Die Apostelgeschichte des Lukas1Christi Himmelfahrt
¶1Den
ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte
2bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde,
nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist Weisung gegeben hatte.
3Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.
4Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern 
zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt;
5denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
¶6Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit 
wieder aufrichten das Reich für Israel?
7Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;
8aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und
werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und
in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
¶9Und als er das gesagt hatte, 
wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
10Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen
zwei Männer in weißen Gewändern.
11Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so
wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
¶12Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt.
13Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten:
Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus.
14Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und
seinen Brüdern.
15Und in den Tagen trat
Petrus auf unter den Brüdern - es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig - und sprach:
16Ihr Männer und Brüder, es mußte das Wort der Schrift erfüllt werden, das der heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangennahmen;
17denn er gehörte zu uns und hatte dieses Amt mit uns empfangen.
18Der hat einen Acker erworben mit dem Lohn für seine Ungerechtigkeit. Aber er ist vornüber gestürzt und mitten entzwei geborsten, so daß alle seine Eingeweide hervorquollen.
19Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, so daß dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker.
20Denn es steht geschrieben im Psalmbuch (Psalm 69,26; 109,8): „Seine Behausung soll verwüstet werden, und niemand wohne darin“, und: „Sein Amt empfange ein andrer.“
21So muß nun einer von diesen Männern, die bei uns gewesen sind
die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein- und ausgegangen ist
22- von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde -, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.
23Und sie stellten zwei auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias,
24und
beteten und sprachen: Herr, der du aller Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden,
25damit er diesen Dienst und das Apostelamt empfange, das Judas verlassen hat, um an den Ort zu gehen, wohin er gehört.
26Und sie
warfen das Los über sie, und das Los fiel auf Matthias; und er wurde zugeordnet zu den elf Aposteln.
2Das Pfingstwunder
¶1Und als der
Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.
2Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,
4und 
sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen,* wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
5Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren
gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
7Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?
8Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?
9Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien,
10Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom,
11Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.
12Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?
13Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.
Die Pfingstpredigt des Petrus
¶14Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und laßt meine Worte zu euren Ohren eingehen!
15Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage;
16sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): „
17Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;
18und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.
19Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf;
20die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt.
21Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.“
¶22Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wißt -
23diesen Mann, der
durch Gottes Ratschluß und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
24Den hat Gott auferweckt und hat aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, daß er vom Tode festgehalten werden konnte.
25Denn David spricht von ihm (Psalm 16,8-11): „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er steht mir zur Rechten, damit ich nicht wanke.
26Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung.
27Denn du wirst mich nicht dem Tod überlassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe.
28Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.“
¶29Ihr Männer, liebe Brüder, laßt mich freimütig zu euch reden von dem Erzvater David.
Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag.
30Da er nun ein Prophet war und wußte, daß ihm Gott verheißen hatte mit einem Eid, daß 
ein Nachkomme von ihm auf seinem Thron sitzen sollte,
31hat er's vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Tod überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen.
32Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen.
33Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen heiligen Geist vom Vater,
hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört.
34Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst (Psalm 110,1): „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,
35bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.“
36So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.
Die erste Gemeinde
¶37Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, 
was sollen wir tun?
38Petrus sprach zu ihnen: 
Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.
39Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung, und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.
40Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Laßt euch erretten aus diesem 
verkehrten Geschlecht!
41Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.
¶42Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im
Brotbrechen und im Gebet.
43Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.
44Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.
45Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte.
46Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen
47und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. 



Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.
3Die Heilung des Gelähmten
¶1Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit.
2Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleibe; den setzte man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen.
3Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen.
4Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an!
5Und er sah sie an und wartete darauf, daß er etwas von ihnen empfinge.
6Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!
7Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest,
8er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
9Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben.
10Sie erkannten ihn auch, daß er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.
11Als er sich aber zu Petrus und Johannes hielt, lief alles Volk zu ihnen in die 
Halle, die da heißt Salomos, und sie wunderten sich sehr.
¶12Als Petrus das sah, sprach er zu dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber, oder was seht ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, daß dieser gehen kann?
13Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilatus, als der ihn loslassen wollte.
14Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum
gebeten, daß man euch den Mörder schenke;
15aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen.
16Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.
¶17Nun, liebe Brüder, ich weiß, daß ihr's aus Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen.
18Gott aber hat erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: daß sein Christus leiden sollte.
19So tut nun Buße und bekehrt euch, daß eure Sünden getilgt werden,
20damit die Zeit der Erquickung komme von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist: Jesus.
21Ihn muß der Himmel aufnehmen bis zu der Zeit, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.
22Mose hat gesagt (5. Mose 18,15.19): „Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird.
23Und es wird geschehen, wer diesen Propheten nicht hören wird, der soll vertilgt werden aus dem Volk.“
24Und alle Propheten von Samuel an, wie viele auch danach geredet haben, die haben auch diese Tage verkündigt.
25Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott geschlossen hat mit euren Vätern, als er zu Abraham sprach (1. Mose 22,18): „Durch dein Geschlecht sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden.“
26
Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht Jesus erweckt und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, daß ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit.
4Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat
¶1Während sie zum Volk redeten, traten zu ihnen die Priester und der
Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer,
2die verdroß, daß sie das Volk lehrten und
verkündigten an Jesus die Auferstehung von den Toten.
3Und sie legten Hand an sie und setzten sie gefangen bis zum Morgen; denn es war schon Abend.
4Aber viele von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
¶5Als nun der Morgen kam, versammelten sich ihre Oberen und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem,
6auch
Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander und alle, die vom Hohenpriestergeschlecht waren;
7und sie stellten sie vor sich und fragten sie: Aus welcher Kraft oder in welchem Namen habt ihr das getan?a
8Petrus,
voll des heiligen Geistes, sprach zu ihnen: Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten!
9Wenn wir heute verhört werden wegen dieser Wohltat an dem kranken Menschen, durch wen er gesund geworden ist,
10so sei euch und dem ganzen Volk Israel kundgetan:
Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch.
11Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist.
12Und in keinem andern ist das Heil, auch ist 
kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.
¶13Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, daß sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wußten auch von ihnen, daß sie mit Jesus gewesen waren.
14Sie sahen aber den Menschen,
der gesund geworden war, bei ihnen stehen und wußten nichts dagegen zu sagen.
15Da hießen sie sie hinausgehen aus dem Hohen Rat und verhandelten miteinander und sprachen:
16Was wollen wir mit diesen Menschen tun? Denn daß ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, ist allen bekannt, die in Jerusalem wohnen, und wir können's nicht leugnen.
17Aber damit es nicht weiter einreiße unter dem Volk, wollen wir ihnen drohen, daß sie hinfort zu keinem Menschen in diesem Namen reden.
18Und sie riefen sie und geboten ihnen, keinesfalls zu reden oder zu lehren in dem Namen Jesu.
19Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Urteilt selbst,
ob es vor Gott recht ist, daß wir euch mehr gehorchen als Gott.
20Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.
21Da drohten sie ihnen und ließen sie gehen um des Volkes willen, weil sie nichts fanden, was Strafe verdient hätte; denn alle lobten Gott für das, was geschehen war.
22Denn der Mensch war über vierzig Jahre alt, an dem dieses Zeichen der Heilung geschehen war.
Das Gebet der Gemeinde
¶23Und als man sie hatte gehen lassen, kamen sie zu den Ihren und berichteten, was die Hohenpriester und Ältesten zu ihnen gesagt hatten.
24Als sie das hörten, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott und sprachen: Herr, du hast Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht,
25du hast durch den heiligen Geist, durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, gesagt (Psalm 2,1.2): „Warum toben die Heiden, und die Völker nehmen sich vor, was umsonst ist?
26Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus.“
27Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast,
Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels,
28zu tun, was deine Hand und dein Ratschluß zuvor bestimmt hatten, daß es geschehen solle.
29Und nun, Herr, sieh an ihr Drohen und gib deinen Knechten,
mit allem Freimut zu reden dein Wort;
30strecke deine Hand aus, daß Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.
31Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.
Die Gütergemeinschaft der ersten Christen
¶32Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern
es war ihnen alles gemeinsam.
33Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große
Gnade war bei ihnen allen.
34Es war auch
keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte
35und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.
36Josef aber, der von den Aposteln 



Barnabas genannt wurde - das heißt übersetzt: Sohn des Trostes -, ein Levit, aus Zypern gebürtig,
37der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
5Hananias und Saphira
¶1Ein Mann aber mit Namen Hananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker,
2doch er hielt mit Wissen seiner Frau etwas von dem Geld zurück und brachte nur einen Teil und
legte ihn den Aposteln zu Füßen.
3Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den heiligen Geist belogen und etwas vom Geld für den Acker zurückbehalten hast?
4Hättest du den Acker nicht behalten können, als du ihn hattest? Und konntest du nicht auch, als er verkauft war, noch tun, was du wolltest? Warum hast du dir dies in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen.
5Als Hananias diese Worte hörte, fiel er zu Boden und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten.
6Da standen die jungen Männer auf und deckten ihn zu und trugen ihn hinaus und begruben ihn.
¶7Es begab sich nach einer Weile, etwa nach drei Stunden, da kam seine Frau herein und wußte nicht, was geschehen war. 8Aber Petrus sprach zu ihr: Sag mir, habt ihr den Acker für diesen Preis verkauft? Sie sprach: Ja, für diesen Preis. 9Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr euch denn einig geworden, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Tür und werden auch dich hinaustragen. 10Und sogleich fiel sie zu Boden, ihm vor die Füße, und gab den Geist auf. Da kamen die jungen Männer und fanden sie tot, trugen sie hinaus und begruben sie neben ihrem Mann. 11Und es kam eine große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die das hörten.
Wundertaten der Apostel
¶12Es geschahen aber viele Zeichen und Wunder im Volk durch die Hände der Apostel; und sie waren alle in der
Halle Salomos einmütig beieinander.
13Von den andern aber wagte keiner, ihnen zu nahe zu kommen; doch das Volk hielt viel von ihnen.
14Desto mehr aber wuchs die Zahl derer, die an den Herrn glaubten - eine Menge Männer und Frauen -,
15so daß sie die Kranken sogar auf die Straßen hinaustrugen und sie auf Betten und Bahren legten, damit, wenn Petrus käme, wenigstens sein Schatten auf einige von ihnen fiele.
16Es kamen auch viele aus den Städten rings um Jerusalem und brachten Kranke und solche, die von unreinen Geistern geplagt waren; und alle wurden gesund.
Die Apostel vor dem Hohen Rat
¶17Es erhoben sich aber
der Hohepriester und alle, die mit ihm waren, nämlich die Partei der Sadduzäer, von Eifersucht erfüllt,
18und legten Hand an die Apostel und warfen sie in das öffentliche Gefängnis.
19Aber
der Engel des Herrn tat in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte sie heraus und sprach:
20Geht hin und tretet im Tempel auf und redet zum Volk alle Worte des Lebens.
21Als sie das gehört hatten, gingen sie frühmorgens in den Tempel und lehrten. Der Hohepriester aber und die mit ihm waren, kamen und riefen den Hohen Rat und alle Ältesten in Israel zusammen und sandten zum Gefängnis, sie zu holen.
22Die Knechte gingen hin und fanden sie nicht im Gefängnis, kamen zurück und berichteten:
23Das Gefängnis fanden wir fest verschlossen und die Wächter vor den Türen stehen; aber als wir öffneten, fanden wir niemanden darin.
24Als der Hauptmann des Tempels und die Hohenpriester diese Worte hörten, wurden sie betreten und wußten nicht, was daraus werden sollte.
25Da kam jemand, der berichtete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk.
26Da ging der Hauptmann mit den Knechten hin und holte sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, daß sie gesteinigt würden.
27Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie
28und sprach:
Haben wir euch nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und
wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
29Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. 
30Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt.
31Den hat Gott
durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.
32Und
wir sind Zeugen dieses Geschehens und mit uns
der heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.
33Als sie das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie wollten sie töten.
Der Rat des Gamaliel
¶34Da stand aber im Hohen Rat ein Pharisäer auf mit Namen
Gamaliel, ein Schriftgelehrter, vom ganzen Volk in Ehren gehalten, und ließ die Männer für kurze Zeit hinausführen.
35Und er sprach zu ihnen: Ihr Männer von Israel, seht genau zu, was ihr mit diesen Menschen tun wollt.
36Denn vor einiger Zeit stand Theudas auf und gab vor, er wäre etwas, und ihm hing eine Anzahl Männer an, etwa vierhundert. Der wurde erschlagen, und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut und vernichtet.
37Danach stand Judas der Galiläer auf in den Tagen der Volkszählung und brachte eine Menge Volk hinter sich zum Aufruhr; und der ist auch umgekommen, und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut.
38Und nun sage ich euch: Laßt ab von diesen Menschen und laßt sie gehen!
Ist dies Vorhaben oder dies Werk von Menschen, so wird's untergehen;
39ist es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten - damit ihr nicht dasteht als solche, die gegen Gott streiten wollen. Da stimmten sie ihm zu
40und riefen die Apostel herein,
ließen sie geißeln und geboten ihnen, sie sollten nicht mehr im Namen Jesu reden, und ließen sie gehen.
41Sie gingen aber 
fröhlich von dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um Seines Namens willen Schmach zu leiden,
42und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.
6Die Wahl der sieben Armenpfleger
¶1In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der
täglichen Versorgung.
2Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, daß wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.
3Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die
einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst.
4Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.
5Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und
Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia.
6Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die 

beteten und legten die Hände auf sie.
7Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam. 
Stephanus vor dem Hohen Rat
¶8Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
9Da standen einige auf von der Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der Alexandriner und einige von denen aus Zilizien und der Provinz Asien und stritten mit Stephanus.
10Doch sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geist, in dem er redete.
¶11Da stifteten sie einige Männer an, die sprachen: Wir haben ihn Lästerworte reden hören gegen Mose und gegen Gott.
12Und sie brachten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, traten herzu und ergriffen ihn und führten ihn vor den Hohen Rat
13und stellten falsche Zeugen auf, die sprachen: Dieser Mensch hört nicht auf, zu reden
gegen diese heilige Stätte und das Gesetz.
14Denn wir haben ihn sagen hören: Dieser Jesus von Nazareth
wird diese Stätte zerstören und die Ordnungen ändern, die uns Mose gegeben hat.
15Und alle, die im Rat saßen, blickten auf ihn und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.
7Die Rede des Stephanus
¶1Da fragte der Hohepriester: Ist das so?
