte der Gnade aus seinem Munde kamen, und sprachen:
Ist das nicht Josefs Sohn?
23Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet mir freilich dies Sprichwort sagen: Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört, die in Kapernaum geschehen sind! Tu so auch hier in deiner Vaterstadt!
24Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch:
Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland.
25Aber wahrhaftig, ich sage euch: Es waren viele Witwen in Israel zur Zeit des Elia, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate und eine große Hungersnot herrschte im ganzen Lande,
26und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt als allein zu einer Witwe nach Sarepta im Gebiet von Sidon.
27Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa, und keiner von ihnen wurde rein als allein
Naaman aus Syrien.
28Und alle, die in der Synagoge waren, wurden von Zorn erfüllt, als sie das hörten.
29Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen.
30Aber er ging mitten durch sie hinweg.
Jesus in Kapernaum(Mt 8,14-17; Mk 1,21-39)
¶31Und er ging hinab nach 
Kapernaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie am Sabbat.
32Und sie verwunderten sich über seine Lehre; denn 
er predigte mit Vollmacht.
33Und es war ein Mensch in der Synagoge, besessen von einem unreinen Geist, und der schrie laut:
34Halt, was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!
35Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und der böse Geist warf ihn mitten unter sie und fuhr von ihm aus und tat ihm keinen Schaden.
36Und es kam eine Furcht über sie alle, und sie redeten miteinander und sprachen: Was ist das für ein Wort? Er gebietet mit Vollmacht und Gewalt den unreinen Geistern, und sie fahren aus.
37Und die Kunde von ihm erscholl in alle Orte des umliegenden Landes.
¶38Und er machte sich auf aus der Synagoge und kam in Simons Haus. Und Simons Schwiegermutter hatte hohes Fieber, und sie baten ihn für sie.
39Und er trat zu ihr und gebot dem Fieber, und es verließ sie. Und sogleich stand sie auf und diente ihnen.
40Und als die Sonne untergegangen war, brachten alle ihre Kranken mit mancherlei Leiden zu ihm. Und er legte die Hände auf einen jeden und machte sie gesund.
41Von vielen fuhren auch die bösen Geister aus und schrien: 
Du bist der Sohn Gottes! Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden; denn sie wußten, daß er der Christus war.
¶42Als es aber Tag wurde, ging er hinaus an eine einsame Stätte; und das Volk suchte ihn, und sie kamen zu ihm und wollten ihn festhalten, damit er nicht von ihnen ginge.
43Er sprach aber zu ihnen: Ich muß auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt.
44Und er predigte in den Synagogen Judäas.
5Der Fischzug des Petrus(Mt 4,18-22; Mk 1,16-20)
¶1Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth
2und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
4Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und
werft eure Netze zum Fang aus!
5Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
6Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen.
7Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so daß sie fast sanken.
8Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir!
Ich bin ein sündiger Mensch.
9Denn ein Schrecken hatte ihn erfaßt und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
10ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.
Die Heilung eines Aussätzigen(Mt 8,1-4; Mk 1,40-45)
¶12Und es begab sich, als er in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz. Als der Jesus sah, fiel er nieder auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen.
13Und er streckte die Hand aus und rührte ihn an und sprach: Ich will's tun, sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm.
14Und er gebot ihm, daß er's niemandem sagen sollte.
Geh aber hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.
15Aber die Kunde von ihm breitete sich immer weiter aus, und es kam eine große Menge zusammen, zu hören und gesund zu werden von ihren Krankheiten.
16Er aber zog sich zurück in die Wüste und betete.
Die Heilung eines Gelähmten („Der Gichtbrüchige“)(Mt 9,1-8; Mk 2,1-12)
¶17Und es begab sich eines Tages, als er lehrte, daß auch Pharisäer und Schriftgelehrte dasaßen, die gekommen waren aus allen Orten in Galiläa und Judäa und aus Jerusalem. Und die Kraft des Herrn war mit ihm, daß er heilen konnte.
18Und siehe, einige Männer brachten einen Menschen auf einem Bett; der war gelähmt. Und sie versuchten, ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen.
19Und weil sie wegen der Menge keinen Zugang fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinunter mit dem Bett mitten unter sie vor Jesus.
20Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.
21Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an zu überlegen und sprachen: Wer ist der, daß er Gotteslästerungen redet? 

Wer kann Sünden vergeben als allein Gott?
22Als aber Jesus ihre Gedanken merkte, antwortete er und sprach zu ihnen: Was denkt ihr in euren Herzen?
23Was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?
24
Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
25Und sogleich stand er auf vor ihren Augen und nahm das Bett, auf dem er gelegen hatte, und ging heim und pries Gott.
26Und sie entsetzten sich alle und priesen Gott und wurden von Furcht erfüllt und sprachen: Wir haben heute seltsame Dinge gesehen.
Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern(Mt 9,9-13; Mk 2,13-17)
¶27Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!
28Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.
29Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu in seinem Haus, und
viele Zöllner und andre saßen mit ihm zu Tisch.
30Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und sprachen zu seinen Jüngern: Warum eßt und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?
31Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.
32Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten.
Die Frage nach dem Fasten(Mt 9,14-17; Mk 2,18-22)
¶33Sie aber sprachen zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten oft und beten viel, ebenso die Jünger der Pharisäer; aber deine Jünger essen und trinken.
34Jesus sprach aber zu ihnen: Ihr könnt die Hochzeitsgäste nicht fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist.
35Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, in jenen Tagen.
36Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand reißt einen Lappen von einem neuen Kleid und flickt ihn auf ein altes Kleid; sonst zerreißt man das neue, und der Lappen vom neuen paßt nicht auf das alte.
37Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der neue Wein die Schläuche und wird verschüttet, und die Schläuche verderben.
38Sondern neuen Wein soll man in neue Schläuche füllen.
39Und niemand, der vom alten Wein trinkt, will neuen; denn er spricht: Der alte ist milder.
6Das Ährenraufen am Sabbat(Mt 12,1-8; Mk 2,23-28)
¶1
Und es begab sich an einem Sabbat, daß er durch ein Kornfeld ging; und seine Jünger rauften Ähren aus und zerrieben sie mit den Händen und aßen.
2Einige der Pharisäer aber sprachen: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht erlaubt ist?
3Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das gelesen,
was David tat, als ihn hungerte und die, die bei ihm waren?
4wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß,
die doch niemand essen durfte als die Priester allein, und wie er sie auch denen gab, die bei ihm waren?
5Und er sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist ein Herr über den Sabbat.
Die Heilung eines Mannes am Sabbat(Mt 12,9-14; Mk 3,1-6)
¶6Es geschah aber an einem andern Sabbat, daß er in die Synagoge ging und lehrte. Und da war ein Mensch, dessen rechte Hand war verdorrt.
7Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten darauf, ob er auch am Sabbat heilen würde, damit sie etwas fänden, ihn zu verklagen.
8Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und tritt hervor! Und er stand auf und trat vor.
9Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Ist's erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses, Leben zu erhalten oder zu vernichten?
10Und er sah sie alle ringsum an und sprach zu ihm: Strecke deine Hand aus! Und er tat's; da wurde seine Hand wieder zurechtgebracht.
11Sie aber wurden ganz von Sinnen und beredeten sich miteinander, was sie Jesus tun wollten.
Die Berufung der Zwölf(Mt 4,23-5,1; Mk 3,13-19)
¶12Es begab sich aber zu der Zeit, daß er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott.
13
Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte:
14Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes; Philippus und Bartholomäus;
15Matthäus und Thomas; Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot;
16Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.
DIE PREDIGT AUF DEM FELDE(Verse 17-49)
¶17Und er ging mit ihnen hinab und trat auf ein ebenes Feld. Und um ihn war eine große Schar seiner Jünger und eine große Menge des Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und aus dem Küstenland von Tyrus und Sidon,
18die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; und die von unreinen Geistern umgetrieben waren, wurden gesund.
19Und alles Volk suchte, ihn anzurühren; denn es ging Kraft von ihm aus, und er heilte sie alle.
Die Seligpreisungen
¶20Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach:
Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.
21Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.
22Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen.
23Freut euch an jenem Tage und springt vor Freude; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn das gleiche haben ihre Väter den Propheten getan.
Die Weherufe
¶24Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt. 
25Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht! Denn ihr werdet weinen und klagen.
26Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Denn das gleiche haben ihre Väter den falschen Propheten getan.
Von der Feindesliebe(Mt 5,39-48)
¶27Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;
28segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.
29Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.
30Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.
31Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!a
32Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde.
33Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbe auch.
34Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen.
35Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Von der Stellung zum Nächsten(Mt 7,1-5)
¶36Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
37Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.
38Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn
eben mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird man euch wieder messen.
¶39Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?a
40Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.
¶41Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
Vom Baum und seinen Früchten(Mt 12,33-35)
¶43
Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt.
44Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Man pflückt ja nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken.
45Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.
¶46Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?a
Vom Hausbau(Mt 7,24-27)
¶47Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie - ich will euch zeigen, wem er gleicht.
48Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels. Als aber eine Wasserflut kam, da riß der Strom an dem Haus und konnte es nicht bewegen; denn es war gut gebaut.
49Wer aber hört und nicht tut, der gleicht einem Menschen, der ein Haus baute auf die Erde, ohne Grund zu legen; und der Strom riß an ihm und es fiel gleich zusammen, und sein Einsturz war groß.
7Der Hauptmann von Kapernaum(Mt 8,5-13; Joh 4,46-53)
¶1Nachdem Jesus seine Rede vor dem Volk vollendet hatte, ging er nach Kapernaum.
2Ein Hauptmann aber hatte einen Knecht, der ihm lieb und wert war; der lag todkrank.
3Als er aber von Jesus hörte, sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und bat ihn, zu kommen und seinen Knecht gesund zu machen.
4Als sie aber zu Jesus kamen, baten sie ihn sehr und sprachen: Er ist es wert, daß du ihm die Bitte erfüllst;
5denn er hat unser Volk lieb, und die Synagoge hat er uns erbaut.
6Da ging Jesus mit ihnen. Als er aber nicht mehr fern von dem Haus war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst;
7darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
8Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er hin; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.
9Als aber Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.
10Und als die Boten wieder nach Hause kamen, fanden sie den Knecht gesund.
Der Jüngling zu Nain
¶11Und es begab sich danach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge.
12Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr.
13Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht!
14Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling,
ich sage dir, steh auf!
15Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter.
16Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen:
Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und:
Gott hat sein Volk besucht.
17Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen umliegenden Land.
Die Anfrage des Täufers(Mt 11,2-6)
¶18Und die Jünger des Johannes verkündeten ihm das alles. Und Johannes rief zwei seiner Jünger zu sich
19und sandte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
20Als aber die Männer zu ihm kamen, sprachen sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt dich fragen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
21Zu der Stunde machte Jesus viele gesund von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht.
22Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt;
23und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir.
Jesu Zeugnis über den Täufer(Mt 11,7-19)
¶24Als aber die Boten des Johannes fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk über Johannes zu reden: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Wind bewegt wird?
25Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern? Seht, die herrliche Kleider tragen und üppig leben, die sind an den königlichen Höfen.
26Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet.
27Er ist's, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“
28Ich sage euch, daß unter denen, die von einer Frau geboren sind,
keiner größer ist als Johannes; der aber der Kleinste ist im Reich Gottes, der ist größer als er.
29Und alles Volk, das ihn hörte, und 
die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes.
30Aber
die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten, was Gott ihnen zugedacht hatte, und ließen sich nicht von ihm taufen.
¶31Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich?
32Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen einander zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint.
33Denn Johannes der Täufer ist gekommen und
aß kein Brot und trank keinen Wein; so sagt ihr: Er ist besessen.
34Der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt; so sagt ihr: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein
Freund der Zöllner und Sünder!
35Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.
Jesu Salbung durch die Sünderin
¶36Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch.
37Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, daß er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers,
brachte sie ein Glas mit Salböl
38und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küßte seine Füße und salbte sie mit Salböl.
¶39Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. 40Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! 41Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. 42Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er's beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben? 43Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.
¶44Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen;
du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet.
45Du
hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen.
46Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt.
47Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
¶48Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben.
49Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser,
der auch die Sünden vergibt?
50Er aber sprach zu der Frau: 

Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!
8Jüngerinnen Jesu
¶1Und es begab sich danach, daß er durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm,
2dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich
Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse Geister ausgefahren waren,
3und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und
viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.
Vom Sämann(Mt 13,1-9; Mk 4,1-9)
¶4Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis:
5Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.
6Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.
7Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.
8Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Vom Sinn der Gleichnisse(Mt 13,10-17; Mk 4,10-12)
¶9Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute.
10Er aber sprach: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen,
damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören.
Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann(Mt 13,18-23; Mk 4,13-20)
¶11Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes.
12Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.
13Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.
14Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht.
15Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten
in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
Vom Licht und vom rechten Hören(Mk 4,21-25)
¶16Niemand aber zündet ein Licht an und bedeckt es mit einem Gefäß oder setzt es unter eine Bank; sondern er setzt es auf einen Leuchter, damit, wer hineingeht, das Licht sehe.
17Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen soll. 
¶18So seht nun darauf, wie ihr zuhört; denn
wer da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er meint zu haben.
Jesu wahre Verwandte(Mt 12,46-50; Mk 3,31-35)
¶19Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm und konnten wegen der Menge nicht zu ihm gelangen.
20Da wurde ihm gesagt: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen.
21Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.
Die Stillung des Sturms(Mt 8,23-27; Mk 4,35-41)
¶22Und es begab sich an einem der Tage, daß er in ein Boot stieg mit seinen Jüngern; und er sprach zu ihnen: Laßt uns über den See fahren. Und sie stießen vom Land ab.
23Und als sie fuhren, schlief er ein. Und es kam ein Windwirbel über den See, und die Wellen überfielen sie, und sie waren in großer Gefahr.
24Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Da stand er auf und bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers, und sie legten sich, und es entstand eine Stille.
25Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber fürchteten sich und verwunderten sich und sprachen zueinander: Wer ist dieser? Auch dem Wind und dem Wasser gebietet er, und sie sind ihm gehorsam.
Die Heilung des besessenen Geraseners(Mt 8,28-34; Mk 5,1-20)
¶26Und sie fuhren weiter in die Gegend der Gerasener, die Galiläa gegenüberliegt.
27Und als er ans Land trat, begegnete ihm ein Mann aus der Stadt, der hatte böse Geister; er trug seit langer Zeit keine Kleider mehr und blieb in keinem Hause, sondern in den Grabhöhlen.
28Als er aber Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und rief laut: Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes des Allerhöchsten? Ich bitte dich: Quäle mich nicht!
29Denn er hatte dem unreinen Geist geboten, aus dem Menschen auszufahren. Denn der hatte ihn lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und Fesseln gebunden und gefangen gehalten, doch er zerriß seine Fesseln und wurde von dem bösen Geist in die Wüste getrieben.
30Und Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Legion. Denn es waren viele böse Geister in ihn gefahren.
31Und sie baten ihn, daß er ihnen nicht gebiete, in den Abgrund zu fahren.
32Es war aber dort auf dem Berg eine große Herde Säue auf der Weide. Und sie baten ihn, daß er ihnen erlaube, in die Säue zu fahren. Und er erlaubte es ihnen.
33Da fuhren die bösen Geister von dem Menschen aus und fuhren in die Säue; und die Herde stürmte den Abhang hinunter in den See und ersoff.
34Als aber die Hirten sahen, was da geschah, flohen sie und verkündeten es in der Stadt und in den Dörfern.
35Da gingen die Leute hinaus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die bösen Geister ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig, und sie erschraken.
36Und die es gesehen hatten, verkündeten ihnen, wie der Besessene gesund geworden war.
37Und die ganze Menge aus dem umliegenden Land der Gerasener bat ihn, von ihnen fortzugehen; denn es hatte sie große Furcht ergriffen. Und er stieg ins Boot und kehrte zurück.