2
Er aber sprach: Liebe Brüder und Väter, hört zu. Der Gott der Herrlichkeit erschien unserm Vater Abraham, als er noch in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte,
3und sprach zu ihm (1. Mose 12,1): „Geh aus deinem Land und von deiner Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen will.“
4Da ging er aus dem Land der Chaldäer und wohnte in Haran. Und als sein Vater gestorben war, brachte Gott ihn von dort herüber in dies Land, in dem ihr nun wohnt,
5aber er gab ihm kein Eigentum darin, auch nicht einen Fuß breit, und verhieß ihm, er wolle es ihm und seinen Nachkommen zum Besitz geben, obwohl er noch kein Kind hatte.
6Denn so sprach Gott (1. Mose 15,13.14): „Deine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem fremden Lande, und man wird sie knechten und mißhandeln
vierhundert Jahre lang.
7Aber das Volk, dem sie als Knechte dienen müssen, will ich richten“, sprach Gott, „und danach werden sie ausziehen und mir dienen an dieser Stätte.“
8Und er gab ihm den Bund der Beschneidung. Und so zeugte er Isaak und beschnitt ihn am achten Tage, und Isaak den Jakob, und Jakob die zwölf Erzväter.
9Und die Erzväter beneideten Josef und verkauften ihn nach Ägypten. Aber Gott war mit ihm
10und errettete ihn aus aller seiner Bedrängnis und gab ihm Gnade und Weisheit vor dem Pharao, dem König von Ägypten; der setzte ihn zum Regenten über Ägypten und über sein ganzes Haus.
11Es kam aber eine Hungersnot über ganz Ägypten und Kanaan und eine große Bedrängnis, und unsre Väter fanden keine Nahrung.
12Jakob aber hörte, daß es in Ägypten Getreide gäbe, und sandte unsre Väter aus zum ersten Mal.
13Und beim zweiten Mal gab sich Josef seinen Brüdern zu erkennen; so wurde dem Pharao Josefs Herkunft bekannt.
14Josef aber sandte aus und ließ seinen Vater Jakob holen und seine ganze Verwandtschaft, fünfundsiebzig Menschen.
15Und Jakob zog hinab nach Ägypten und starb, er und unsre Väter;
16und sie wurden nach Sichem herübergebracht und in das Grab gelegt, das Abraham für Geld gekauft hatte von den Söhnen Hamors in Sichem.
¶17Als nun die Zeit der Verheißung sich nahte, die Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk und mehrte sich in Ägypten, 18bis ein andrer König über Ägypten aufkam, der nichts wußte von Josef. 19Dieser ging mit Hinterlist vor gegen unser Volk und mißhandelte unsre Väter und ließ ihre kleinen Kinder aussetzen, damit sie nicht am Leben blieben. 20Zu der Zeit wurde Mose geboren, und er war ein schönes Kind vor Gott und wurde drei Monate ernährt im Hause seines Vaters. 21Als er aber ausgesetzt wurde, nahm ihn die Tochter des Pharao auf und zog ihn auf als ihren Sohn. 22Und Mose wurde in aller Weisheit der Ägypter gelehrt und war mächtig in Worten und Werken.
¶23Als er aber vierzig Jahre alt wurde, gedachte er, nach seinen Brüdern, den Israeliten, zu sehen.
24Und sah einen Unrecht leiden; da stand er ihm bei und rächte den, dem Leid geschah, und erschlug den Ägypter.
25Er meinte aber, seine Brüder sollten's verstehen, daß Gott durch seine Hand ihnen Rettung bringe; aber sie verstanden's nicht.
26Und am nächsten Tag kam er zu ihnen, als sie miteinander stritten, und ermahnte sie, Frieden zu halten, und sprach: Liebe Männer, ihr seid doch Brüder; warum tut einer dem andern Unrecht?
27Der aber seinem Nächsten Unrecht getan hatte, stieß ihn von sich und sprach (2. Mose 2,14): „Wer hat dich zum Aufseher und Richter über uns gesetzt?
28Willst du mich auch töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast?“
29Mose aber floh wegen dieser Rede und lebte als Fremdling im Lande Midian; dort
zeugte er zwei Söhne.
¶30Und nach vierzig Jahren erschien ihm in der Wüste am Berge Sinai ein Engel in einer Feuerflamme im Dornbusch.
31Als aber Mose das sah, wunderte er sich über die Erscheinung. Als er aber hinzuging, zu schauen, geschah die Stimme des Herrn zu ihm (2. Mose 3,5-10): „
32Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs.“ Mose aber fing an zu zittern und wagte nicht hinzuschauen.
33Aber der Herr sprach zu ihm: „Zieh die Schuhe aus von deinen Füßen; denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliges Land!
34Ich habe gesehen das Leiden meines Volkes, das in Ägypten ist, und habe sein Seufzen gehört und bin herabgekommen, es zu erretten. Und nun komm her, ich will dich nach Ägypten senden.“
35Diesen Mose, den sie verleugnet hatten, als sie sprachen: „Wer hat dich als Aufseher und Richter eingesetzt?“, den sandte Gott als Anführer und Retter durch den Engel, der ihm im Dornbusch erschienen war.
36Dieser Mose führte sie heraus und tat Wunder und Zeichen
in Ägypten,
im Roten Meer und in der Wüste vierzig Jahre lang.
37Dies ist der Mose, der zu den Israeliten gesagt hat (5. Mose 18,15): „Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern.“
38Dieser ist's, der in der Gemeinde in der Wüste stand zwischen dem Engel, der mit ihm redete
auf dem Berge Sinai, und unsern Vätern.
Dieser empfing Worte des Lebens, um sie uns weiterzugeben.
39Ihm wollten unsre Väter nicht gehorsam werden, sondern sie stießen ihn von sich und wandten sich in ihrem Herzen wieder Ägypten zu
40und sprachen zu Aaron (2. Mose 32,1): „Mache uns Götter, die vor uns hergehen; denn wir wissen nicht, was diesem Mose, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, widerfahren ist.“
41Und sie machten zu der Zeit ein Kalb und opferten dem Götzenbild und freuten sich über das Werk ihrer Hände.
42Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, so daß sie dem Heer des Himmels dienten, wie geschrieben steht im Buch der Propheten (Amos 5,25-27): „Habt ihr vom Hause Israel die vierzig Jahre in der Wüste mir je Opfer und Gaben dargebracht?
43Ihr trugt die Hütte Molochs umher und den Stern des Gottes Räfan, die Bilder, die ihr gemacht hattet, sie anzubeten. Und ich will euch wegführen bis über Babylon hinaus.“
¶44Es hatten unsre Väter die Stiftshütte in der Wüste, wie der es angeordnet hatte, der zu Mose redete,
daß er sie machen sollte nach dem Vorbild, das er gesehen hatte.
45Diese übernahmen unsre Väter und 
brachten sie mit Josua in das Land, das die Heiden inne hatten, die Gott vertrieb vor dem Angesicht unsrer Väter, bis zur Zeit Davids.
46Der fand Gnade bei Gott und bat darum, 
daß er eine Stätte finden möge für das Haus Jakob.
47Salomo aber baute ihm ein Haus.
48Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht (Jesaja 66,1.2): „
49Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen“, spricht der Herr, „oder was ist die Stätte meiner Ruhe?
50Hat nicht meine Hand das alles gemacht?“
¶51Ihr
Halsstarrigen, mit 
verstockten Herzen und tauben Ohren,* ihr widerstrebt allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr.
52Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und 
sie haben getötet, die zuvor verkündigten das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid.
53Ihr habt
das Gesetz empfangen 
durch Weisung von Engeln und habt's nicht gehalten.
Der Tod des Stephanus
¶54Als sie das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie knirschten mit den Zähnen über ihn.
55Er aber, voll heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes
56und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und
den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
57Sie schrien aber laut und hielten sich ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein,
58stießen ihn zur Stadt hinaus und
steinigten ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes, der hieß
Saulus,
59und sie steinigten Stephanus; der rief den Herrn an und sprach:
Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
60Er fiel auf die Knie und schrie laut: Herr,
rechne ihnen diese Sünde nicht an! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
61Saulus aber hatte Gefallen an seinem Tode.
8Die Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem
¶1Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem; da 
zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, außer den Aposteln.
2Es bestatteten aber den Stephanus gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn.
3Saulus aber suchte die Gemeinde zu zerstören, ging von Haus zu Haus, schleppte Männer und Frauen fort und warf sie ins Gefängnis. 

Philippus in Samaria. Der Zauberer Simon
¶4Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort.
5
Philippus aber kam hinab in die Hauptstadt Samariens und predigte ihnen von Christus.
6Und das Volk neigte einmütig dem zu, was Philippus sagte, als sie ihm zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat.
7Denn
die unreinen Geister fuhren aus mit großem Geschrei aus vielen Besessenen, auch viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden gesund gemacht;
8und es entstand große Freude in dieser Stadt.
¶9Es war aber ein Mann mit Namen Simon, der zuvor in der Stadt Zauberei trieb und das Volk von Samaria in seinen Bann zog, weil er vorgab, er wäre etwas Großes. 10Und alle hingen ihm an, klein und groß, und sprachen: Dieser ist die Kraft Gottes, die die Große genannt wird. 11Sie hingen ihm aber an, weil er sie lange Zeit mit seiner Zauberei in seinen Bann gezogen hatte. 12Als sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen. 13Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen und hielt sich zu Philippus. Und als er die Zeichen und großen Taten sah, die geschahen, geriet er außer sich vor Staunen.
¶14Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, daß Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrus und Johannes. 15Die kamen hinab und beteten für sie, daß sie den heiligen Geist empfingen. 16Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 17Da legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den heiligen Geist.
¶18Als aber Simon sah, daß der Geist gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an 19und sprach: Gebt auch mir die Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den heiligen Geist empfange. 20Petrus aber sprach zu ihm: Daß du verdammt werdest mitsamt deinem Geld, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt. 21Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott. 22Darum tu Buße für diese deine Bosheit und flehe zum Herrn, ob dir das Trachten deines Herzens vergeben werden könne. 23Denn ich sehe, daß du voll bitterer Galle bist und verstrickt in Ungerechtigkeit. 24Da antwortete Simon und sprach: Bittet ihr den Herrn für mich, daß nichts von dem über mich komme, was ihr gesagt habt.
¶25Als sie nun das Wort des Herrn bezeugt und geredet hatten, kehrten sie wieder um nach Jerusalem und predigten das Evangelium in vielen Dörfern der Samariter.
Der Kämmerer aus Äthiopien
¶26Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.
27Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
28Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
29Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!
30Da lief Philippus hin und hörte, daß er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
31Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
32Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7.8): „Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.
33In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.“
34Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?
35Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
36Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, daß ich mich taufen lasse?*
37*Vers 37 findet sich erst in der späteren Überlieferung: „Philippus aber sprach: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so kann es geschehen. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist.“
38Und er ließ den Wagen halten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.
39Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen,
entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.
40Philippus aber fand sich in Aschdod wieder und zog umher und predigte in allen Städten das Evangelium, bis er nach
Cäsarea kam.
9Die Bekehrung des Saulus
¶1
Saulus aber
schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester
2und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe.
3Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel;
4und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?
5Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst.
7Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden.
8Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus;
9und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.
¶10Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr.
11Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet
12und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und die Hand auf ihn legte, damit er wieder sehend werde.
13Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wieviel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat;
14und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangenzunehmen, die deinen Namen anrufen.
15Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, daß er meinen Namen trage
vor Heiden und 
vor Könige und vor das Volk Israel.
16Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willen.
17Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest.
18Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen
19und nahm Speise zu sich und stärkte sich.
Saulus in Damaskus und Jerusalem Saulus blieb aber einige Tage bei denJüngern in Damaskus.
¶20Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, daß dieser Gottes Sohn sei.
21Alle aber, die es hörten, entsetzten sich und sprachen: Ist das nicht der, 
der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen, und ist er nicht deshalb hierhergekommen, daß er sie gefesselt zu den Hohenpriestern führe?
22Saulus aber
gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die in Damaskus wohnten, und bewies, daß Jesus der Christus ist.
23Nach mehreren Tagen aber hielten die Juden Rat und beschlossen, ihn zu töten.
24Aber es wurde Saulus bekannt, daß sie ihm nachstellten. Sie bewachten Tag und Nacht auch die Tore, um ihn zu töten.
25Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und
ließen ihn in einem Korb die Mauer hinab.
¶26Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich zu den Jüngern zu halten; doch sie fürchteten sich alle vor ihm und glaubten nicht, daß er ein Jünger wäre.
27Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Wege den Herrn gesehen und daß der mit ihm geredet und wie er in Damaskus im Namen Jesu frei und offen gepredigt hätte.
28Und er ging bei ihnen in Jerusalem ein und aus und predigte im Namen des Herrn frei und offen.
29Er redete und stritt auch mit den griechischen Juden; aber sie stellten ihm nach, um ihn zu töten.
30Als das die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn weiter
nach Tarsus.
¶31So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des heiligen Geistes.
Petrus in Lydda
¶32Es geschah aber, als Petrus überall im Land umherzog, daß er auch zu den Heiligen kam, die in Lydda wohnten.
33Dort fand er einen Mann mit Namen Äneas, seit acht Jahren ans Bett gebunden; der war gelähmt.
34Und Petrus sprach zu ihm: Äneas, Jesus Christus macht dich gesund; steh auf und mach dir selber das Bett. Und sogleich stand er auf.
35Da sahen ihn alle, die in Lydda und in Scharon wohnten, und bekehrten sich zu dem Herrn.
Die Auferweckung der Tabita
¶36In Joppe war eine Jüngerin mit Namen Tabita, das heißt übersetzt: Reh. Die tat viele gute Werke und gab reichlich Almosen.
37Es begab sich aber zu der Zeit, daß sie krank wurde und starb. Da wuschen sie sie und legten sie in das Obergemach.
38Weil aber Lydda nahe bei Joppe ist, sandten die Jünger, als sie hörten, daß Petrus dort war, zwei Männer zu ihm und baten ihn: Säume nicht, zu uns zu kommen!
39Petrus aber stand auf und ging mit ihnen. Und als er hingekommen war, führten sie ihn hinauf in das Obergemach, und es traten alle Witwen zu ihm, weinten und zeigten ihm die Röcke und Kleider, die Tabita gemacht hatte, als sie noch bei ihnen war.