38Aber der Mann, von dem die bösen Geister ausgefahren waren, bat ihn, daß er bei ihm bleiben dürfe. Aber Jesus schickte ihn fort und sprach:
39Geh wieder heim und sage, wie große Dinge Gott an dir getan hat. Und er ging hin und verkündigte überall in der Stadt, wie große Dinge Jesus an ihm getan hatte.
Die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter desJaīrus(Mt 9,18-26; Mk 5,21-43)
¶40Als Jesus zurückkam, nahm ihn das Volk auf; denn sie warteten alle auf ihn.
41Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jaīrus, der ein Vorsteher der Synagoge war, und fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen;
42denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, die lag in den letzten Zügen. Und als er hinging, umdrängte ihn das Volk.
¶43Und eine Frau hatte den Blutfluß seit zwölf Jahren; die hatte alles, was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und* konnte von keinem geheilt werden. *Der Versteil „hatte alles . . . aufgewandt und“ findet sich bei einigen wichtigen Textzeugen nicht.
44Die trat von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes; und sogleich hörte ihr Blutfluß auf.
45Und Jesus fragte: Wer hat mich berührt? Als es aber alle abstritten, sprach Petrus: Meister, das Volk drängt und drückt dich.
46Jesus aber sprach: Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt, daß eine Kraft von mir ausgegangen ist.
47Als aber die Frau sah, daß es nicht verborgen blieb, kam sie mit Zittern und fiel vor ihm nieder und verkündete vor allem Volk, warum sie ihn angerührt hatte, und wie sie sogleich gesund geworden war.
48Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter,
dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!
¶49Als er noch redete, kam einer von den Leuten des Vorstehers der Synagoge und sprach: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht mehr.
50Als aber Jesus das hörte, antwortete er ihm: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gesund!
51Als er aber in das Haus kam, ließ er niemanden mit hineingehen
als Petrus und Johannes und Jakobus und den Vater und die Mutter des Kindes.
52Sie weinten aber alle und klagten um sie. Er aber sprach:
Weint nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.
53Und sie verlachten ihn, denn sie wußten, daß sie gestorben war.
54Er aber nahm sie bei der Hand und rief: Kind, steh auf!
55Und ihr Geist kam wieder, und sie stand sogleich auf. Und er befahl, man solle ihr zu essen geben.
56Und ihre Eltern entsetzten sich. 
Er aber gebot ihnen, niemandem zu sagen, was geschehen war.
9Die Aussendung der Zwölf(Mt 10,1-14; Mk 6,7-13)
¶1
Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle bösen Geister, und daß sie Krankheiten heilen konnten,
2und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und die Kranken zu heilen.
3Und er sprach zu ihnen: Ihr sollt nichts mit auf den Weg nehmen, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld; es soll auch einer nicht zwei Hemden haben.
4Und wenn ihr in ein Haus geht, dann bleibt dort, bis ihr weiterzieht.
5Und wenn sie euch nicht aufnehmen, dann geht fort aus dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen zu einem Zeugnis gegen sie.
6Und sie gingen hinaus und zogen von Dorf zu Dorf, predigten das Evangelium und machten gesund an allen Orten.
Herodes und Jesus(Mt 14,1.2; Mk 6,14-16)
¶7Es kam aber vor Herodes, den Landesfürsten, alles, was geschah; und er wurde unruhig, weil von einigen gesagt wurde: Johannes ist von den Toten auferstanden;
8von einigen aber: Elia ist erschienen; von andern aber: Einer von den alten Propheten ist auferstanden.
9Und Herodes sprach: Johannes, den habe ich enthauptet; wer ist aber dieser, über den ich solches höre? Und
er begehrte ihn zu sehen.
Die Speisung der Fünftausend(Mt 14,13-21; Mk 6,31-44; Joh 6,1-13)
¶10Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in die Stadt zurück, die heißt Betsaida.
11Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften.
12Aber der Tag fing an, sich zu neigen.
¶13Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Laß das Volk gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir sind hier in der Wüste.Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, daß wir hingehen sollen und für alle diese Leute Essen kaufen. 14Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Laßt sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig. 15Und sie taten das und ließen alle sich setzen. 16Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten. 17Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie an Brocken übrigließen, zwölf Körbe voll.
Das Bekenntnis des Petrus(Mt 16,13-19; Mk 8,27-29; Joh 6,67-69)
¶18Und es begab sich, als Jesus allein war und betete und nur seine Jünger bei ihm waren, da fragte er sie und sprach: Wer sagen die Leute, daß ich sei?
19Sie antworteten und sprachen:
Sie sagen, du seist Johannes der Täufer; einige aber, du seist Elia; andere aber, es sei einer der alten Propheten auferstanden.
20Er aber sprach zu ihnen: Wer sagt ihr aber, daß ich sei? Da antwortete Petrus und sprach: Du bist der Christus Gottes!
Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung(Mt 16,20.21; Mk 8,30.31)
¶21Er aber gebot ihnen, daß sie das niemandem sagen sollten,
22und sprach: Der Menschensohn muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferstehen. 
Von der Nachfolge(Mt 16,24-28; Mk 8,34-9,1)
¶23Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
24Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten. 

25Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?
26Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel. 
27Ich sage euch aber wahrlich: Einige von denen, die hier stehen, werden den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes sehen.
Die Verklärung Jesu(Mt 17,1-8; Mk 9,2-8)
¶28Und es begab sich, etwa acht Tage nach diesen Reden, daß er mit sich nahm Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg, um zu beten.
29Und als er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders, und sein Gewand wurde weiß und glänzte.
30Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; das waren Mose und Elia.
31Sie erschienen verklärt und redeten von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.
32Petrus aber und die bei ihm waren, waren voller Schlaf. Als sie aber aufwachten, sahen sie, wie er verklärt war, und die zwei Männer, die bei ihm standen.
33Und es begab sich, als sie von ihm schieden, da sprach Petrus zu Jesus: Meister, hier ist für uns gut sein! Laßt uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Er wußte aber nicht, was er redete.
34Als er aber dies redete, kam eine Wolke und überschattete sie; und sie erschraken, als sie in die Wolke hineinkamen.
35Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sprach: 
Dieser ist mein auserwählter Sohn;
den sollt ihr hören!
36Und als die Stimme geschah, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen davon und verkündeten in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten.
Die Heilung eines besessenen Knaben(Mt 17,14-21; Mk 9,14-29)
¶37Es begab sich aber, als sie am nächsten Tag von dem Berg kamen, da kam ihm eine große Menge entgegen.
38Und siehe, ein Mann aus der Menge rief: Meister, ich bitte dich, sieh doch nach meinem Sohn; denn er ist mein einziger Sohn.
39Siehe, ein Geist ergreift ihn, daß er plötzlich aufschreit, und er reißt ihn, daß er Schaum vor dem Mund hat, und läßt kaum von ihm ab und reibt ihn ganz auf.
40Und ich habe deine Jünger gebeten, daß sie ihn austrieben, und sie konnten es nicht.
41Da antwortete Jesus und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein und euch erdulden? Bring deinen Sohn her!
42Und als er zu ihm kam, riß ihn der böse Geist und zerrte ihn. Jesus aber bedrohte den unreinen Geist und machte den Knaben gesund und
gab ihn seinem Vater wieder.
43Und sie entsetzten sich alle über die Herrlichkeit Gottes.
Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
¶44Laßt diese Worte in eure Ohren dringen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen. 
45Aber dieses Wort verstanden sie nicht, und
es war vor ihnen verborgen, so daß sie es nicht begriffen. Und sie fürchteten sich, ihn nach diesem Wort zu fragen.
Der Rangstreit der Jünger(Mt 18,1-5; Mk 9,33-37)
¶46Es kam aber unter ihnen der Gedanke auf, wer von ihnen der Größte sei.
47Als aber Jesus den Gedanken ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben sich
48und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; und
wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.
Der fremde Wundertäter(Mk 9,38-40)
¶49Da fing Johannes an und sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb böse Geister aus in deinem Namen; und wir wehrten ihm, denn er folgt dir nicht nach mit uns.
50Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt ihm nicht! Denn 
wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.