40Und als Petrus sie alle hinausgetrieben hatte, kniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabita,
steh auf! Und sie schlug ihre Augen auf; und als sie Petrus sah, setzte sie sich auf.
41Er aber gab ihr die Hand und ließ sie aufstehen und rief die Heiligen und die Witwen und stellte sie lebendig vor sie.
42Und das wurde in ganz Joppe bekannt, und viele kamen zum Glauben an den Herrn.
43Und es geschah, daß Petrus lange Zeit in Joppe blieb bei einem Simon, der ein Gerber war.
10Der Hauptmann Kornelius
¶1Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann der Abteilung, die die Italische genannt wurde.
2Der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott.
3Der hatte eine Erscheinung um die neunte Stunde am Tage und sah deutlich einen Engel Gottes bei sich eintreten; der sprach zu ihm: Kornelius!
4Er aber sah ihn an, erschrak und fragte: Herr, was ist? Der sprach zu ihm: a Deine Gebete und deine Almosen sind vor Gott gekommen, und er hat ihrer gedacht. a Tob 3,24.25
5Und nun sende Männer nach Joppe und laß holen Simon mit dem Beinamen Petrus.
6Der ist zu Gast bei einem
Gerber Simon, dessen Haus am Meer liegt.
7Und als der Engel, der mit ihm redete, hinweggegangen war, rief Kornelius zwei seiner Knechte und einen frommen Soldaten von denen, die ihm dienten,
8und erzählte ihnen alles und
sandte sie nach Joppe.
¶9Am nächsten Tag, als diese auf dem Wege waren und in die Nähe der Stadt kamen, stieg Petrus auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde.
10Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, geriet er in Verzückung
11und sah den Himmel aufgetan und etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde.
12Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels.
13Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iß!
14Petrus aber sprach: Oh nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen.
15Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten.
16Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Tuch wieder hinaufgenommen gen Himmel.
¶17Als aber Petrus noch ratlos war, was die Erscheinung bedeute, die er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Kornelius gesandt, nach dem Haus Simons und standen an der Tür, 18riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast wäre. 19Während aber Petrus nachsann über die Erscheinung, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich; 20so steh auf, steig hinab und geh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt.
¶21Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin's, den ihr sucht; warum seid ihr hier? 22Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, daß er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. 23Da rief er sie herein und beherbergte sie.
¶24Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm.Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen.
25Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an.
26Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, 
ich bin auch nur ein Mensch.
27Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren.
28Und er sprach zu ihnen: Ihr wißt, daß es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, daß ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll.
29Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.
30Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand
31und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört, und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott.
32So sende nun nach Joppe und laß herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer.
33Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, daß du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.
¶34Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, 

daß Gott die Person nicht ansieht;
35sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.
36Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und
Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.
37Ihr wißt, was in ganz Judäa geschehen ist,
angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte,
38wie Gott Jesus von Nazareth
gesalbt hat mit heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.
39Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet.
40Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und
hat ihn erscheinen lassen,
41
nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir
mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten.
42Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen,
daß er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.
43Von diesem 
bezeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.
¶44Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten.
45Und die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, weil auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen wurde;
46denn sie hörten, daß sie in
Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus:
47Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir?
48Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi. Da baten sie ihn, noch einige Tage dazubleiben.
11Petrus in Jerusalem
¶1Es kam aber den Aposteln und Brüdern in Judäa zu Ohren, daß auch die Heiden Gottes Wort angenommen hatten.
2Und als Petrus hinaufkam nach Jerusalem, stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm
3und sprachen: Du bist zu Männern gegangen, die nicht Juden sind, und hast mit ihnen gegessen!a
4Petrus aber fing an und erzählte es ihnen der Reihe nach und sprach:
5
Ich war in der Stadt Joppe im Gebet und geriet in Verzückung und hatte eine Erscheinung; ich sah etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen vom Himmel; das kam bis zu mir.
6Als ich hineinsah, erblickte ich vierfüßige Tiere der Erde und wilde Tiere und kriechende Tiere und Vögel des Himmels.
7Ich hörte aber auch eine Stimme, die sprach zu mir: Steh auf, Petrus, schlachte und iß!
8Ich aber sprach: Oh nein, Herr; denn es ist nie etwas Verbotenes oder Unreines in meinen Mund gekommen.
9Aber die Stimme antwortete zum zweiten Mal vom Himmel: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten.
10Das geschah aber dreimal; und alles wurde wieder gen Himmel hinaufgezogen.
11Und siehe, auf einmal standen drei Männer vor dem Hause, in dem wir waren, von Cäsarea zu mir gesandt.
12Der Geist aber sprach zu mir, ich solle mit ihnen gehen und nicht zweifeln. Es kamen aber mit mir auch diese sechs Brüder, und wir gingen in das Haus des Mannes.
13Der berichtete uns, wie er den Engel in seinem Haus gesehen habe, der zu ihm sagte: Sende Männer nach Joppe und laß holen Simon, mit dem Beinamen Petrus;
14der wird dir die Botschaft sagen, durch die du selig wirst und dein ganzes Haus.
15Als ich aber anfing zu reden, fiel der heilige Geist auf sie
ebenso wie am Anfang auf uns.
16Da dachte ich an das Wort des Herrn, als er sagte: Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden.
17Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir zum Glauben gekommen sind an den Herrn Jesus Christus: wer war ich, daß ich Gott wehren konnte?
18Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott und sprachen: So hat Gott auch den Heiden die Umkehr gegeben, die zum Leben führt!
Erste Christen in Antiochia
¶19Die aber
zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden.
20Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus.
21Und die Hand des Herrn war mit ihnen, und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.
¶22Es kam aber die Kunde davon der Gemeinde von Jerusalem zu Ohren; und sie sandten
Barnabas, daß er nach Antiochia ginge.
23Als dieser dort hingekommen war und die Gnade Gottes sah, wurde er froh und ermahnte sie alle, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben;
24denn er war ein bewährter Mann, voll heiligen Geistes und Glaubens. Und
viel Volk wurde für den Herrn gewonnen.
25Barnabas aber zog aus nach Tarsus,
Saulus zu suchen.
26Und als er ihn fand, brachte er ihn nach Antiochia. Und sie blieben ein ganzes Jahr bei der Gemeinde und lehrten viele. In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.
¶27In diesen Tagen kamen 
Propheten von Jerusalem nach Antiochia.
28Und einer von ihnen mit Namen Agabus trat auf und sagte durch den Geist eine große Hungersnot voraus, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; dies geschah unter dem Kaiser Klaudius.
29Aber unter den Jüngern beschloß ein jeder, nach seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Gabe zu senden.
30Das taten sie auch und schickten sie zu den Ältesten durch Barnabas und Saulus. 
12Der Tod des Jakobus und die Befreiung des Petrus
¶1Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu mißhandeln.
2Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.
¶3Und als er sah, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote.
4Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen.
5So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.
6Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis.
7Und siehe, der Engel des Herrn kam herein, und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.
8Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!
9Und er ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, daß ihm das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen.
10Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, und alsbald verließ ihn der Engel.
11Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.
¶12Und als er sich besonnen hatte, ging er zum Haus Marias, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus, wo viele beieinander waren und beteten. 13Als er aber an das Hoftor klopfte, kam eine Magd mit Namen Rhode, um zu hören, wer da wäre. 14Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, tat sie vor Freude das Tor nicht auf, lief hinein und verkündete, Petrus stünde vor dem Tor. 15Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen. Doch sie bestand darauf, es wäre so. Da sprachen sie: Es ist sein Engel. 16Petrus aber klopfte weiter an. Als sie nun aufmachten, sahen sie ihn und entsetzten sich. 17Er aber winkte ihnen mit der Hand, daß sie schweigen sollten, und erzählte ihnen, wie ihn der Herr aus dem Gefängnis geführt hatte, und sprach: Verkündet dies dem Jakobus und den Brüdern. Dann ging er hinaus und zog an einen andern Ort.
Das Ende des Herodes Agrippa
¶18Als es aber Tag wurde, entstand eine nicht geringe Verwirrung unter den Soldaten, was wohl mit Petrus geschehen sei.
19Als aber Herodes ihn holen lassen wollte und ihn nicht fand, verhörte er die Wachen und ließ sie abführen. Dann zog er von Judäa hinab nach Cäsarea und blieb dort eine Zeitlang.
¶20Er war aber zornig auf die Einwohner von Tyrus und Sidon. Sie aber kamen einmütig zu ihm und überredeten Blastus, den Kämmerer des Königs, und baten um Frieden,
weil ihr Land seine Nahrung aus dem Land des Königs bekam.
21Und an einem festgesetzten Tag legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thron und hielt eine Rede an sie.
22Das Volk aber rief ihm zu: Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen!a
23Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn,
weil er Gott nicht die Ehre gab. Und b von Würmern zerfressen, gab er den Geist auf.
¶24Und das Wort Gottes wuchs und breitete sich aus.
25Barnabas und Saulus aber kehrten zurück, nachdem sie in Jerusalem die
Gabe überbracht hatten, und
nahmen mit sich Johannes, der den Beinamen Markus hat.
13Der Beginn der ersten Missionsreise
¶1Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde 
Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus.
2Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk,
zu dem ich sie berufen habe.
3Da fasteten sie und
beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.
Auf der Insel Zypern
¶4Nachdem sie nun ausgesandt waren vom heiligen Geist, kamen sie nach Seleuzia und von da zu Schiff nach Zypern.
5Und als sie in die Stadt Salamis kamen, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden; sie hatten aber auch Johannes als Gehilfen bei sich.
6Als sie die ganze Insel bis nach Paphos durchzogen hatten, trafen sie einen Zauberer und falschen Propheten, einen Juden, der hieß Barjesus;
7der war bei dem Statthalter Sergius Paulus, einem verständigen Mann. Dieser rief Barnabas und Saulus zu sich und begehrte, das Wort Gottes zu hören.
8Da widerstand ihnen der Zauberer Elymas - denn so wird sein Name übersetzt - und versuchte, den Statthalter vom Glauben abzuhalten.
9Saulus aber, der auch Paulus heißt, voll heiligen Geistes, sah ihn an
10und sprach: Du Sohn des Teufels, voll aller List und aller Bosheit, du Feind aller Gerechtigkeit, hörst du nicht auf, krumm zu machen die geraden Wege des Herrn?
11Und nun siehe, die Hand des Herrn kommt über dich, und du sollst blind sein und die Sonne eine Zeitlang nicht sehen! Auf der Stelle fiel Dunkelheit und Finsternis auf ihn, und er ging umher und suchte jemanden, der ihn an der Hand führte.
12Als der Statthalter sah, was geschehen war, wurde er gläubig und verwunderte sich über die Lehre des Herrn.
In Antiochia in Pisidien
¶13Paulus aber und die um ihn waren, fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien. Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte zurück nach Jerusalem.
14Sie aber zogen von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien und gingen am Sabbat in die Synagoge und setzten sich.
15Nach der
Lesung des Gesetzes und der Propheten aber schickten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und ließen ihnen sagen: Liebe Brüder, wollt ihr etwas reden und das Volk ermahnen, so sagt es.
16Da stand Paulus auf und winkte mit der Hand und sprach: Ihr Männer von Israel und ihr Gottesfürchtigen*, hört zu! *Siehe Sach- und Worterklärungen.
17Der Gott dieses Volkes Israel hat unsre Väter erwählt und das Volk groß gemacht, als sie Fremdlinge waren im Lande Ägypten, und 
mit starkem Arm führte er sie von dort heraus.
18Und vierzig Jahre lang ertrug er sie in der Wüstea
19und
vernichtete sieben Völker in dem Land Kanaan und
gab ihnen deren Land zum Erbe;
20das geschah in etwa vierhundertfünfzig Jahren. Danach gab er ihnen
Richter bis zur Zeit des
Propheten Samuel.
21Und von da an
baten sie um einen König; und Gott gab ihnen
Saul, den Sohn des Kisch, einen Mann aus dem Stamm Benjamin, für vierzig Jahre.
22Und als er diesen verstoßen hatte, erhob er David zu ihrem König, von dem er bezeugte (1. Samuel 13,14): „Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem Herzen, der soll meinen ganzen Willen tun.“
23Aus dessen Geschlecht hat Gott,
wie er verheißen hat, Jesus kommen lassen als Heiland für das Volk Israel,
24nachdem Johannes, bevor Jesus auftrat, dem ganzen Volk Israel die Taufe der Buße gepredigt hatte.
25Als aber Johannes seinen Lauf vollendete, sprach er:
Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber siehe, er kommt nach mir, 

dessen Schuhriemen zu lösen ich nicht wert bin.
26Ihr Männer, liebe Brüder, ihr Söhne aus dem Geschlecht Abrahams und ihr Gottesfürchtigen, uns ist das Wort dieses Heils gesandt.
27Denn die Einwohner von Jerusalem und ihre Oberen haben,
weil sie Jesus nicht erkannten, die Worte der Propheten, die an jedem Sabbat vorgelesen werden, mit ihrem Urteilsspruch erfüllt.
28Und obwohl sie nichts an ihm fanden, das den Tod verdient hätte,
baten sie doch Pilatus, ihn zu töten.
29Und als sie alles vollendet hatten, was von ihm geschrieben steht, nahmen sie ihn von dem Holz und
legten ihn in ein Grab.
30Aber Gott hat ihn auferweckt von den Toten;
31und er ist
an vielen Tagen denen erschienen, die mit ihm von Galiläa hinauf nach Jerusalem gegangen waren; die sind jetzt seine Zeugen vor dem Volk.
32Und wir verkündigen euch die Verheißung, die an die Väter ergangen ist,
33daß Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte; wie denn im zweiten Psalm geschrieben steht (Psalm 2,7): „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“
34Daß er ihn aber von den Toten auferweckt hat und ihn nicht der Verwesung überlassen wollte, hat er so gesagt (Jesaja 55,3): „Ich will euch die Gnade, die David verheißen ist, treu bewahren.“
35Darum sagt er auch an einer andern Stelle (Psalm 16,10):
„Du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe.“
36Denn nachdem David zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte, ist er entschlafen und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen.
37Der aber, den Gott auferweckt hat, der hat die Verwesung nicht gesehen.
38So sei euch nun kundgetan, liebe Brüder, daß euch durch ihn Vergebung der Sünden verkündigt wird; und in all dem, worin ihr durch das Gesetz des Mose nicht gerecht werden konntet,
39ist der
gerecht gemacht, der an ihn glaubt.
40Seht nun zu, daß nicht über euch komme, was in den Propheten gesagt ist (Habakuk 1,5): „
41Seht, ihr Verächter, und wundert euch und werdet zunichte! Denn ich tue ein Werk zu euren Zeiten, das ihr nicht glauben werdet, wenn es euch jemand erzählt.“
¶42Als sie aber aus der Synagoge hinausgingen, baten die Leute, daß sie am nächsten Sabbat noch einmal von diesen Dingen redeten. 43Und als die Gemeinde auseinanderging, folgten viele Juden und gottesfürchtige Judengenossen dem Paulus und Barnabas. Diese sprachen mit ihnen und ermahnten sie, daß sie bleiben sollten in der Gnade Gottes.
¶44Am folgenden Sabbat aber kam fast die ganze Stadt zusammen, das Wort Gottes zu hören.
45Als aber die Juden die Menge sahen, wurden sie neidisch und widersprachen dem, was Paulus sagte, und lästerten.
46Paulus und Barnabas aber sprachen frei und offen: 
Euch mußte das Wort Gottes zuerst gesagt werden; da ihr es aber von euch stoßt und haltet euch selbst nicht für würdig des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden.
47Denn so hat uns der Herr geboten (Jesaja 49,6): „Ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht, damit du das Heil seist bis an die Enden der Erde.“
¶48Als das die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des Herrn, und alle wurden gläubig,
die zum ewigen Leben bestimmt waren.
49Und das Wort des Herrn breitete sich aus in der ganzen Gegend.
50Aber die Juden hetzten die gottesfürchtigen vornehmen Frauen und die angesehensten Männer der Stadt auf und stifteten eine Verfolgung an gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet.
51Sie aber 
schüttelten den Staub von ihren Füßen zum Zeugnis gegen sie und kamen nach Ikonion.
52Die Jünger aber wurden erfüllt von Freude und heiligem Geist.
14In Ikonion
¶1Es geschah aber in Ikonion, daß sie wieder in die Synagoge der Juden gingen und so predigten, daß eine große Menge Juden und Griechen gläubig wurde.
2Die Juden aber, die ungläubig blieben, stifteten Unruhe und hetzten die Seelen der Heiden auf gegen die Brüder.
3Dennoch blieben sie eine lange Zeit dort und lehrten frei und offen im Vertrauen auf den Herrn, der das Wort seiner Gnade bezeugte und 
ließ Zeichen und Wunder geschehen durch ihre Hände.
4Die Menge in der Stadt aber spaltete sich; die einen hielten's mit den Juden und die andern mit den Aposteln.
5Als sich aber ein Sturm erhob bei den Heiden und Juden und ihren Oberen und sie sie mißhandeln und steinigen wollten,
6merkten sie es und entflohen in die Städte Lykaoniens, nach Lystra und Derbe, und in deren Umgebung
7und predigten dort das Evangelium.
In Lystra
¶8Und es war ein Mann in Lystra, der hatte schwache Füße und konnte nur sitzen; er war gelähmt von Mutterleib an und hatte noch nie gehen können.
9Der hörte Paulus reden. Und als dieser ihn ansah und merkte, daß
er glaubte, ihm könne geholfen werden,
10sprach er mit lauter Stimme: Stell dich aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher.
11Als aber das Volk sah, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und riefen auf lykaonisch:
Die Götter sind den Menschen gleich geworden und zu uns herabgekommen.
12Und sie nannten Barnabas Zeus und Paulus Hermes, weil er das Wort führte.
13Und der Priester des Zeus aus dem Tempel vor ihrer Stadt brachte Stiere und Kränze vor das Tor und wollte opfern samt dem Volk.
14Als das die Apostel Barnabas und Paulus hörten, zerrissen sie ihre Kleider und sprangen unter das Volk und schrien:
15Ihr Männer, was macht ihr da?
Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr und predigen euch das Evangelium, daß ihr euch bekehren sollt von diesen falschen Göttern zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat.
16Zwar hat er in den vergangenen Zeiten alle Heiden ihre eigenen Wege gehen lassen;
17und doch hat er sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. -
18Und obwohl sie das sagten, konnten sie kaum das Volk davon abbringen, ihnen zu opfern.
¶19Es kamen aber von Antiochia und Ikonion Juden dorthin und überredeten das Volk und 
steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, und meinten, er wäre gestorben.
20Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt.
Die Rückkehr nach Antiochia in Syrien Am nächsten Tag zog er mit Barnabasweiter nach Derbe;
¶21und sie predigten dieser Stadt das Evangelium und machten viele zu Jüngern. Dann kehrten sie zurück nach Lystra und Ikonion und Antiochia,
22stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele 
Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.
23Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein,
beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.
24Und sie zogen durch Pisidien und kamen nach Pamphylien
25und sagten das Wort in Perge und zogen hinab nach Attalia.
¶26Und von da fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia,
wo sie der Gnade Gottes befohlen worden waren zu dem Werk, das sie nun ausgerichtet hatten.
27Als sie aber dort ankamen, versammelten sie die Gemeinde und verkündeten, wieviel Gott durch sie getan und wie er den Heiden
die Tür des Glaubens aufgetan hätte.
28Sie blieben aber dort eine nicht geringe Zeit bei den Jüngern.
15Die Apostelversammlung in Jerusalem
¶1Und einige kamen herab von Judäa und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht beschneiden laßt nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden.
2Als nun Zwietracht entstand, und Paulus und Barnabas einen nicht geringen Streit mit ihnen hatten, ordnete man an,
daß Paulus und Barnabas und einige andre von ihnen nach Jerusalem hinaufziehen sollten zu den Aposteln und Ältesten um dieser Frage willen.
3Und sie wurden von der Gemeinde geleitet und zogen durch Phönizien und Samarien und erzählten von der Bekehrung der Heiden und machten damit allen Brüdern große Freude.
4Als sie aber nach Jerusalem kamen, wurden sie empfangen von der Gemeinde und von den Aposteln und von den Ältesten. Und sie verkündeten, wieviel Gott durch sie getan hatte.
5Da traten einige von der Partei der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sprachen: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.
6Da kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, über diese Sache zu beraten.
¶7Als man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wißt, daß Gott vor langer Zeit unter euch bestimmt hat, daß 
durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten.
8Und Gott, der die Herzen kennt, hat es bezeugt und ihnen den heiligen Geist gegeben wie auch uns,
9und er hat keinen Unterschied gemacht zwischen uns und ihnen, nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben.
10Warum versucht ihr denn nun Gott dadurch, daß ihr 
ein Joch auf den Nacken der Jünger legt, das weder unsre Väter noch wir haben tragen können?
11Vielmehr glauben wir, 
durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, ebenso wie auch sie.
12Da schwieg die ganze Menge still und hörte Paulus und Barnabas zu, die erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden.
¶13Danach, als sie schwiegen, antwortete Jakobus und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, hört mir zu!
14Simon hat erzählt, wie Gott zum ersten Mal die Heiden gnädig heimgesucht hat, um aus ihnen ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.
15Und dazu stimmen die Worte der Propheten, wie geschrieben steht (Amos 9,11.12): „
16Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und will die zerfallene Hütte Davids wieder bauen, und ihre Trümmer will ich wieder aufbauen und will sie aufrichten,
17damit die Menschen, die übriggeblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der Herr,
18der tut, was von alters her bekannt ist.“
19Darum meine ich, daß man denen von den Heiden, die sich zu Gott bekehren, nicht Unruhe mache,
20sondern ihnen vorschreibe, daß sie sich enthalten sollen
von Befleckung durch Götzen und
von Unzucht* und vom Erstickten* und
vom Blut.
21Denn Mose hat von alten Zeiten her in allen Städten solche, die ihn predigen, und
wird alle Sabbattage in den Synagogen gelesen.
Die Beschlüsse der Apostelversammlung
¶22Und die Apostel und Ältesten beschlossen samt der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer auszuwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas mit dem Beinamen Barsabbas und Silas, angesehene Männer unter den Brüdern.
23Und sie gaben ein Schreiben in ihre Hand, also lautend:
¶24Wir, die Apostel und Ältesten, eure Brüder, wünschen Heil den Brüdern aus den Heiden in Antiochia und Syrien und Zilizien.Weil wir gehört haben, daß einige von den Unsern, denen wir doch nichts befohlen hatten, euch mit Lehren irre gemacht und eure Seelen verwirrt haben, 25so haben wir, einmütig versammelt, beschlossen, Männer auszuwählen und zu euch zu senden, mit unsern geliebten Brüdern Barnabas und Paulus, 26Männer, die ihr Leben eingesetzt haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus. 27So haben wir Judas und Silas gesandt, die euch mündlich dasselbe mitteilen werden. 28Denn es gefällt dem heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge: 29daß ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl!
Die Benachrichtigung der Gemeinde in Antiochia
¶30Als man sie hatte gehen lassen, kamen sie nach Antiochia und versammelten die Gemeinde und übergaben den Brief.
31Als sie ihn lasen, wurden sie über den Zuspruch froh.
32Judas aber und Silas, die selbst 
Propheten waren, ermahnten die Brüder mit vielen Reden und stärkten sie.
33Und als sie eine Zeitlang dort verweilt hatten, ließen die Brüder sie mit Frieden gehen zu denen, die sie gesandt hatten.*
34*Vers 34 findet sich erst in der späteren Überlieferung: „Es gefiel aber Silas, dort zu bleiben.“
35Paulus und Barnabas aber blieben in Antiochia, lehrten und predigten mit vielen andern das Wort des Herrn.
Der Beginn der zweiten Missionsreise
¶36Nach einigen Tagen sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns wieder aufbrechen und nach unsern Brüdern sehen in allen Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie steht.
37Barnabas aber wollte, daß sie auch Johannes mit dem Beinamen Markus mitnähmen.
38Paulus aber hielt es nicht für richtig, jemanden mitzunehmen, der sie
in Pamphylien verlassen hatte und nicht mit ihnen ans Werk gegangen war.
39Und sie kamen scharf aneinander, so daß sie sich trennten. Barnabas nahm Markus mit sich und fuhr nach Zypern.
40Paulus aber wählte Silas und zog fort, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen.
41Er zog aber durch Syrien und Zilizien und stärkte die Gemeinden.
16In Kleinasien
¶1Er kam auch nach Derbe und Lystra; und siehe, dort war ein Jünger mit Namen 



Timotheus, der Sohn
einer jüdischen Frau, die gläubig war, und eines griechischen Vaters.
2Der hatte einen guten Ruf bei den Brüdern in Lystra und Ikonion.
3Diesen wollte Paulus mit sich ziehen lassen, und er nahm ihn und
beschnitt ihn wegen der Juden, die in jener Gegend waren; denn sie wußten alle, daß sein Vater ein Grieche war.
4Als sie aber durch die Städte zogen, übergaben sie ihnen
die Beschlüsse, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem gefaßt worden waren, damit sie sich daran hielten.
5Da wurden die Gemeinden im Glauben gefestigt und nahmen täglich zu an Zahl.
¶6Sie zogen aber
durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort zu predigen in der Provinz Asien.
7Als sie aber bis nach Mysien gekommen waren, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; doch der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu.
8Da zogen sie durch Mysien und kamen hinab nach Troas.
Der Ruf nach Mazedonien
¶9Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!
10Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiß, daß uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
In Philippi
¶11Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis
12und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt.
13Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluß, wo wir dachten, daß man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen.
Die Bekehrung der Lydia
¶14Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, so daß sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde.
15Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, daß ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.
Die Magd mit dem Wahrsagegeist
¶16Es geschah aber, als wir zum Gebet gingen, da begegnete uns eine Magd, die hatte einen Wahrsagegeist und brachte ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem Wahrsagen.
17Die folgte Paulus und uns überall hin und schrie: Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen.
18Das tat sie viele Tage lang. Paulus war darüber so aufgebracht, daß er sich umwandte und zu dem Geist sprach: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, daß du von ihr ausfährst.
Und er fuhr aus zu derselben Stunde.
19Als aber ihre Herren sahen, daß damit ihre Hoffnung auf Gewinn ausgefahren war, ergriffen sie Paulus und Silas, schleppten sie auf den Markt vor die Oberen
20
und führten sie den Stadtrichtern vor und sprachen: Diese Menschen bringen unsre Stadt in Aufruhr; sie sind Juden
21und verkünden Ordnungen, die wir weder annehmen noch einhalten dürfen, weil wir Römer sind.
22Und das Volk wandte sich gegen sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider herunterreißen und befahlen, sie 

mit Stöcken zu schlagen.
Paulus und Silas im Gefängnis
¶23Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen.
24Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block.
¶25Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.
26Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so daß die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen, und von allen fielen die Fesseln ab.
27Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offenstehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.
28Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!
29Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen.
30Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren,
was muß ich tun, daß ich gerettet werde?
31Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!
32Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.
33Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen
34und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er zum Glauben an Gott gekommen war.
¶35Als es aber Tag geworden war, sandten die Stadtrichter die Amtsdiener und ließen sagen: Laß diese Männer frei!
36Und der Aufseher überbrachte Paulus diese Botschaft: Die Stadtrichter haben hergesandt, daß ihr frei sein sollt. Nun kommt heraus und geht hin in Frieden!
37Paulus aber sprach zu ihnen: Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich geschlagen, die wir doch
römische Bürger sind, und in das Gefängnis geworfen, und sollten uns nun heimlich fortschicken? Nein! Sie sollen selbst kommen und uns hinausführen!
38Die Amtsdiener berichteten diese Worte den Stadtrichtern. Da fürchteten sie sich, als sie hörten, daß sie römische Bürger seien,
39und kamen und redeten ihnen zu, führten sie heraus und baten sie, die Stadt zu verlassen.
40Da gingen sie aus dem Gefängnis und gingen zu der Lydia. Und als sie die Brüder gesehen und sie getröstet hatten, zogen sie fort.
17In Thessalonich
¶1Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach
Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden.
2Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete mit ihnen an drei Sabbaten von der Schrift,
3tat sie ihnen auf und legte ihnen dar,
daß Christus leiden mußte und von den Toten auferstehen und daß dieser Jesus, den ich - so sprach er - euch verkündige, der Christus ist.
4Einige von ihnen ließen sich überzeugen und schlossen sich Paulus und 
Silas an, auch eine große Menge von gottesfürchtigen Griechen, dazu nicht wenige von den angesehensten Frauen.