Aufbruch nach Jerusalem. Ablehnung Jesu durch Samariter
¶51Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, daß er hinweggenommen werden sollte, da wandte er sein Angesicht, stracks
nach Jerusalem zu wandern.
52Und er sandte Boten vor sich her; die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, ihm Herberge zu bereiten.
53Und
sie nahmen ihn nicht auf, weil er sein Angesicht gewandt hatte, nach Jerusalem zu wandern.
54Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen,
daß Feuer vom Himmel falle und sie verzehre.
55Jesus aber wandte sich um und wies sie zurecht.* *Die Versteile 55b.56a finden sich erst in der späteren Überlieferung: „und sprach: Wißt ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Der Menschensohn ist nicht gekommen, das Leben der Menschen zu vernichten, sondern zu erhalten.“
56Und sie gingen in ein andres Dorf.
Vom Ernst der Nachfolge(Mt 8,19-22)
¶57Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
58Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
59Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
60Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
61Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind.
62Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
10Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger(Mt 10,7-16)
¶1Danach setzte der Herr 
weitere zweiundsiebzig* Jünger ein und sandte sie
je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er gehen wollte,
2und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine Ernte. 
3Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.
4
Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine Tasche und keine Schuhe, und
grüßt niemanden unterwegs.
5Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst:
Friede sei diesem Hause!
6Und wenn dort ein Kind des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.
7In demselben Haus aber bleibt, eßt und trinkt, was man euch gibt; denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Ihr sollt nicht von einem Haus zum andern gehen.
8Und wenn ihr in eine Stadt kommt, und sie euch aufnehmen, dann eßt, was euch vorgesetzt wird,
9und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.
10Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, und sie euch nicht aufnehmen, so geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht:
11Auch den Staub aus eurer Stadt, der sich an unsre Füße gehängt hat, schütteln wir ab auf euch. Doch sollt ihr wissen: das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.
12Ich sage euch: Es wird
Sodom erträglicher ergehen an jenem Tage als dieser Stadt.
Jesu Weherufe über galiläische Städte(Mt 11,20-24)
¶13Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Denn wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche gesessen und Buße getan.
14Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen im Gericht als euch.
15Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden.
16Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat. 
Jesu Jubelruf(Mt 11,25-27)
¶17Die Zweiundsiebzig* aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen. *Statt „zweiundsiebzig“ haben andere Textzeugen „siebzig“.
18Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. 
19Seht, ich habe euch Macht gegeben, 
zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.
20Doch darüber freut euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, daß 


eure Namen im Himmel geschrieben sind.
¶21Zu der Stunde freute sich Jesus im heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen.
22Alles ist mir übergeben von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater, noch, wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
¶23Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen allein:
Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht.
24Denn ich sage euch:
Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben's nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und haben's nicht gehört.
Der barmherzige Samariter
¶25

Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?
26Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?
27Er antwortete und sprach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt*, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18). *Siehe Sach- und Worterklärungen.
28Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; 
tu das, so wirst du leben.
¶29Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. 31Es traf sich aber, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 32Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 34und er ging zu ihm, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? 37Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!a
Maria und Marta
¶38Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war 
eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.
39Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.
40Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll!
41Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.
42Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.
11Das Vaterunser(Mt 6,9-13)
¶1Und es begab sich, daß er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
2Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.*
3Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag
4und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. Und führe uns nicht in Versuchung.* *In der späteren Überlieferung finden sich zusätzliche Versteile: Vers 2: „Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel“, Vers 4: „sondern erlöse uns von dem Bösen“ (entsprechend Mt 6,10.13).
Der bittende Freund(Mt 7,7-11)
¶5Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;
6denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann,
7und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.
8Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf.
¶9Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
10Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und
wer da anklopft, dem wird aufgetan.
11Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn* um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? *In der späteren Überlieferung finden sich zusätzlich die Worte: „... ums Brot bittet, dafür einen Stein biete? oder wenn er...“ (vgl. Mt 7,9).
12oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete?
13Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
Jesus und die bösen Geister(Mt 12,22-30; Mk 3,22-27)
¶14Und er trieb einen bösen Geist aus, der war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. Und die Menge verwunderte sich.
15Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten.
16Andere aber versuchten ihn und
forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.
17Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und ein Haus fällt über das andre.
18Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul.
19Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.
20Wenn ich aber
durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.
21Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden.
22Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. 
23Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Von der Rückkehr des bösen Geistes(Mt 12,43-45)
¶24Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin.
25Und wenn er kommt, so findet er's gekehrt und geschmückt.
26Dann geht er hin und nimmt sieben andre Geister mit sich, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin, und
es wird mit diesem Menschen hernach ärger als zuvor.
Eine Seligpreisung Jesu
¶27Und es begab sich, als er so redete, da erhob eine Frau im Volk ihre Stimme und sprach zu ihm:
Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, an denen du gesogen hast.
28Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.
Ablehnung der Zeichenforderung(Mt 12,38-42)
¶29Die Menge aber drängte herzu. Da fing er an und sagte: Dies Geschlecht ist ein böses Geschlecht;
es fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als nur das Zeichen des Jona.
30Denn wie Jona ein Zeichen war für die Leute von Ninive,* so wird es auch der Menschensohn sein für dieses Geschlecht. *Siehe Sach- und Worterklärungen zu „Jona“.
31Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit den Leuten dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn
sie kam vom Ende der Welt, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.
32Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden's verdammen; denn
sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.
Bildworte vom Licht(Mt 5,15; 6,22.23)
¶33Niemand zündet ein Licht an und setzt es in einen Winkel, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit, wer hineingeht, das Licht sehe.
34Dein Auge ist das Licht des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so ist dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster.
35So schaue darauf, daß nicht das Licht in dir Finsternis sei.
36Wenn nun dein Leib ganz licht ist und kein Teil an ihm finster ist, dann wird er ganz licht sein, wie wenn dich das Licht erleuchtet mit hellem Schein.
Weherufe gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten(Mt 23,1-36)
¶37Als er noch redete, bat ihn ein Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch. 
38Als das der Pharisäer sah, wunderte er sich, daß er sich nicht
vor dem Essen gewaschen hatte.
39Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer, ihr haltet die Becher und Schüsseln außen rein; aber euer Inneres ist voll Raubgier und Bosheit.
40Ihr Narren, hat nicht der, der das Äußere geschaffen hat, auch das Innere geschaffen?
41Gebt doch, was drinnen ist, als Almosen, siehe, dann ist euch alles rein.
¶42Aber weh euch Pharisäern! Denn ihr gebt den Zehnten von Minze und Raute und allerlei Gemüse, aber am Recht und
an der Liebe Gottes geht ihr vorbei. Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
¶43Weh euch Pharisäern! Denn
ihr sitzt gern obenan in den Synagogen und wollt gegrüßt sein auf dem Markt.
¶44Weh euch! Denn ihr seid wie die verdeckten Gräber, über die die Leute laufen, und wissen es nicht.
¶45Da antwortete einer von den Schriftgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du uns auch. 46Er aber sprach: Weh auch euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr selbst rührt sie nicht mit einem Finger an.
¶47Weh euch! Denn ihr baut den Propheten Grabmäler;
eure Väter aber haben sie getötet.
48So bezeugt ihr und billigt die Taten eurer Väter; denn sie haben sie getötet; und ihr baut ihnen Grabmäler!
49Darum spricht die Weisheit Gottes: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen,
50damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten, das vergossen ist seit Erschaffung der Welt,
51von Abels Blut an bis hin zum Blut des Secharja, der umkam zwischen Altar und Tempel. Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht.
¶52Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt, die hinein wollten.
¶53Und als er von dort hinausging, fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an, heftig auf ihn einzudringen und ihn mit vielen Fragen auszuhorchen,
54und belauerten ihn, ob sie etwas aus seinem Mund erjagen könnten.
12Mahnung zum furchtlosen Bekennen(Mt 10,26-33)
¶1Unterdessen kamen einige tausend Menschen zusammen, so daß sie sich untereinander traten. Da fing er an und sagte zuerst zu seinen Jüngern: 
Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei.
¶2Es ist aber
nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird.
3Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und was ihr ins Ohr flüstert in der Kammer, das wird man auf den Dächern predigen.
¶4Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können.
5Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.
6Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer von ihnen vergessen.
7Aber
auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.
8Ich sage euch aber: Wer mich bekennt vor den Menschen, den wird auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes.
9Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes. 
10Und wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem soll es vergeben werden; wer aber den heiligen Geist lästert, dem soll es nicht vergeben werden. 
11
Wenn sie euch aber führen werden in die Synagogen und vor die Machthaber und die Obrigkeit, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt;
12denn der heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt.
Warnung vor Habgier
¶13Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile.
14Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?
15Und er sprach zu ihnen: Seht zu und 
hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, daß er viele Güter hat.
Der reiche Kornbauer
¶16Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen.
17Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle.
18Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte
19
und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!
20Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?
21So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.
Vom falschen und rechten Sorgen(Mt 6,25-33.20.21)
¶22Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen sollt.
23Denn das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung.
24Seht die Raben an: sie säen nicht, sie ernten auch nicht, sie haben auch keinen Keller und keine Scheune, und Gott ernährt sie doch. Wieviel besser seid ihr als die Vögel!
25Wer ist unter euch, der, wie sehr er sich auch darum sorgt, seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte?
26Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt, warum sorgt ihr euch um das andre?
27Seht die Lilien an, wie sie wachsen: sie spinnen nicht, sie weben nicht. Ich sage euch aber, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
28Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr wird er euch kleiden, ihr Kleingläubigen!
29Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht euch keine Unruhe.
30Nach dem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß, daß ihr dessen bedürft.
31Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so wird euch das alles zufallen.
32Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch
das Reich zu geben.
¶33Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die nicht veralten, einen
Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb hinkommt und den keine Motten fressen.
34Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Vom Warten auf das Kommen Christi(Mt 24,43-51)
¶35
Laßt eure Lenden umgürtet sein und
eure Lichter brennen
36und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, damit,
wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun.
37Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen.
38Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und findet's so: selig sind sie.
39Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüßte,
zu welcher Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen.
40Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.
¶41Petrus aber sprach: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns oder auch zu allen? 42Der Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht? 43Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. 44Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. 45Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, 46dann wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, an dem er's nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in Stücke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben bei den Ungläubigen.
¶47Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt, hat aber nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden müssen.
48Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird wenig Schläge erleiden. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
Entzweiungen um Jesu willen(Mt 10,34-36)
¶49Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als daß es schon brennte!
50Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie vollbracht ist!a
51Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.
52Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei.
53Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
Beurteilung der Zeit
¶54
Er sprach aber zu der Menge: Wenn ihr eine Wolke aufsteigen seht vom Westen her, so sagt ihr gleich: Es gibt Regen. Und es geschieht so.
55Und wenn der Südwind weht, so sagt ihr: Es wird heiß werden. Und es geschieht so.
56Ihr Heuchler! Über das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr urteilen; warum aber könnt ihr über diese Zeit nicht urteilen?
¶57Warum aber urteilt ihr nicht auch von euch aus darüber, was recht ist?
58
Denn wenn du mit deinem Gegner zum Gericht gehst, so bemühe dich auf dem Wege, von ihm loszukommen, damit er nicht etwa dich vor den Richter ziehe, und der Richter überantworte dich dem Gerichtsdiener, und der Gerichtsdiener werfe dich ins Gefängnis.
59Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den allerletzten Heller bezahlt hast.
13Der Untergang der Galiläer. Der Turm von Siloah
¶1Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte.
2Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben?a
3Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.
4Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen?
5Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.
Das Gleichnis vom Feigenbaum
¶6Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und
suchte Frucht darauf und fand keine.
7Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum, und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft?
8Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge;
9vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.
Die Heilung einer verkrümmten Frau am Sabbat
¶10
Und er lehrte in einer Synagoge am Sabbat.
11Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten.
12Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, sei frei von deiner Krankheit!
13Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.
14Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, daß Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind
sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und laßt euch heilen, aber nicht am Sabbattag.
15Da antwortete ihm der Herr und sprach: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke?a
16Sollte dann nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden?
17Und als er das sagte, mußten sich schämen alle, die gegen ihn gewesen waren. Und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch ihn geschahen.
Vom Senfkorn und vom Sauerteig(Mt 13,31-33; Mk 4,30-32)
¶18Er aber sprach: Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich's vergleichen?
19Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten säte; und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen.
¶20Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? 21Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.
Von der engen Pforte und der verschlossenen Tür
¶22Und er ging durch Städte und Dörfer und lehrte und nahm seinen Weg nach Jerusalem.
23Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, daß nur wenige selig werden? Er aber sprach zu ihnen:
24Ringt darum,
daß ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht können.
25Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, und ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf!, dann wird er antworten und zu euch sagen:
Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her?
26
Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unsern Straßen hast du gelehrt.
27Und er wird zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her? Weicht alle von mir, ihr Übeltäter!
28
Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen.
29Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die
zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.
30Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.
Die Feindschaft des Herodes
¶31Zu dieser Stunde kamen einige Pharisäer und sprachen zu ihm: Mach dich auf und geh weg von hier; denn Herodes will dich töten.
32Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe böse Geister aus und mache gesund heute und morgen, und am dritten Tage werde ich vollendet sein.
33Doch muß ich heute und morgen und am folgenden Tage noch wandern; denn es geht nicht an, daß ein Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem.
Jesu Klage über Jerusalem(Mt 23,37-39)
¶34Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt werden, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!
35Seht, „euer Haus soll euch wüst gelassen werden“ (Jeremia 22,5; Psalm 69,26). Aber ich sage euch: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, da ihr sagen werdet:
Gelobt ist, der da kommt in dem Namen des Herrn!
14Die Heilung eines Wassersüchtigen am Sabbat
¶1Und es begab sich, daß er an einem Sabbat in das Haus eines Oberen der Pharisäer kam, das Brot zu essen, und sie belauerten ihn. 
2Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig.
3Und Jesus fing an und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern: Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?
4Sie aber schwiegen still. Und er faßte ihn an und heilte ihn und ließ ihn gehen.
5Und er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch, dem sein Sohn oder sein Ochse in den Brunnen fällt, und der ihn nicht alsbald herauszieht, auch am Sabbat?a
6Und sie konnten ihm darauf keine Antwort geben.
Von Rangordnung und Auswahl der Gäste
¶7Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, als er merkte,
wie sie suchten, obenan zu sitzen, und sprach zu ihnen:
8
Wenn du von jemandem zur Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht obenan; denn es könnte einer eingeladen sein, der vornehmer ist als du,
9und dann kommt der, der dich und ihn eingeladen hat, und sagt zu dir: Weiche diesem!, und du mußt dann beschämt untenan sitzen.
10Sondern wenn du eingeladen bist, so geh hin und setz dich untenan, damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sagt: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor allen, die mit dir zu Tisch sitzen.
11Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden. 

¶12Er sprach aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade weder deine Freunde noch deine Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn ein, damit sie dich nicht etwa wieder einladen und dir vergolten wird.
13
Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein,
14dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten. a Weish 5,16; 1. Kor 15,23; Apg 24,15
Das große Abendmahl(Mt 22,1-10)
¶15Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das
Brot ißt im Reich Gottes!
¶16Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein.
17Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!
18Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
19Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
20Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen.
21Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.
22Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.
23Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde.
24Denn ich sage euch, daß keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.
Von Nachfolge und Selbstverleugnung
¶25Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:
26Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. 

27Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
28Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen?
29damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten,
30und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann's nicht ausführen.
31Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit Zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit Zwanzigtausend?
32Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.
33So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.
¶34Das Salz ist etwas Gutes; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit soll man würzen?a 35Es ist weder für den Acker noch für den Mist zu gebrauchen, sondern man wird's wegwerfen. Wer Ohren hat zu hören, der höre!
15Vom verlorenen Schaf
¶1Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.
2Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: 
Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen.
3Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
4
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet?b
5Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude.
6Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.
7Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
Vom verlorenen Groschen
¶8Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet?
9Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte.
10So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Vom verlorenen Sohn
¶11Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
12Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.
13Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort
brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.
14Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben
15und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.
16Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.
17Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!
18Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 
19Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
20Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
21Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.
22Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße
23und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; laßt uns essen und fröhlich sein!
24Denn dieser
mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
¶25Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen
26und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre.
27Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat.
28
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.
29Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre.
30Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verpraßt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.
31Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.
32Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.
16Vom unehrlichen Verwalter
¶1Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz.
2Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
3Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
4Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
5Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?
6Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.
7Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
¶8Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die
Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
9Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. 

Von der Treue
¶10Wer
im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.
11Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?
12Und wenn ihr mit dem fremden Gut nicht treu seid, wer wird euch geben, was euer ist?
13Kein Knecht kann zwei Herren dienen; entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer. Das Gesetz
¶14Das alles hörten die Pharisäer. Die waren geldgierig und spotteten über ihn.
15Und er sprach zu ihnen: Ihr seid's, die ihr
euch selbst rechtfertigt vor den Menschen; aber Gott kennt eure Herzen; denn was hoch ist bei den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott.
¶16
Das Gesetz und die Propheten reichen bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt, und jedermann drängt sich mit Gewalt hinein.
17Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, als daß ein
Tüpfelchen vom Gesetz fällt.
18Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht die Ehe; und wer die von ihrem Mann Geschiedene heiratet, der bricht auch die Ehe. 
Vom reichen Mann und armen Lazarus
¶19Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
20Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren
21und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.
22Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.
23Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
24Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.
25Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du
dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt.
26Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.
27Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus;
28denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
29Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.
30Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.
31Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.
17Von Verführung zum Abfall. Von der Vergebung(Mt 18,6.7.15.21.22; Mk 9,42)
¶1Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß keine Verführungen kommen; aber weh dem, durch den sie kommen!
2Es wäre besser für ihn, daß man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als daß er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt.
3Hütet euch!
¶4Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm.
Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben.
Von der Kraft des Glaubens
¶5Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!
6Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. 
Vom Knechtslohn
¶7Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?
8Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken?
9Dankt er etwa dem Knecht, daß er getan hat, was befohlen war?
10So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte;
wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.
Die zehn Aussätzigen
¶11Und es begab sich, 
als er nach Jerusalem wanderte, daß er durch Samarien und Galiläa hin zog.
12Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer;
die standen von ferne
13und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!
14Und als er sie sah, sprach er zu ihnen:
Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.
15Einer aber unter ihnen, als er sah, daß er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme
16und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.
17Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?
18Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?
19Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin;
dein Glaube hat dir geholfen.
Vom Kommen des Gottesreiches(Mt 24; Mk 13)
¶20Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach:
Das Reich Gottes kommt nicht so, daß man's beobachten kann;
21man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.* *Luther übersetzte Vers 20b.21: „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. . . sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch“.
¶22Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen.
23Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach!a
24Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.
25Zuvor aber muß er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.
26Und wie es geschah
zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns:
27sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um.
28Ebenso, wie es geschah
zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten;
29an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um.
30Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.
¶31Wer an jenem Tage auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, der steige nicht hinunter, um sie zu holen. Und ebenso, wer auf dem Feld ist, der wende sich nicht um nach dem, was hinter ihm ist.
32Denkt an
Lots Frau!
33Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren; und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen.
34Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett liegen; der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben werden.
35Zwei Frauen werden miteinander Korn mahlen; die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben werden.*
36*Vers 36 findet sich erst in der späteren Überlieferung: „Zwei werden auf dem Felde sein; der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben werden“ (vgl. Mt 24,40).
37Und sie fingen an und fragten ihn: Herr, wo? Er aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.
18Von der bittenden Witwe
¶1Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, daß sie
allezeit beten und nicht nachlassen sollten,
2und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.
3Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher!
4Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,
5will ich doch dieser Witwe,
weil sie mir soviel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.
¶6Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! 7Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? 8Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?
Vom Pharisäer und Zöllner
¶9Er sagte aber zu einigen, die
sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:
10Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
11
Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.
12Ich faste zweimal in der Woche und
gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
13Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
14Ich sage euch:
Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und 
wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Die Segnung der Kinder(Mt 19,13-15; Mk 10,13-16)
¶15Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühren sollte. Als das aber die Jünger sahen, fuhren sie sie an.
16Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.
17Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Die Gefahr des Reichtums („Der reiche Jüngling“)(Mt 19,16-26; Mk 10,17-27)
¶18Und es fragte ihn ein Oberer und sprach: Guter Meister, was muß ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?a
19Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.
20Du kennst die Gebote:
„Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!“
21Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend auf.
22Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen
Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!
23Als er das aber hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich.
¶24Als aber Jesus sah, daß er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes!a 25Denn es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes komme. 26Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann selig werden? 27Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Der Lohn der Nachfolge(Mt 19,27-30; Mk 10,28-31)
¶28Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.
29Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verläßt um des Reiches Gottes willen,
30der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung(Mt 20,17-19; Mk 10,32-34)
¶31
Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden,
was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
32Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und mißhandelt und angespien werden,
33und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.
34Sie aber begriffen nichts davon, und 
der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.
Die Heilung eines Blinden bei Jericho(Mt 20,29-34; Mk 10,46-52)
¶35Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, daß ein Blinder am Wege saß und bettelte.
36Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre.
37Da berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei.
38Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
39Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
40Jesus aber blieb stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn:
41Was willst du, daß ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen kann.
42Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend!
Dein Glaube hat dir geholfen.
43Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.
19Zachäus
¶1Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch.
2Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.
3Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.
4Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.
5Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muß heute in deinem Haus einkehren.
6Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.
7Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.
8Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 
9Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn
auch er ist Abrahams Sohn.
10Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. 

Von den anvertrauten Pfunden(Mt 25,14-30)
¶11Als sie nun zuhörten, sagte er ein weiteres Gleichnis; denn er war nahe bei Jerusalem, und sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar werden.
12Und er sprach: Ein Fürst zog in ein fernes Land, um ein Königtum zu erlangen und dann zurückzukommen.
13Der ließ zehn seiner Knechte rufen und gab ihnen zehn Pfund und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme!
14Seine Bürger aber waren ihm feind und schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen:
Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche.
15Und es begab sich, als er wiederkam, nachdem er das Königtum erlangt hatte, da ließ er die Knechte rufen, denen er das Geld gegeben hatte, um zu erfahren, was ein jeder erhandelt hätte.
16Da trat der erste herzu und sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund eingebracht.
17Und er sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger Knecht;
weil du im Geringsten treu gewesen bist, sollst du Macht haben über zehn Städte.
18Der zweite kam auch und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund erbracht.
19Zu dem sprach er auch: Und du sollst über fünf Städte sein.
20Und der dritte kam und sprach: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das ich in einem Tuch verwahrt habe;
21denn ich fürchtete mich vor dir, weil du ein harter Mann bist; du nimmst, was du nicht angelegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.
22Er sprach zu ihm: Mit deinen eigenen Worten richte ich dich, du böser Knecht. Wußtest du, daß ich ein harter Mann bin, nehme, was ich nicht angelegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe:
23warum hast du dann mein Geld nicht zur Bank gebracht? Und wenn ich zurückgekommen wäre, hätte ich's mit Zinsen eingefordert.
24Und er sprach zu denen, die dabeistanden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt's dem, der zehn Pfund hat.
25Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn Pfund.
26Ich sage euch aber: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. 
27Doch diese meine Feinde, die nicht wollten, daß ich ihr König werde, bringt her und macht sie vor mir nieder.
Jesu Einzug in Jerusalem(Mt 21,1-11; Mk 11,1-10; Joh 12,12-16)
¶28Und als er das gesagt hatte, ging er voran und zog hinauf nach Jerusalem.
29Und es begab sich, als er nahe von Betfage und Betanien an den Berg kam, der Ölberg heißt, da sandte er zwei Jünger
30und sprach: Geht hin in das Dorf, das vor uns liegt. Und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt's her!
31Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann sagt: Der Herr bedarf seiner.
32Und die er gesandt hatte, gingen hin und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte.
33Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen seine Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los?
34Sie aber sprachen: Der Herr bedarf seiner.
35Und sie brachten's zu Jesus und warfen ihre Kleider auf das Füllen und setzten Jesus darauf.