5Aber die Juden ereiferten sich und holten sich einige üble Männer aus dem Pöbel, rotteten sich zusammen und richteten einen Aufruhr in der Stadt an und zogen vor das Haus Jasons und suchten sie, um sie vor das Volk zu führen.
6Sie fanden sie aber nicht. Da schleiften sie Jason und einige Brüder vor die Oberen der Stadt und schrien: Diese,
die den ganzen Weltkreis erregen, sind jetzt auch hierher gekommen;
7die beherbergt Jason. Und diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen,
ein anderer sei König, nämlich Jesus.
8So brachten sie das Volk auf und die Oberen der Stadt, die das hörten.
9Und erst nachdem ihnen von Jason und den andern Bürgschaft geleistet war, ließen sie sie frei.
In Beröa
¶10Die Brüder aber schickten noch in derselben Nacht Paulus und Silas nach Beröa. Als sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden.
11Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und
forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte.
12So glaubten nun viele von ihnen, darunter nicht wenige von den vornehmen griechischen Frauen und Männern.
13Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, daß auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt wurde, kamen sie und erregten Unruhe und verwirrten auch dort das Volk.
14Da schickten die Brüder Paulus sogleich weiter bis an das Meer; Silas und
Timotheus aber blieben zurück.
15Die aber Paulus geleiteten, brachten ihn bis nach Athen. Und nachdem sie den Auftrag empfangen hatten, daß Silas und Timotheus so schnell wie möglich zu ihm kommen sollten, kehrten sie zurück.
In Athen
¶16Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, als er die Stadt voller Götzenbilder sah.
17Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden.
18Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht so aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Er hatte ihnen nämlich
das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung verkündigt.
19Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag* und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? *Siehe Sach- und Worterklärungen.
20Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist.
21Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.
¶22Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.
23Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
24Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde,
wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
25Auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer,
der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.
26Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und
er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,
27damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr,
er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
28Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.
29Da wir nun
göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen,
die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.
30Zwar hat Gott über die
Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber
gebietet er den Menschen, daß alle an allen Enden Buße tun.
31Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis 
richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
¶32Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiter hören. 33So ging Paulus von ihnen. 34Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.
18In Korinth
¶1Danach verließ Paulus Athen und kam nach Korinth
2und fand einen Juden mit Namen Aquila, aus Pontus gebürtig; der war mit seiner Frau Priszilla kürzlich aus Italien gekommen, weil Kaiser Klaudius allen Juden geboten hatte, Rom zu verlassen. Zu denen ging Paulus.
3Und weil er das gleiche Handwerk hatte, blieb er bei ihnen und 
arbeitete mit ihnen; sie waren nämlich von Beruf Zeltmacher.
4Und er lehrte in der Synagoge an allen Sabbaten und überzeugte Juden und Griechen.
5Als aber 
Silas und Timotheus aus Mazedonien kamen, richtete sich Paulus ganz auf die Verkündigung des Wortes und bezeugte den Juden, daß Jesus der Christus ist.
6Als sie aber widerstrebten und lästerten, 
schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme über euer Haupt;
ohne Schuld gehe ich von nun an zu den Heiden.
7Und er machte sich auf von dort und kam in das Haus eines Mannes mit Namen Titius Justus, eines Gottesfürchtigen; dessen Haus war neben der Synagoge.
8
Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, kam zum Glauben an den Herrn mit seinem ganzen Hause, und auch viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.
¶9
Es sprach aber der Herr durch eine Erscheinung in der Nacht zu Paulus:
Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!
10Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn
ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.
11Er blieb aber dort ein Jahr und sechs Monate und lehrte unter ihnen das Wort Gottes.
¶12Als aber Gallio Statthalter in Achaja war, empörten sich die Juden einmütig gegen Paulus und führten ihn vor den Richterstuhl
13und sprachen: Dieser Mensch überredet die Leute, Gott zu dienen dem Gesetz zuwider.
14Als aber Paulus den Mund auftun wollte, sprach Gallio zu den Juden: Wenn es um einen Frevel oder ein Vergehen ginge, ihr Juden, so würde ich euch anhören, wie es recht ist;
15weil es aber Fragen sind über Lehre und Namen und das Gesetz bei euch, so seht ihr selber zu; ich gedenke, darüber nicht Richter zu sein.
16Und er trieb sie weg von dem Richterstuhl.
17Da ergriffen sie alle Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl, und Gallio kümmerte sich nicht darum.
Die Rückkehr nach Antiochia
¶18Paulus aber blieb noch eine Zeitlang dort. Danach nahm er Abschied von den Brüdern und wollte nach Syrien fahren und mit ihm Priszilla und Aquila. Zuvor
ließ er sich in Kenchreä sein Haupt scheren, denn er hatte ein Gelübde getan.
19Und sie kamen nach Ephesus, und er ließ die beiden dort zurück; er aber ging in die Synagoge und redete mit den Juden.
20Sie baten ihn aber, daß er längere Zeit bei ihnen bleibe. Doch er willigte nicht ein,
21sondern nahm Abschied von ihnen und sprach:
Will's Gott, so will ich wieder zu euch kommen. Und er fuhr weg von Ephesus
22und kam nach Cäsarea und
ging hinauf nach Jerusalem und grüßte die Gemeinde und zog hinab nach Antiochia.
Der Beginn der dritten Missionsreise
¶23Und nachdem er einige Zeit geblieben war, brach er wieder auf und durchzog nacheinander das galatische Land und Phrygien und stärkte alle Jünger.
Apollos in Ephesus
¶24Es kam aber nach Ephesus ein Jude mit Namen Apollos, aus Alexandria gebürtig, ein beredter Mann und gelehrt in der Schrift.
25Dieser war unterwiesen im Weg des Herrn und redete brennend im Geist und lehrte richtig von Jesus, wußte aber nur von der
Taufe des Johannes.
26Er fing an, frei und offen zu predigen in der Synagoge. Als ihn Aquila und Priszilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus.
27Als er aber nach Achaja reisen wollte, schrieben die Brüder an die Jünger dort und empfahlen ihnen, ihn aufzunehmen. Und als er dahin gekommen war, half er denen viel, die gläubig geworden waren durch die Gnade.
28Denn er widerlegte die Juden kräftig und 
erwies öffentlich durch die Schrift, daß Jesus der Christus ist.
19Paulus in Ephesus
¶1Es geschah aber, als Apollos in Korinth war, daß Paulus durch das Hochland zog und nach Ephesus kam und einige Jünger fand.
2Zu denen sprach er:
Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, daß es einen heiligen Geist gibt.
3Und er fragte sie: Worauf seid ihr denn getauft? Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes.
4Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus.
5Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus.
6Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in Zungen und weissagten. 
7Es waren aber zusammen etwa zwölf Männer.
¶8Er ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes.
9Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von der Lehre, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus.
10Und das geschah zwei Jahre lang, so daß alle, die in der Provinz Asien wohnten, das Wort des Herrn hörten, Juden und Griechen.
11Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände des Paulus. 
12So hielten sie auch die Schweißtücher und andere Tücher, die er auf seiner Haut getragen hatte, über die Kranken, und die Krankheiten wichen von ihnen, und die bösen Geister fuhren aus.
¶13Es
unterstanden sich aber einige von den Juden, die als Beschwörer umherzogen, den Namen des Herrn Jesus zu nennen über denen, die böse Geister hatten, und sprachen: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt.
14Es waren aber sieben Söhne eines jüdischen Hohenpriesters mit Namen Skevas, die dies taten.
15Aber der böse Geist antwortete und sprach zu ihnen: Jesus kenne ich wohl, und von Paulus weiß ich wohl; aber wer seid ihr?
16Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen.
17Das aber wurde allen bekannt, die in Ephesus wohnten, Juden und Griechen; und Furcht befiel sie alle, und der Name des Herrn Jesus wurde hoch gelobt.
¶18Es kamen auch viele von denen, die gläubig geworden waren, und bekannten und verkündeten, was sie getan hatten.
19Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen.
20So breitete sich das Wort aus durch die Kraft des Herrn und wurde mächtig.
¶21Als das geschehen war, nahm sich Paulus im Geist vor, durch Mazedonien und Achaja zu ziehen und nach Jerusalem zu reisen, und sprach: Wenn ich dort gewesen bin, muß ich auch
Rom sehen.
22Und er sandte zwei, die ihm dienten, Timotheus und
Erastus, nach Mazedonien; er aber blieb noch eine Weile in der Provinz Asien.
Der Aufruhr des Demetrius
¶23Es erhob sich aber um diese Zeit
eine nicht geringe Unruhe über den neuen Weg.
24Denn einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, machte silberne Tempel der Diana* und verschaffte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn. *Siehe Sach- und Worterklärungen.
25Diese und die Zuarbeiter dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer, ihr wißt, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben;
26und ihr seht und hört, daß nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk abspenstig macht, überredet und spricht: Was mit Händen gemacht ist, das sind keine Götter.
27Aber es droht nicht nur unser Gewerbe in Verruf zu geraten, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden, und zudem wird ihre göttliche Majestät untergehen, der doch die ganze Provinz Asien und der Weltkreis Verehrung erweist.
28Als sie das hörten, wurden sie von Zorn erfüllt und schrien: Groß ist die Diana der Epheser!
29Und die ganze Stadt wurde voll Getümmel; sie stürmten einmütig zum Theater und ergriffen
Gajus und Aristarch aus Mazedonien, die Gefährten des Paulus.
30Als aber Paulus unter das Volk gehen wollte, ließen's ihm die Jünger nicht zu.
31Auch einige der Oberen der Provinz Asien, die ihm freundlich gesinnt waren, sandten zu ihm und ermahnten ihn, sich nicht zum Theater zu begeben.
32Dort schrien die einen dies, die andern das, und die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wußten nicht, warum sie zusammengekommen waren.
33Einige aber aus der Menge unterrichteten den Alexander, den die Juden vorschickten. Alexander aber winkte mit der Hand und wollte sich vor dem Volk verantworten.
34Als sie aber innewurden, daß er ein Jude war, schrie alles wie aus einem Munde fast zwei Stunden lang: Groß ist die Diana der Epheser!
35Als aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo ist ein Mensch, der nicht weiß, daß die Stadt Ephesus eine Hüterin der großen Diana ist und ihres Bildes, das vom Himmel gefallen ist?
36Weil das nun unwidersprechlich ist, sollt ihr euch ruhig verhalten und nichts Unbedachtes tun.
37Ihr habt diese Menschen hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer unserer Göttin sind.
38Haben aber Demetrius und die mit ihm vom Handwerk sind einen Anspruch an jemanden, so gibt es Gerichte und Statthalter; da laßt sie sich untereinander verklagen.
39Wollt ihr aber darüber hinaus noch etwas, so kann man es in einer ordentlichen Versammlung entscheiden.
40Denn wir stehen in Gefahr, wegen der heutigen Empörung verklagt zu werden, ohne daß ein Grund vorhanden ist, mit dem wir diesen Aufruhr entschuldigen könnten. Und als er dies gesagt hatte, ließ er die Versammlung gehen.
20Paulus in Mazedonien und Griechenland
¶1Als nun das Getümmel aufgehört hatte, rief Paulus die Jünger zu sich und tröstete sie, nahm Abschied und brach auf, um nach
Mazedonien zu reisen.
2Und als er diese Gegenden durchzogen und die Gemeinden mit vielen Worten ermahnt hatte, kam er nach Griechenland
3und blieb dort drei Monate. Da ihm aber die Juden nachstellten, als er zu Schiff nach Syrien fahren wollte, beschloß er, durch Mazedonien zurückzukehren.
4Es zogen aber mit ihm Sopater aus
Beröa, der Sohn des Pyrrhus, aus Thessalonich aber Aristarch und Sekundus und
Gajus aus Derbe und
Timotheus, aus der Provinz Asien aber
Tychikus und
Trophimus.
5Diese reisten voraus und warteten auf uns in Troas.
In Troas
¶6Wir aber fuhren nach den Tagen der Ungesäuerten Brote mit dem Schiff von Philippi ab und kamen am fünften Tag zu ihnen nach Troas und blieben dort sieben Tage.
¶7Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren,
das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus, und da er am nächsten Tag weiterreisen wollte, zog er die Rede hin bis Mitternacht.
8Und es waren viele Lampen in dem Obergemach, wo wir versammelt waren.
9Es saß aber ein junger Mann mit Namen Eutychus in einem Fenster und sank in einen tiefen Schlaf, weil Paulus so lange redete; und vom Schlaf überwältigt fiel er hinunter vom dritten Stock und wurde tot aufgehoben.
10Paulus aber ging hinab und
warf sich über ihn, umfing ihn und sprach: Macht kein Getümmel; denn es ist Leben in ihm.
11Dann ging er hinauf und brach das Brot und aß und redete viel mit ihnen, bis der Tag anbrach; und so zog er hinweg.
12Sie brachten aber den jungen Mann lebend herein und wurden nicht wenig getröstet.
Die Reise nach Milet
¶13Wir aber zogen voraus zum Schiff und fuhren nach Assos und wollten dort Paulus zu uns nehmen; denn er hatte es so befohlen, weil er selbst zu Fuß gehen wollte.
14Als er uns nun traf in Assos, nahmen wir ihn zu uns und kamen nach Mitylene.
15Und von dort fuhren wir weiter und kamen am nächsten Tag auf die Höhe von Chios; am folgenden Tag gelangten wir nach Samos und am nächsten Tag kamen wir nach Milet.
16Denn Paulus hatte beschlossen, an
Ephesus vorüberzufahren, um in der Provinz Asien keine Zeit zu verlieren; denn er eilte, am Pfingsttag in Jerusalem zu sein, wenn es ihm möglich wäre.
Die Abschiedsrede des Paulus an die Ältesten von Ephesus
¶17Aber von Milet sandte er nach Ephesus und ließ die Ältesten der Gemeinde rufen.
18Als aber die zu ihm kamen, sprach er zu ihnen: Ihr wißt, wie ich mich vom ersten Tag an, als ich in die Provinz Asien gekommen bin, die ganze Zeit bei euch verhalten habe, 
19wie ich dem Herrn gedient habe in aller Demut und mit Tränen und unter Anfechtungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfahren sind.
20Ich habe euch nichts vorenthalten, was nützlich ist, daß ich's euch nicht verkündigt und gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern,
21und habe Juden und Griechen bezeugt die Umkehr zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Jesus.
22Und nun siehe, durch den Geist gebunden,
fahre ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird,
23nur daß der heilige Geist in allen Städten mir bezeugt, daß Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten. 
24Aber
ich achte mein Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur
meinen Lauf vollende und das Amt ausrichte, das ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes.
25Und nun siehe, ich weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, zu denen ich hingekommen bin und das Reich gepredigt habe.
26
Darum bezeuge ich euch am heutigen Tage,
daß ich rein bin vom Blut aller;
27denn ich habe nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluß Gottes zu verkündigen.
28So
habt nun acht auf euch selbst und
auf die ganze Herde, in der euch der heilige Geist eingesetzt hat zu Bischöfen*, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.
29Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied reißende
Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden.
30Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen.
31Darum seid wachsam und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht abgelassen habe, einen jeden unter Tränen zu ermahnen.
32Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und euch das Erbe zu geben mit allen, die geheiligt sind.
33Ich habe von niemandem Silber oder Gold oder Kleidung begehrt.
34Denn ihr wißt selber, daß mir diese Hände zum Unterhalt gedient haben für mich und die, die mit mir gewesen sind. 

35Ich habe euch in allem gezeigt, daß man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen muß im Gedenken an das Wort des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.
¶36Und als er das gesagt hatte,
kniete er nieder und betete mit ihnen allen.
37Da begannen alle laut zu weinen, und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn,
38am allermeisten betrübt über das Wort, das er gesagt hatte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen. Und sie geleiteten ihn auf das Schiff.
21Von Milet nach Cäsarea
¶1Als wir uns nun von ihnen losgerissen hatten und abgefahren waren, kamen wir geradewegs nach Kos und am folgenden Tage nach Rhodos und von da nach Patara.
2Und als wir ein Schiff fanden, das nach Phönizien fuhr, stiegen wir ein und fuhren ab.
3Als aber Zypern in Sicht kam, ließen wir es linker Hand liegen und fuhren nach Syrien und kamen in Tyrus an, denn dort sollte das Schiff die Ware ausladen.
4Als wir nun die Jünger fanden, blieben wir sieben Tage dort. Die sagten Paulus
durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufziehen.
5Und es geschah, als wir die Tage zugebracht hatten, da machten wir uns auf und reisten weiter. Und sie geleiteten uns alle mit Frauen und Kindern bis hinaus vor die Stadt, und
wir knieten nieder am Ufer und beteten.
6Und als wir voneinander Abschied genommen hatten, stiegen wir ins Schiff; jene aber wandten sich wieder heimwärts.
7Wir beendeten die Seefahrt und kamen von Tyrus nach Ptolemaïs, begrüßten die Brüder und blieben einen Tag bei ihnen.
¶8Am nächsten Tag zogen wir weiter und kamen nach Cäsarea und gingen in das Haus des 
Philippus, des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm.
9Der hatte vier Töchter, die waren Jungfrauen und weissagten.
10Und als wir mehrere Tage dablieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus aus Judäa herab.
11Und als er zu uns kam, nahm er den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und Hände und sprach: Das sagt der heilige Geist:
Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und überantworten in die Hände der Heiden.
12Als wir aber das hörten, baten wir und die aus dem Ort, daß er nicht hinauf nach Jerusalem zöge.
13Paulus aber antwortete: Was macht ihr, daß ihr weint und brecht mir mein Herz? Denn
ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus.
14Da er sich aber nicht überreden ließ, schwiegen wir und sprachen:
Des Herrn Wille geschehe.
Die Ankunft in Jerusalem
¶15Und nach diesen Tagen machten wir uns fertig und zogen hinauf nach Jerusalem.
16Es kamen aber mit uns auch einige Jünger aus Cäsarea und führten uns zu einem alten Jünger mit Namen Mnason aus Zypern, bei dem wir zu Gast sein sollten.
17Als wir nun nach Jerusalem kamen, nahmen uns die Brüder gerne auf.
¶18Am nächsten Tag aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und es kamen die Ältesten alle dorthin.
19Und als er sie begrüßt hatte, erzählte er eins nach dem andern, was Gott unter den Heiden durch seinen Dienst getan hatte.
20Als sie aber das hörten, lobten sie Gott und sprachen zu ihm: Bruder, du siehst, wieviel tausend Juden gläubig geworden sind, und alle sind
Eiferer für das Gesetz.
21Ihnen ist aber berichtet worden über dich, daß du alle Juden, die unter den Heiden wohnen, den Abfall von Mose lehrst und sagst, sie sollen ihre Kinder nicht beschneiden und auch nicht nach den Ordnungen leben.
22Was nun? Auf jeden Fall werden sie hören, daß du gekommen bist.
23So tu nun das, was wir dir sagen. Wir haben vier Männer, die haben
ein Gelübde auf sich genommen;
24die nimm zu dir und laß dich reinigen mit ihnen und trage die Kosten für sie, daß sie ihr Haupt scheren können;* so werden alle erkennen, daß es nicht so ist, wie man ihnen über dich berichtet hat, sondern daß du selber auch nach dem Gesetz lebst und es hältst. *Siehe Sach- und Worterklärungen zu „Gottgeweihter“.
25Wegen der gläubig gewordenen Heiden aber haben wir beschlossen und geschrieben, daß sie sich hüten sollen vor dem Götzenopfer, vor Blut, vor Ersticktem und vor Unzucht.
26Da nahm Paulus die Männer zu sich und reinigte sich am nächsten Tag mit ihnen und ging in den Tempel und zeigte an, daß die Tage der Reinigung beendet sein sollten, sobald für jeden von ihnen das Opfer dargebracht wäre. 
Die Verhaftung des Paulus
¶27Als aber die sieben Tage zu Ende gingen, sahen ihn die Juden aus der Provinz Asien im Tempel und erregten das ganze Volk, legten die Hände an ihn
28und schrien: Ihr Männer von Israel, helft! Dies ist der Mensch, der alle Menschen an allen Enden lehrt gegen unser Volk,
gegen das Gesetz und gegen diese Stätte; dazu
hat er auch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht.
29Denn sie hatten 
Trophimus, den Epheser, mit ihm in der Stadt gesehen; den, meinten sie, hätte Paulus in den Tempel geführt.
30Und die ganze Stadt wurde erregt, und es entstand ein Auflauf des Volkes. Sie ergriffen aber Paulus und zogen ihn zum Tempel hinaus. Und sogleich wurden die Tore zugeschlossen.
¶31Als sie ihn aber töten wollten, kam die Nachricht hinauf vor den Oberst der Abteilung, daß ganz Jerusalem in Aufruhr sei.
32Der nahm sogleich Soldaten und Hauptleute und lief hinunter zu ihnen. Als sie aber den Oberst und die Soldaten sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen.
33Als nun der Oberst herangekommen war, nahm er ihn fest und
ließ ihn fesseln mit zwei Ketten und fragte, wer er wäre und was er getan hätte.
34Einer aber rief dies, der andre das im Volk. Da er aber nichts Gewisses erfahren konnte wegen des Getümmels, ließ er ihn in die Burg führen.
35Und als er an die Stufen kam, mußten ihn die Soldaten tragen wegen des Ungestüms des Volkes;
36denn die Menge folgte und schrie: Weg mit ihm!a
37Als nun Paulus in die Burg geführt werden sollte, fragte er den Oberst: Darf ich mit dir reden? Er aber sprach: Kannst du Griechisch?
38Bist du nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen einen Aufruhr gemacht und viertausend von den Aufrührern in die Wüste hinausgeführt hat?
39Paulus aber sprach: Ich bin ein jüdischer Mann aus Tarsus in Zilizien, Bürger einer namhaften Stadt. Ich bitte dich, erlaube mir, zu dem Volk zu reden.
40Als er es ihm aber erlaubte, trat Paulus auf die Stufen und winkte dem Volk mit der Hand. Da entstand eine große Stille, und er redete zu ihnen auf hebräisch und sprach:
22Die Verteidigungsrede des Paulus
¶1Ihr Männer, liebe Brüder und Väter, hört mir zu, wenn ich mich jetzt vor euch verantworte.
2Als sie aber hörten, daß er
auf hebräisch zu ihnen redete, wurden sie noch stiller. Und er sprach:
3
Ich bin ein jüdischer Mann, geboren in Tarsus in Zilizien, aufgewachsen aber in dieser Stadt und mit aller Sorgfalt unterwiesen im väterlichen Gesetz zu Füßen
Gamaliels, und war ein Eiferer für Gott, wie ihr es heute alle seid.
4Ich habe die neue Lehre verfolgt bis auf den Tod; ich band Männer und Frauen und warf sie ins Gefängnis,
5wie mir auch der Hohepriester und alle Ältesten bezeugen. Von ihnen empfing ich auch Briefe an die Brüder und reiste nach Damaskus, um auch die, die dort waren, gefesselt nach Jerusalem zu führen, damit sie bestraft würden.
¶6Es geschah aber, als ich dorthin zog und in die Nähe von Damaskus kam, da umleuchtete mich plötzlich um die Mittagszeit ein großes Licht vom Himmel. 7Und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die sprach zu mir: Saul, Saul, was verfolgst du mich? 8Ich antwortete aber: Herr, wer bist du? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst. 9Die aber mit mir waren, sahen zwar das Licht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht. 10Ich fragte aber: Herr, was soll ich tun? Und der Herr sprach zu mir: Steh auf und geh nach Damaskus. Dort wird man dir alles sagen, was dir zu tun aufgetragen ist. 11Als ich aber, geblendet von der Klarheit dieses Lichtes, nicht sehen konnte, wurde ich an der Hand geleitet von denen, die bei mir waren, und kam nach Damaskus.
¶12Da war aber ein gottesfürchtiger Mann, der sich an das Gesetz hielt, mit Namen Hananias, der einen guten Ruf bei allen Juden hatte, die dort wohnten. 13Der kam zu mir, trat vor mich hin und sprach zu mir: Saul, lieber Bruder, sei sehend. Und zur selben Stunde konnte ich ihn sehen. 14Er aber sprach: Der Gott unserer Väter hat dich erwählt, daß du seinen Willen erkennen sollst und den Gerechten sehen und die Stimme aus seinem Munde hören; 15denn du wirst für ihn vor allen Menschen Zeuge sein von dem, was du gesehen und gehört hast. 16Und nun, was zögerst du? Steh auf und rufe seinen Namen an und laß dich taufen und deine Sünden abwaschen.
¶17Es geschah aber, als ich wieder nach Jerusalem kam und im Tempel betete, daß ich in Verzückung geriet
18und ihn sah. Da sprach er zu mir: Eile und mach dich schnell auf aus Jerusalem; denn dein Zeugnis von mir werden sie nicht annehmen.
19Und ich sprach: Herr, sie wissen doch, daß ich die, die an dich glaubten, gefangennahm und in den Synagogen geißeln ließ.
20Und als das Blut des Stephanus, deines Zeugen, vergossen wurde, 
stand ich auch dabei und hatte Gefallen daran und bewachte denen die Kleider, die ihn töteten.
21Und er sprach zu mir: Geh hin; denn ich will dich in die Ferne zu den Heiden senden.
Paulus vor dem römischen Oberst
¶22Sie hörten ihm aber zu bis zu diesem Wort; dann erhoben sie ihre Stimme und riefen:
Hinweg mit diesem von der Erde! Denn er darf nicht mehr leben.
¶23Als sie aber schrien und ihre Kleider abwarfen und Staub in die Luft wirbelten,
24befahl der Oberst, ihn in die Burg zu führen, und sagte, daß man ihn geißeln und verhören sollte, um zu erfahren, aus welchem Grund sie so gegen ihn schrien.
25Als man ihn aber zum Geißeln festband, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der dabeistand: 
Ist es erlaubt bei euch, einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne Urteil zu geißeln?
26Als das der Hauptmann hörte, ging er zu dem Oberst und berichtete ihm und sprach: Was willst du tun? Dieser Mensch ist römischer Bürger.
27Da kam der Oberst zu ihm und fragte ihn: Sage mir, bist du römischer Bürger? Er aber sprach: Ja.
28Da sagte der Oberst: Ich habe dies Bürgerrecht für viel Geld erworben. Paulus aber sprach: Ich aber bin schon als römischer Bürger geboren.
29Da ließen sogleich von ihm ab, die ihn verhören sollten. Und der Oberst fürchtete sich, als er vernahm, daß es ein römischer Bürger war, den er hatte festbinden lassen.
¶30Am nächsten Tag wollte er genau erkunden, warum Paulus von den Juden verklagt wurde. Er ließ ihn von den Ketten lösen und befahl den Hohenpriestern und dem ganzen Hohen Rat zusammenzukommen, und führte Paulus hinab und stellte ihn vor sie.
23Paulus vor dem Hohen Rat
¶1Paulus aber sah den Hohen Rat an und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe mein Leben
mit gutem Gewissen vor Gott geführt, bis auf diesen Tag.
2Der Hohepriester Hananias aber befahl denen, die um ihn standen, ihn auf den Mund zu schlagen.
3Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen,
du getünchte Wand! Sitzt du da und richtest mich nach dem Gesetz und läßt mich schlagen gegen das Gesetz?
4Aber die dabeistanden, sprachen: Schmähst du den Hohenpriester Gottes?
5Und Paulus sprach: Liebe Brüder, ich wußte es nicht, daß er der Hohepriester ist. Denn es steht geschrieben (2. Mose 22,27): „Dem Obersten deines Volkes sollst du nicht fluchen.“
6Als aber Paulus erkannte, daß ein Teil Sadduzäer war und der andere Teil Pharisäer, rief er im Rat: Ihr Männer, liebe Brüder, 

ich bin ein Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern. Ich werde angeklagt um der Hoffnung und um der Auferstehung der Toten willen.
7Als er aber das sagte, entstand Zwietracht zwischen Pharisäern und Sadduzäern, und die Versammlung spaltete sich.
8Denn
die Sadduzäer sagen, es gebe keine Auferstehung noch Engel und Geister; die Pharisäer aber lehren beides.
9Es entstand aber ein großes Geschrei; und einige Schriftgelehrte von der Partei der Pharisäer standen auf, stritten und sprachen:
Wir finden nichts Böses an diesem Menschen; vielleicht hat ein Geist oder ein Engel mit ihm geredet.
10Als aber die Zwietracht groß wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen, und ließ Soldaten hinabgehen und Paulus ihnen entreißen und in die Burg führen.