36Als er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg.
37Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,
38und sprachen:
Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn!
Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
39Und einige Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!
40Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Jesus weint über Jerusalem
¶41Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie
42und sprach:
Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient!
Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen.
43Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen,
44und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und
keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.
Die Tempelreinigung(Mt 21,12-16; Mk 11,15-18; Joh 2,13-16)
¶45Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben,
46und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): „Mein Haus soll ein Bethaus sein“; ihr aber habt es zur
Räuberhöhle gemacht.
47Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, daß sie ihn umbrächten,
48und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn das ganze Volk hing ihm an und hörte ihn.
20Die Frage nach Jesu Vollmacht(Mt 21,23-27; Mk 11,27-33)
¶1Und es begab sich eines Tages, als er das Volk lehrte im Tempel und predigte das Evangelium, da traten zu ihm die Hohenpriester und Schriftgelehrten mit den Ältesten
2und sprachen zu ihm: Sage uns, aus welcher Vollmacht tust du das? oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben?
3Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch eine Sache fragen; sagt mir:
4Die Taufe des Johannes - war sie vom Himmel oder von Menschen?
5Sie aber bedachten's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm nicht geglaubt?a
6Sagen wir aber, von Menschen, so wird uns alles Volk steinigen; denn sie sind überzeugt, daß Johannes ein Prophet war.
7Und sie antworteten, sie wüßten nicht, wo sie her wäre.
8Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.
Von den bösen Weingärtnern(Mt 21,33-46; Mk 12,1-12)
¶9Er fing aber an, dem Volk dies Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes für eine lange Zeit.
10
Und als die Zeit kam, sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm seinen Anteil gäben an der Frucht des Weinbergs. Aber die Weingärtner schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.
11Und er sandte noch einen zweiten Knecht; sie aber schlugen den auch und verhöhnten ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.
12Und er sandte noch einen dritten; sie aber schlugen auch den blutig und stießen ihn hinaus.
13Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen lieben Sohn senden; vor dem werden sie sich doch scheuen.
¶14Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das ist der Erbe; laßt uns ihn töten, damit das Erbe unser sei! 15Und sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun? 16Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und seinen Weinberg andern geben.
¶17Als sie das hörten, sprachen sie: Nur das nicht!Er aber sah sie an und sprach: Was bedeutet dann das, was geschrieben steht (Psalm 118,22): „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden“?
18Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen;
auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen.
19Und die Schriftgelehrten und Hohenpriester trachteten danach, Hand an ihn zu legen noch in derselben Stunde, und
fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie hatten verstanden, daß er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte.
Die Frage nach der Steuer („Der Zinsgroschen“)(Mt 22,15-22; Mk 12,13-17)
¶20Und sie belauerten ihn und sandten Leute aus, die sich stellen sollten, als wären sie fromm; 
die sollten ihn fangen in seinen Worten, damit man ihn überantworten könnte der Obrigkeit und Gewalt des Statthalters.
21Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, daß du aufrichtig redest und lehrst und achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht.
22Ist's recht, daß wir dem Kaiser Steuern zahlen oder nicht?
23Er aber merkte ihre List und sprach zu ihnen:
24Zeigt mir einen Silbergroschen! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie sprachen: Des Kaisers.
25Er aber sprach zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!a
26Und sie konnten ihn in seinen Worten nicht fangen vor dem Volk und wunderten sich über seine Antwort und schwiegen still.
Die Frage nach der Auferstehung(Mt 22,23-33.46; Mk 12,18-27.34)
¶27Da traten zu ihm einige der Sadduzäer, die lehren, es gebe keine Auferstehung, und fragten ihn und sprachen:
28Meister, Mose hat uns vorgeschrieben (5. Mose 25,5.6): „Wenn jemand stirbt, der eine Frau hat, aber keine Kinder, so soll sein Bruder sie zur Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.“
29Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos.
30Und der zweite nahm sie,
31und der dritte; desgleichen alle sieben, sie hinterließen keine Kinder und starben.
32Zuletzt starb auch die Frau.
33Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird sie sein unter ihnen? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt.
34Und Jesus sprach zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten;
35welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen.
36Denn sie können hinfort auch nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und
Gottes Kinder, weil sie Kinder der Auferstehung sind.
37Daß aber die Toten auferstehen, darauf hat auch Mose gedeutet beim Dornbusch, wo er den Herrn nennt Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs (2. Mose 3,6).
38Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn
ihm leben sie alle.
¶39Da antworteten einige der Schriftgelehrten und sprachen: Meister, du hast recht geredet. 40Und sie wagten nicht mehr, ihn etwas zu fragen.
Die Frage nach dem Davidssohn(Mt 22,41-44; Mk 12,35-37)
¶41Er sprach aber zu ihnen: Wieso sagen sie, der Christus sei Davids Sohn?
42Denn David selbst sagt im Psalmbuch (Psalm 110,1): „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,
43bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.“
44David nennt ihn also einen Herrn; wie ist er dann sein Sohn?
Warnung vor den Schriftgelehrten(Mt 23,5-7)
¶45Als aber alles Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern:
46Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die es lieben, in langen Gewändern einherzugehen, und lassen sich gern grüßen auf dem Markt und
sitzen gern obenan in den Synagogen und bei Tisch;
47sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden ein um so härteres Urteil empfangen.
21Das Scherflein der Witwe(Mk 12,41-44)
¶1Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen ihre Opfer in den Gotteskasten einlegten.
2Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein ein.
3Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt.
4Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluß zu den Opfern eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte.
JESU REDE ÜBER DIE ENDZEIT(Verse 5-36)(Mt 24,1-36; Mk 13,1-32)Das Ende des Tempels
¶5Und als einige von dem Tempel sagten, daß er mit schönen Steinen und Kleinoden geschmückt sei, sprach er:
6Es wird die Zeit kommen, in der von allem, was ihr seht, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde.
Die Vorzeichen
¶7Sie fragten ihn aber: Meister, wann wird das geschehen? und was wird das Zeichen sein, wenn das geschehen wird?
8Er aber sprach: Seht zu, laßt euch nicht verführen. Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin's, und: Die Zeit ist herbeigekommen. - Folgt ihnen nicht nach!
9Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Aufruhr, so entsetzt euch nicht. Denn das muß zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da.
10Dann sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben gegen das andere und ein Reich gegen das andere,
11und es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte und Seuchen; auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen.
Die Verfolgung der Gemeinde
¶12Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen, und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen.
13Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis.
14So nehmt nun zu Herzen,
daß ihr euch nicht vorher sorgt, wie ihr euch verantworten sollt.
15Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Gegner nicht widerstehen noch widersprechen können.
16Ihr werdet aber verraten werden von Eltern, Brüdern, Verwandten und Freunden; und man wird einige von euch töten.
17Und ihr werdet gehaßt sein von jedermann um meines Namens willen.
18Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen.
19Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen.
*
Das Ende Jerusalems
¶20Wenn ihr aber sehen werdet, daß Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, daß seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist.
21Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein.
22Denn das sind die
Tage der Vergeltung, daß erfüllt werde alles, was geschrieben ist.
23Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen,
24und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden,
bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
Das Kommen des Menschensohns
¶25
Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,
26und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
27Und alsdann
werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
28Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter,
weil sich eure Erlösung naht.
Vom Feigenbaum
¶29Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an:
30wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wißt ihr selber, daß jetzt der Sommer nahe ist.
31So auch ihr: wenn ihr seht, daß dies alles geschieht, so wißt, daß das Reich Gottes nahe ist.
Ermahnung zur Wachsamkeit
¶32Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.
33Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.
¶34Hütet euch aber, daß
eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht
plötzlich über euch komme wie ein Fallstrick;
35denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erde wohnen.
36So seid allezeit wach und betet, daß ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.
¶37Er lehrte des Tags im Tempel; des Nachts aber ging er hinaus und blieb an dem Berg, den man den Ölberg nennt. 38Und alles Volk machte sich früh auf zu ihm, ihn im Tempel zu hören.