11In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei getrost! denn wie du für mich in Jerusalem Zeuge warst, so mußt du auch 

in Rom Zeuge sein.
Der Mordanschlag gegen Paulus
¶12Als es aber Tag wurde, rotteten sich einige Juden zusammen und verschworen sich, weder zu essen noch zu trinken, bis sie Paulus getötet hätten.
13Es waren aber mehr als vierzig, die diese Verschwörung machten.
14Die gingen zu den Hohenpriestern und Ältesten und sprachen: Wir haben uns durch einen Eid gebunden, nichts zu essen, bis wir Paulus getötet haben.
15So wirkt nun ihr mit dem Hohen Rat bei dem Oberst darauf hin, daß er ihn zu euch herunterführen läßt, als wolltet ihr ihn genauer verhören; wir aber sind bereit, ihn zu töten, ehe er vor euch kommt.
¶16Als aber der Sohn der Schwester des Paulus von dem Anschlag hörte, ging er und kam in die Burg und berichtete es Paulus. 17Paulus aber rief einen von den Hauptleuten zu sich und sprach: Führe diesen jungen Mann zu dem Oberst, denn er hat ihm etwas zu sagen. 18Der nahm ihn und führte ihn zum Oberst und sprach: Der Gefangene Paulus hat mich zu sich rufen lassen und mich gebeten, diesen jungen Mann zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen hat. 19Da nahm ihn der Oberst bei der Hand und führte ihn beiseite und fragte ihn: Was ist's, das du mir zu sagen hast? 20Er aber sprach: Die Juden sind übereingekommen, dich zu bitten, daß du Paulus morgen vor den Hohen Rat hinunterbringen läßt, so als wollten sie ihn genauer verhören. 21Du aber traue ihnen nicht; denn mehr als vierzig Männer von ihnen lauern ihm auf; die haben sich verschworen, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn getötet hätten; und jetzt sind sie bereit und warten auf deine Zusage. 22Da ließ der Oberst den jungen Mann gehen und gebot ihm, niemandem zu sagen, daß er ihm das eröffnet hätte.
Die Überführung des Paulus nach Cäsarea
¶23Und der Oberst rief zwei Hauptleute zu sich und sprach: Rüstet zweihundert Soldaten, daß sie nach Cäsarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Schützen für die dritte Stunde der Nacht;
24und haltet Tiere bereit, Paulus draufzusetzen und wohlverwahrt zu bringen zum Statthalter Felix.
25Und er schrieb einen Brief, der lautete:
26Klaudius Lysias dem edlen Statthalter Felix: Gruß zuvor!
27Diesen Mann hatten die Juden ergriffen und wollten ihn töten. Da
kam ich mit Soldaten dazu und entriß ihnen den und
erfuhr, daß er ein römischer Bürger ist.
28Da ich aber erkunden wollte, weshalb sie ihn anklagten, führte ich ihn hinunter vor ihren Hohen Rat.
29Da fand ich, daß er beschuldigt wird
wegen Fragen ihres Gesetzes, aber keine Anklage gegen sich hatte, auf die Tod oder Gefängnis steht.
30Und als vor mich kam, daß ein Anschlag gegen den Mann geplant sei, sandte ich ihn sogleich zu dir und
wies auch die Kläger an, vor dir zu sagen, was sie gegen ihn hätten.
¶31Die Soldaten nahmen Paulus, wie ihnen befohlen war, und führten ihn in der Nacht nach Antipatris.
32Am nächsten Tag aber ließen sie die Reiter mit ihm ziehen und kehrten wieder in die Burg zurück.
33Als aber jene nach Cäsarea kamen, übergaben sie den Brief dem Statthalter und führten ihm auch Paulus vor.
34Als der Statthalter den Brief gelesen hatte, fragte er, aus welchem Land er sei. Und als er erfuhr, daß er aus
Zilizien sei, sprach er:
35Ich will dich verhören, wenn deine Ankläger auch da sind. Und er ließ ihn in Gewahrsam halten im Palast des Herodes.
24Vor dem Statthalter Felix
¶1Nach fünf Tagen kam der Hohepriester Hananias mit einigen Ältesten und dem Anwalt Tertullus herab; die erschienen vor dem Statthalter gegen Paulus.
2Als der aber herbeigerufen worden war, fing Tertullus an, ihn anzuklagen, und sprach: Daß wir in großem Frieden leben unter dir und daß diesem Volk viele Wohltaten widerfahren sind durch deine Fürsorge, edelster Felix,
3das erkennen wir allezeit und überall mit aller Dankbarkeit an.
4Damit ich dich aber nicht zu lange aufhalte, bitte ich dich, du wollest uns kurz anhören in deiner Güte.
5Wir haben erkannt, daß dieser Mann schädlich ist und
daß er Aufruhr erregt unter allen Juden auf dem ganzen Erdkreis und daß er ein Anführer der Sekte der Nazarener ist.
6Er hat auch versucht,
den Tempel zu entweihen. Ihn haben wir ergriffen.* *Die Verse 6b-8a finden sich erst in der späteren Überlieferung: „und wollten ihn richten nach dem Gesetz.
7Aber der Oberst Lysias kam dazu und riß ihn mit großer Gewalt aus unseren Händen 8. und wies seine Ankläger an dich.“
8Wenn du ihn verhörst, kannst du selbst das alles von ihm erkunden, dessentwegen wir ihn verklagen.
9Auch die Juden bekräftigten das und sagten, es verhielte sich so.
10Paulus aber antwortete, als ihm der Statthalter winkte zu reden: Weil ich weiß, daß du in diesem Volk nun viele Jahre Richter bist, will ich meine Sache unerschrocken verteidigen.
11Du kannst feststellen, daß es nicht mehr als zwölf Tage sind,
seit ich nach Jerusalem hinaufzog, um anzubeten.
12Und sie haben mich weder im Tempel noch in den Synagogen noch in der Stadt dabei gefunden, wie ich mit jemandem gestritten oder einen Aufruhr im Volk gemacht hätte.
13Sie können dir auch nicht beweisen, wessen sie mich jetzt verklagen.
14Das bekenne ich dir aber, daß ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, daß ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.
15Ich habe die Hoffnung zu Gott, die auch sie selbst haben, nämlich daß es 
eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten geben wird.
16Darin übe ich mich, allezeit ein
unverletztes Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen.
17Nach mehreren Jahren aber bin ich gekommen, um Almosen für mein Volk zu überbringen und zu opfern.
18Als ich mich im Tempel reinigte, ohne Auflauf und Getümmel, fanden mich dabei
19einige Juden aus der Provinz Asien. Die sollten jetzt hier sein vor dir und mich verklagen, wenn sie etwas gegen mich hätten.
20Oder laß diese hier selbst sagen, was für ein Unrecht sie gefunden haben, als ich vor dem Hohen Rat stand;
21es sei denn dies eine Wort, das ich rief, als ich unter ihnen stand: Um der Auferstehung der Toten willen werde ich von euch heute angeklagt.
Die Verschleppung des Prozesses
¶22Felix aber zog die Sache hin, denn er wußte recht gut um diese Lehre und sprach: Wenn der Oberst
Lysias herabkommt, so will ich eure Sache entscheiden.
23Er befahl aber dem Hauptmann, Paulus gefangen zu halten, doch in leichtem Gewahrsam, und niemandem von den Seinen zu wehren, ihm zu dienen.
¶24Nach einigen Tagen aber kam Felix mit seiner Frau Drusilla, die eine Jüdin war, und ließ Paulus kommen und hörte ihn über den Glauben an Christus Jesus. 25Als aber Paulus von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und von dem zukünftigen Gericht redete, erschrak Felix und antwortete: Für diesmal geh! Zu gelegener Zeit will ich dich wieder rufen lassen.
¶26Er hoffte aber nebenbei, daß ihm von Paulus Geld gegeben werde; darum ließ er ihn auch oft kommen und besprach sich mit ihm. 27Als aber zwei Jahre um waren, kam Porzius Festus als Nachfolger des Felix. Felix aber wollte den Juden eine Gunst erweisen und ließ Paulus gefangen zurück.
25Die Verhandlung vor Festus
¶1Als nun Festus ins Land gekommen war, zog er nach drei Tagen von Cäsarea hinauf nach Jerusalem.
2Da
erschienen die Hohenpriester und die Angesehensten der Juden vor ihm gegen Paulus und drangen in ihn
3und baten ihn um die Gunst, daß er Paulus nach Jerusalem kommen ließe; denn sie wollten ihm einen Hinterhalt legen, um ihn unterwegs umzubringen.
4Da antwortete Festus, Paulus werde weiter in Gewahrsam gehalten in Cäsarea; er selber aber werde in Kürze wieder dahin ziehen.
5Die nun unter euch ermächtigt sind, sprach er, die laßt mit hinabziehen und den Mann verklagen, wenn etwas Unrechtes an ihm ist.
¶6Nachdem aber Festus bei ihnen nicht mehr als acht oder zehn Tage gewesen war, zog er hinab nach Cäsarea. Und am nächsten Tag setzte er sich auf den Richterstuhl und ließ Paulus holen. 7Als der aber vor ihn kam, umringten ihn die Juden, die von Jerusalem herabgekommen waren, und brachten viele und schwere Klagen gegen ihn vor, die sie aber nicht beweisen konnten. 8Paulus aber verteidigte sich: Ich habe mich weder am Gesetz der Juden noch am Tempel noch am Kaiser versündigt.
Die Berufung an den Kaiser
¶9Festus aber wollte den Juden eine Gunst erweisen und antwortete Paulus und sprach: Willst du hinauf nach Jerusalem und dich dort in dieser Sache von mir richten lassen?
10Paulus aber sprach: Ich stehe vor des Kaisers Gericht; da muß ich gerichtet werden. Den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie auch du sehr wohl weißt.
11Habe ich aber Unrecht getan und todeswürdig gehandelt, so weigere ich mich nicht zu sterben; ist aber nichts an dem, dessentwegen sie mich verklagen, so darf mich ihnen niemand preisgeben. 
Ich berufe mich auf den Kaiser!
12Da besprach sich Festus mit seinen Ratgebern und antwortete: Auf den Kaiser hast du dich berufen, zum Kaiser sollst du ziehen.
König Agrippa beim Statthalter Festus
¶13Nach einigen Tagen kamen König Agrippa und Berenike nach Cäsarea, Festus zu begrüßen.
14Und als sie mehrere Tage dort waren, legte Festus dem König die Sache des Paulus vor und sprach:
Da ist ein Mann von Felix als Gefangener zurückgelassen worden;
15um dessentwillen erschienen die Hohenpriester und Ältesten der Juden vor mir, als ich in Jerusalem war, und baten, ich solle ihn richten lassen.
16Denen antwortete ich: Es ist der Römer Art nicht, einen Angeklagten preiszugeben, bevor er seinen Klägern gegenüberstand und Gelegenheit hatte, sich gegen die Anklage zu verteidigen.
17Als sie aber hier zusammenkamen, duldete ich keinen Aufschub, sondern hielt am nächsten Tag Gericht und ließ den Mann vorführen.
18Als seine Ankläger auftraten, brachten sie keine Anklage vor wegen Vergehen, wie ich sie erwartet hatte.
19Sie hatten aber Streit mit ihm über einige Fragen ihres Glaubens und über einen verstorbenen Jesus, von dem Paulus behauptete, er lebe.
20Da ich aber von diesem Streit nichts verstand, fragte ich, ob er nach Jerusalem reisen und sich dort deswegen richten lassen wolle.
21Als aber Paulus sich auf sein Recht berief, bis zur Entscheidung des Kaisers in Gewahrsam zu bleiben, ließ ich ihn gefangen halten, bis ich ihn zum Kaiser senden könnte.
22Agrippa sprach zu Festus:
Ich möchte den Menschen auch gerne hören. Er aber sprach: Morgen sollst du ihn hören.
¶23Und am nächsten Tag kamen Agrippa und Berenike mit großem Gepränge und gingen in den Palast mit den Hauptleuten und vornehmsten Männern der Stadt. Und als Festus es befahl, wurde Paulus gebracht.
24Und Festus sprach: König Agrippa und all ihr Männer, die ihr mit uns hier seid, da seht ihr den, um dessentwillen die ganze Menge der Juden in Jerusalem und auch hier in mich drang und
schrie, er dürfe nicht länger leben.
25Als ich aber erkannte, daß er nichts getan hatte, das des Todes würdig war, und er auch selber sich auf den Kaiser berief, beschloß ich, ihn dorthin zu senden.
26Etwas Sicheres über ihn aber habe ich nicht, das ich meinem Herrn schreiben könnte. Darum habe ich ihn vor euch bringen lassen, vor allem aber vor dich, König Agrippa, damit ich nach geschehenem Verhör etwas hätte, was ich schreiben könnte.
27Denn es erscheint mir unsinnig, einen Gefangenen zu schicken und keine Beschuldigung gegen ihn anzugeben.
26Paulus vor Agrippa und Festus
¶1Agrippa aber sprach zu Paulus: Es ist dir erlaubt, für dich selbst zu reden. Da streckte Paulus die Hand aus und verantwortete sich:
2Es ist mir sehr lieb, König Agrippa, daß ich mich heute vor dir verantworten soll wegen all der Dinge, deren ich von den Juden beschuldigt werde,
3vor allem weil du alle Ordnungen und Streitfragen der Juden kennst. Darum bitte ich dich, mich geduldig anzuhören.
¶4Mein Leben von Jugend auf, wie ich es von Anfang an unter meinem Volk und in Jerusalem zugebracht habe, ist allen Juden bekannt,
5die mich von früher kennen, wenn sie es bezeugen wollten. Denn 
nach der allerstrengsten Richtung unsres Glaubens habe ich gelebt als Pharisäer.
6Und nun stehe ich hier und werde angeklagt
wegen der Hoffnung auf die Verheißung, die unsern Vätern von Gott gegeben ist.
7Auf ihre Erfüllung hoffen die zwölf Stämme unsres Volkes, wenn sie Gott bei Tag und Nacht beharrlich dienen. Wegen dieser Hoffnung werde ich, oh König, von den Juden beschuldigt.
8Warum wird das bei euch für unglaublich gehalten,
daß Gott Tote auferweckt?
9
Zwar meinte auch ich selbst, ich müßte viel gegen den Namen Jesu von Nazareth tun.