22LEIDEN, STERBEN UND AUFERSTEHUNG JESU(Kapitel 22-24)(Mt 26-28; Mk 14-16; Joh 18-21)Der Verrat des Judas
¶1Es war aber nahe das Fest der Ungesäuerten Brote, das Passa heißt.
2Und
die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie ihn töten könnten; denn sie fürchteten sich vor dem Volk.
¶3Es fuhr aber
der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte.
4Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihn an sie verraten könnte.
5Und sie wurden froh und versprachen, ihm Geld zu geben.
6Und er sagte es zu und suchte eine Gelegenheit, daß er ihn an sie verriete ohne Aufsehen.
Das Abendmahl
¶7Es kam nun der
Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passalamm opfern mußte.
8Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit wir's essen.
9Sie aber fragten ihn: Wo willst du, daß wir's bereiten?
10Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht,
11und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern?
12Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen ist; dort bereitet es.
13Sie gingen hin und
fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.
¶14Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm.
15Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide.
16Denn ich sage euch, daß ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes.
17Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch;
18denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt.
¶19
Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
20Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund* in meinem Blut, das für euch vergossen wird! *Luther übersetzte: „das neue Testament“.
¶21Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch.
22Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; doch weh dem Menschen, durch den er verraten wird!
23Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde.
Gespräche mit den Jüngern
¶24
Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen,
wer von ihnen als der Größte gelten solle.
25Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen.
26Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.
27Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist's nicht der, der zu Tisch sitzt?
Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
¶28Ihr aber seid's, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen.
29Und ich will euch das Reich zueignen, wie mir's mein Vater zugeeignet hat,
30daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und
sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.
¶31Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.
32Ich aber habe
für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.
33Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
34Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennst.
¶35Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals. 36Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Geldbeutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche, und wer's nicht hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert. 37Denn ich sage euch: Es muß das an mir vollendet werden, was geschrieben steht (Jesaja 53,12): „Er ist zu den Übeltätern gerechnet worden.“ Denn was von mir geschrieben ist, das wird vollendet. 38Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.
Jesus in Gethsemane
¶39Und er ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger.
40Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!
41Und er riß sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete
42und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern
dein Wille geschehe!
43Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.
44Und er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.* *Die Verse 43.44 finden sich in einigen wichtigen Textzeugen nicht.
45Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit
46und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!
Jesu Gefangennahme
¶47Als er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesus, um ihn zu küssen.
48Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuß?
49Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?
50Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab.
51Da sprach Jesus: Laßt ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.
52Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen.
53Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und 
ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.
Die Verleugnung des Petrus
¶54Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne.
55Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie.
56Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm.
57Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht.
58Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht.
59Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist ein Galiläer.
60Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn.
61Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
62Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.
Jesus vor dem Hohen Rat
¶63Die Männer aber, die Jesus gefangen hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn,
64verdeckten sein Angesicht und fragten: Weissage, wer ist's, der dich schlug?
65Und noch mit vielen andern Lästerungen schmähten sie ihn.
¶66Und als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten und führten ihn vor ihren Rat
67und sprachen: Bist du der Christus, so sage es uns! Er sprach aber zu ihnen:
Sage ich's euch, so glaubt ihr's nicht;
68frage ich aber, so antwortet ihr nicht.
69Aber von nun an wird der Menschensohn
sitzen zur Rechten der Kraft Gottes.
70Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, ich bin es.
71Sie aber sprachen: Was bedürfen wir noch eines Zeugnisses? Wir haben's selbst gehört aus seinem Munde.
23Jesus vor Pilatus
¶1Und die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus
2und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen:
Wir haben gefunden, daß dieser unser Volk aufhetzt und
verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.
3Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Er antwortete ihm und sprach: Du sagst es.
4Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.
5Sie aber wurden noch ungestümer und sprachen: Er wiegelt das Volk auf damit, daß er lehrt hier und dort in ganz Judäa, angefangen von Galiläa bis hierher.
Jesus vor Herodes
¶6Als aber Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch aus Galiläa wäre.
7Und als er vernahm, daß er ein
Untertan des Herodes war, sandte er ihn zu Herodes, der in diesen Tagen auch in Jerusalem war.
8Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn
er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen.
9Und er fragte ihn viel. Er aber antwortete ihm nichts.
10Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen dabei und verklagten ihn hart.
11Aber Herodes mit seinen Soldaten verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Gewand an und sandte ihn zurück zu Pilatus.
12An dem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher waren sie einander feind.
Jesu Verurteilung
¶13Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Oberen und das Volk zusammen
14und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen, der das Volk aufwiegelt; und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, deretwegen ihr ihn anklagt;
15Herodes auch nicht, denn er hat ihn uns zurückgesandt. Und siehe, er hat nichts getan, was den Tod verdient.
16Darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben.*
17*Vers 17 findet sich erst in der späteren Überlieferung: „Er mußte ihnen aber zum Fest einen Gefangenen losgeben.“
18Da schrien sie alle miteinander: Hinweg mit diesem, gib uns Barabbas los!
19Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins Gefängnis geworfen worden.
20Da redete Pilatus abermals auf sie ein, weil er Jesus losgeben wollte.
21Sie riefen aber: Kreuzige, kreuzige ihn!
22Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: Was hat denn dieser Böses getan? Ich habe nichts an ihm gefunden, was den Tod verdient; darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben.
23Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei und forderten, daß er gekreuzigt würde. Und ihr Geschrei nahm überhand.
24Und Pilatus urteilte, daß ihre Bitte erfüllt werde,
25und ließ den los, der wegen Aufruhr und Mord ins Gefängnis geworfen war, um welchen sie baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen.
Jesu Weg nach Golgatha
¶26Und als sie ihn abführten, ergriffen sie einen Mann, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn, daß er's Jesus nachtrüge.
¶27Es folgte ihm aber eine große Volksmenge und Frauen, die klagten und beweinten ihn. 28Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder. 29Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben!a 30Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns!a 31Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?a
Jesu Kreuzigung und Tod
¶32Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, daß sie mit ihm hingerichtet würden.
¶33Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.
34Jesus aber sprach: 
Vater, vergib ihnen; denn
sie wissen nicht, was sie tun! Und
sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.
35Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.
36Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig
37und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!
38Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
¶39Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!
40Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?
41Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
42Und er sprach: Jesus, gedenke an mich,
wenn du in dein Reich kommst!
43Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir
im Paradies sein.
¶44Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
45und die Sonne verlor ihren Schein, und der 
Vorhang des Tempels riß mitten entzwei.
46Und Jesus rief laut: Vater, 
ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
¶47Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!
48Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.
49Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die
Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.
Jesu Grablegung
¶50Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann
51und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und
wartete auf das Reich Gottes.
52Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu
53und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte.
54Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an.
55Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde.
56Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben.
Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.
24Jesu Auferstehung(Mt 28,1-10; Mk 16,1-8; Joh 20,1-10)
¶1Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten.
2Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab
3und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.
4Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern.
5Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
6Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:
7Der Menschensohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.
8Und sie gedachten an seine Worte.
9Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen.
10Es waren aber
Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln.
11Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.
12Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.
Die Emmausjünger(Mk 16,12.13)
¶13Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus.
14Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.
15Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.
16Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht erkannten.
¶17Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.
18Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der
ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk;
20wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.
21Wir aber hofften, er sei es, der
Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß dies geschehen ist.
22Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,
23haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.
24Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.
¶25Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!
26Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
27Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. 
28Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.
29Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.
¶30Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. 
31Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.
32Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?
33Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;
34die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.
35Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.
Jesu Erscheinung vor den Jüngern(Mk 16,14-19; Joh 20,19-23; Apg 1,1-14; 1. Kor 15,5)
¶36Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!
37Sie erschraken aber und fürchteten sich und
meinten, sie sähen einen Geist.
38Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?
39Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Faßt mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, daß ich sie habe.
40Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße.
41Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen?
42Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. 
43Und er nahm's und aß vor ihnen.
44Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte,
die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: 
Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.
45Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden, 
46und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, daß Christus leiden wird und auferstehen von den Toten
am dritten Tage;
47und 
daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem,
48und seid dafür Zeugen.
49Und siehe, ich will 
auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet
mit Kraft aus der Höhe.
Jesu Himmelfahrt
¶50Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
53und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.