10Das habe ich in Jerusalem auch getan; dort brachte ich viele Heilige ins Gefängnis, wozu ich Vollmacht von den Hohenpriestern empfangen hatte. Und wenn sie getötet werden sollten, gab ich meine Stimme dazu.
11Und in allen Synagogen zwang ich sie oft durch Strafen zur Lästerung, und ich wütete maßlos gegen sie, verfolgte sie auch bis in die fremden Städte.
¶12Als ich nun nach Damaskus reiste mit Vollmacht und im Auftrag der Hohenpriester,
13sah ich mitten am Tage, oh König, auf dem Weg ein Licht vom Himmel, heller als der Glanz der Sonne, das mich und die mit mir reisten umleuchtete.
14Als wir aber alle zu Boden stürzten, hörte ich eine Stimme zu mir reden, die sprach auf hebräisch: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es wird dir schwer sein, wider den Stachel zu löcken.* *Dahinter steht das Bild widerspenstiger Zugtiere, die gegen den Treiber ausschlagen.
15Ich aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst;
16steh nun auf und stell dich auf deine Füße. Denn dazu bin ich dir erschienen, um dich zu erwählen zum Diener und zum Zeugen für das, was du von mir gesehen hast und was ich dir noch zeigen will.
17Und ich will dich erretten von deinem Volk und von den Heiden, zu denen ich dich sende,
18um ihnen die Augen aufzutun, daß sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott. So werden sie Vergebung der Sünden empfangen und
das Erbteil samt denen, die geheiligt sind durch den Glauben an mich.
¶19Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam,
20sondern verkündigte zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und im ganzen jüdischen Land und dann auch den Heiden, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren und rechtschaffene Werke der Buße tun.
21Deswegen haben mich die Juden im Tempel ergriffen und versucht, mich zu töten.
22Aber Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei groß und klein und
sage nichts, als was die Propheten und Mose vorausgesagt haben:
23daß Christus müsse leiden und
als erster auferstehen von den Toten und verkündigen das Licht seinem Volk und den Heiden.
¶24Als er aber dies zu seiner Verteidigung sagte, sprach Festus mit lauter Stimme: Paulus, du bist von Sinnen! Das große Wissen macht dich wahnsinnig.
25Paulus aber sprach: Edler Festus, ich bin nicht von Sinnen, sondern ich rede wahre und vernünftige Worte.
26Der König, zu dem ich frei und offen rede, versteht sich auf diese Dinge. Denn ich bin gewiß, daß ihm nichts davon verborgen ist; denn
dies ist nicht im Winkel geschehen.
27Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubst.
28Agrippa aber sprach zu Paulus: Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen.
29Paulus aber sprach: Ich wünschte vor Gott, daß über kurz oder lang nicht allein du, sondern alle, die mich heute hören, das würden, was ich bin, ausgenommen diese Fesseln.
¶30Da stand der König auf und der Statthalter und Berenike und die bei ihnen saßen.
31Und als sie sich zurückzogen, redeten sie miteinander und sprachen: Dieser Mensch hat nichts getan, was Tod oder Gefängnis verdient hätte.
32Agrippa aber sagte zu Festus: Dieser Mensch könnte freigelassen werden, wenn er sich nicht
auf den Kaiser berufen hätte.
27Paulus auf der Fahrt nach Rom
¶1Als es aber
beschlossen war, daß wir nach Italien fahren sollten, übergaben sie Paulus und einige andre Gefangene einem Hauptmann mit Namen Julius von einer kaiserlichen Abteilung.
2Wir bestiegen aber ein Schiff aus Adramyttion, das die Küstenstädte der Provinz Asien anlaufen sollte, und fuhren ab; mit uns war auch Aristarch, ein Mazedonier aus Thessalonich.
3Und am nächsten Tag kamen wir in Sidon an; und Julius verhielt sich freundlich gegen Paulus und erlaubte ihm, zu seinen Freunden zu gehen und sich pflegen zu lassen.
4Und von da stießen wir ab und fuhren im Schutz von Zypern hin, weil uns die Winde entgegen waren,
5und fuhren über das Meer längs der Küste von Zilizien und Pamphylien und kamen nach Myra in Lyzien.
6Und dort fand der Hauptmann ein Schiff aus Alexandria, das nach Italien ging, und ließ uns darauf übersteigen.
7Wir kamen aber viele Tage nur langsam vorwärts und gelangten mit Mühe bis auf die Höhe von Knidos, denn der Wind hinderte uns; und wir fuhren im Schutz von Kreta hin, bis auf die Höhe von Salmone,
8und gelangten kaum daran vorbei und kamen an einen Ort, der „Guthafen“ heißt; nahe dabei lag die Stadt Lasäa.
¶9Da nun viel Zeit vergangen war und die Schiffahrt bereits
gefährlich wurde, weil auch die
Fastenzeit schon vorüber war, ermahnte sie Paulus
10und sprach zu ihnen: Liebe Männer, ich sehe, daß diese Fahrt nur mit Leid und großem Schaden vor sich gehen wird, nicht allein für die Ladung und das Schiff, sondern auch für unser Leben.
11Aber der Hauptmann glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte.
12Und da der Hafen zum Überwintern ungeeignet war, bestanden die meisten von ihnen auf dem Plan, von dort weiterzufahren und zu versuchen, ob sie zum Überwintern bis nach Phönix kommen könnten, einem Hafen auf Kreta, der gegen Südwest und Nordwest offen ist.
Seesturm und Schiffbruch
¶13Als aber der Südwind wehte, meinten sie, ihr Vorhaben ausführen zu können, lichteten die Anker und fuhren nahe an Kreta entlang.
14Nicht lange danach aber brach von der Insel her ein Sturmwind los, den man Nordost nennt.
15Und da das Schiff ergriffen wurde und nicht mehr gegen den Wind gerichtet werden konnte, gaben wir auf und ließen uns treiben.
16Wir fuhren aber vorbei an einer Insel, die Kauda heißt, da konnten wir mit Mühe das Beiboot in unsre Gewalt bekommen.
17Sie zogen es herauf und umspannten zum Schutz das Schiff mit Seilen. Da sie aber fürchteten, in die Syrte zu geraten, ließen sie den Treibanker herunter und trieben so dahin.
18Und da wir großes Ungewitter erlitten, warfen sie am nächsten Tag Ladung ins Meer.
19Und am dritten Tag warfen sie mit eigenen Händen das Schiffsgerät hinaus.
20Da aber viele Tage weder Sonne noch Sterne schienen und ein gewaltiges Ungewitter uns bedrängte, war all unsre Hoffnung auf Rettung dahin.
¶21Und als man lange nichts gegessen hatte, trat Paulus mitten unter sie und sprach: Liebe Männer, man hätte auf mich hören sollen und nicht von Kreta aufbrechen, dann wäre uns Leid und Schaden erspart geblieben.
22Doch nun ermahne ich euch: seid unverzagt; denn keiner von euch wird umkommen, nur das Schiff.
23Denn diese Nacht trat zu mir der Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene,
24und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus,
du mußt vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren.
25Darum, liebe Männer, seid unverzagt; denn ich glaube Gott, es wird so geschehen, wie mir gesagt ist.
26Wir werden aber auf eine Insel auflaufen.
¶27Als aber die vierzehnte Nacht kam, seit wir in der Adria trieben, wähnten die Schiffsleute um Mitternacht, sie kämen an ein Land. 28Und sie warfen das Senkblei aus und fanden es zwanzig Faden tief; und ein wenig weiter loteten sie abermals und fanden es fünfzehn Faden tief. 29Da fürchteten sie, wir würden auf Klippen geraten, und warfen hinten vom Schiff vier Anker aus und wünschten, daß es Tag würde. 30Als aber die Schiffsleute vom Schiff zu fliehen suchten und das Beiboot ins Meer herabließen und vorgaben, sie wollten auch vorne die Anker herunterlassen, 31sprach Paulus zu dem Hauptmann und zu den Soldaten: Wenn diese nicht auf dem Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden. 32Da hieben die Soldaten die Taue ab und ließen das Beiboot ins Meer fallen.
¶33Und als es anfing hell zu werden, ermahnte Paulus sie alle, Nahrung zu sich zu nehmen, und sprach: Es ist heute der vierzehnte Tag, daß ihr wartet und ohne Nahrung geblieben seid und nichts zu euch genommen habt.
34Darum ermahne ich euch, etwas zu essen; denn das dient zu eurer Rettung;
es wird keinem von euch ein Haar vom Haupt fallen.
35Und als er das gesagt hatte, nahm er Brot,
dankte Gott vor ihnen allen und brach's und fing an zu essen.
36Da wurden sie alle guten Mutes und nahmen auch Nahrung zu sich.
37Wir waren aber alle zusammen im Schiff zweihundertsechsundsiebzig.
38Und nachdem sie satt geworden waren, erleichterten sie das Schiff und warfen das Getreide in das Meer.
¶39Als es aber Tag wurde, kannten sie das Land nicht; eine Bucht aber wurden sie gewahr, die hatte ein flaches Ufer. Dahin wollten sie das Schiff treiben lassen, wenn es möglich wäre.
40Und sie hieben die Anker ab und ließen sie im Meer, banden die Steuerruder los und richteten das Segel nach dem Wind und hielten auf das Ufer zu.
41Und als sie auf eine Sandbank gerieten, ließen sie das Schiff auflaufen, und das Vorderschiff bohrte sich ein und saß fest, aber das Hinterschiff zerbrach unter der Gewalt der Wellen.
42Die Soldaten aber hatten vor, die Gefangenen zu töten, damit niemand fortschwimmen und entfliehen könne.
43Aber der Hauptmann wollte Paulus am Leben erhalten und wehrte ihrem Vorhaben und ließ die, die schwimmen konnten, als erste ins Meer springen und sich ans Land retten,
44die andern aber einige auf Brettern, einige auf dem, was noch vom Schiff da war. Und so geschah es,
daß sie alle gerettet ans Land kamen.
28Auf der Insel Malta
¶1Und als wir gerettet waren, erfuhren wir, daß die Insel Malta hieß.
2Die Leute aber erwiesen uns nicht geringe Freundlichkeit, zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle auf wegen des Regens, der über uns gekommen war, und wegen der
Kälte.
3Als nun Paulus einen Haufen Reisig zusammenraffte und aufs Feuer legte, fuhr wegen der Hitze eine Schlange heraus und biß sich an seiner Hand fest.
4Als aber die Leute das Tier an seiner Hand hängen sahen, sprachen sie untereinander: Dieser Mensch muß ein Mörder sein, den die Göttin der Rache nicht leben läßt, obgleich er dem Meer entkommen ist.
5Er aber schlenkerte das Tier ins Feuer, und
es widerfuhr ihm nichts Übles.
6Sie aber warteten, daß er anschwellen oder plötzlich tot umfallen würde. Als sie nun lange gewartet hatten und sahen, daß ihm nichts Schlimmes widerfuhr, änderten sie ihre Meinung und sprachen:
Er ist ein Gott.
¶7In dieser Gegend hatte der angesehenste Mann der Insel, mit Namen Publius, Landgüter; der nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage lang freundlich. 8Es geschah aber, daß der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr darnieder lag. Zu dem ging Paulus hinein und betete und legte die Hände auf ihn und machte ihn gesund. 9Als das geschehen war, kamen auch die andern Kranken der Insel herbei und ließen sich gesund machen. 10Und sie erwiesen uns große Ehre; und als wir abfuhren, gaben sie uns mit, was wir nötig hatten.
Von Malta nach Rom
¶11Nach drei Monaten aber fuhren wir ab mit einem Schiff aus Alexandria, das bei der Insel überwintert hatte und das Zeichen der Zwillinge führte.
12Und als wir nach Syrakus kamen, blieben wir drei Tage da.
13Von da fuhren wir die Küste entlang und kamen nach Rhegion; und da am nächsten Tag der Südwind sich erhob, kamen wir in zwei Tagen nach Puteoli.
14Dort fanden wir Brüder und wurden von ihnen gebeten, sieben Tage da zu bleiben. Und so kamen wir nach Rom.
15Dort hatten die Brüder von uns gehört und kamen uns entgegen bis Forum Appii und Tres-Tabernae. Als Paulus sie sah, dankte er Gott und gewann Zuversicht.
16Als wir nun nach Rom hineinkamen,*
wurde dem Paulus erlaubt, für sich allein zu wohnen mit dem Soldaten, der ihn bewachte.
Paulus in Rom
¶17Es geschah aber nach drei Tagen, daß Paulus die Angesehensten der Juden bei sich zusammenrief. Als sie zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder,
ich habe nichts getan gegen unser Volk und die Ordnungen der Väter und bin doch als Gefangener aus Jerusalem überantwortet in die Hände der Römer.
18Diese wollten mich losgeben, nachdem sie mich verhört hatten, weil nichts gegen mich vorlag, das den Tod verdient hätte.
19Da aber die Juden widersprachen, war ich genötigt,
mich auf den Kaiser zu berufen, nicht als hätte ich mein Volk wegen etwas zu verklagen.
20Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, daß ich euch sehen und zu euch sprechen könnte; denn
um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Ketten.
21Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben deinetwegen weder Briefe aus Judäa empfangen noch ist ein Bruder gekommen, der über dich etwas Schlechtes berichtet oder gesagt hätte.
22Doch wollen wir von dir hören, was du denkst; denn von dieser
Sekte ist uns bekannt, daß ihr an allen Enden
widersprochen wird.
23Und als sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen viele zu ihm in die Herberge. Da erklärte und bezeugte er ihnen das Reich Gottes und predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten vom frühen Morgen bis zum Abend.
24Die einen stimmten dem zu, was er sagte, die andern aber glaubten nicht.
¶25Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg, als Paulus dies eine Wort gesagt hatte: Mit Recht hat der heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern gesprochen (Jesaja 6,9.10): „
26Geh hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr's hören und nicht verstehen; und mit den Augen werdet ihr's sehen und nicht erkennen.
27Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und ihre Ohren hören schwer, und ihre Augen sind geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe.“
28So
sei es euch kundgetan, daß den Heiden dies Heil Gottes gesandt ist; und sie werden es hören.*
29*Vers 29 findet sich erst in der späteren Überlieferung: „Und als er das gesagt hatte, gingen die Juden weg uns stritten heftig untereinander.“
¶30Paulus aber blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen,
31predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus
mit allem Freimut ungehindert.