Der Prophet Amos1Gottes unabwendbares Gericht über Israels Nachbarn und über sein eigenesVolk
¶1Dies ist's, was Amos, der unter den
Schafzüchtern von Tekoa war, gesehen hat über Israel zur Zeit 
Usijas, des Königs von Juda, und
Jerobeams, des Sohnes des Joas, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben.
2Und er sprach: 
Der HERR wird aus Zion brüllen und seine Stimme aus Jerusalem hören lassen, daß die Auen der Hirten vertrocknen werden und der Karmel oben verdorren wird.
¶3
So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Damaskus will ich sie nicht schonen, weil sie Gilead mit eisernen Dreschschlitten gedroschen haben;
4sondern ich will ein Feuer schicken in das Haus Hasaëls, das soll die Paläste Ben- Hadads verzehren.
5Und ich will die Riegel von Damaskus zerbrechen und die Einwohner aus Bikat- Awen und den, der das Zepter hält, aus Bet-Eden ausrotten, und das Volk von Aram soll nach
Kir weggeführt werden, spricht der HERR.
¶6

So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Gaza will ich sie nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle weggeführt und an Edom ausgeliefert haben;
7sondern ich will ein Feuer in die Mauern von Gaza schicken, das soll seine Paläste verzehren.
8Und ich will die Einwohner aus Aschdod und den, der das Zepter hält, aus Aschkelon ausrotten und meine Hand gegen Ekron wenden, und es soll umkommen, was von den Philistern noch übrig ist, spricht Gott der HERR.
¶9

So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Tyrus will ich sie nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle an Edom ausgeliefert und nicht an den Bruderbund gedacht haben;
10sondern ich will ein Feuer in die Mauern von Tyrus schicken, das soll seine Paläste verzehren.
¶11

So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Edom will ich sie nicht schonen, weil sie ihren Bruder mit dem Schwert verfolgt und alles Erbarmen von sich getan haben und immerfort wüten in ihrem Zorn und an ihrem Grimm ewig festhalten;
12sondern ich will ein Feuer schicken nach Teman, das soll die Paläste von Bozra verzehren.
¶13
So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Ammon will ich sie nicht schonen, weil sie die Schwangeren in Gilead aufgeschlitzt haben, um ihr Gebiet zu erweitern;
14sondern ich will ein Feuer anzünden in den Mauern Rabbas, das soll seine Paläste verzehren, wenn man das Kriegsgeschrei erhebt am Tage der Schlacht, wenn das Wetter kommt am Tage des Sturms.
15Da wird dann ihr König samt seinen Oberen gefangen weggeführt werden, spricht der HERR.
2¶1
So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Moab will ich sie nicht schonen, weil sie die Gebeine des Königs von Edom verbrannt haben zu Asche;
2sondern ich will ein Feuer schicken nach Moab, das soll die Paläste von Kerijot verzehren, und Moab soll sterben im Getümmel und Geschrei und Posaunenhall.
3Und
ich will den Herrscher unter ihnen ausrotten und alle ihre Oberen samt ihm töten, spricht der HERR.
¶4So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Juda will ich sie nicht schonen, weil sie des HERRN Gesetz verachten und seine Ordnungen nicht halten und sich von ihren Lügengötzen verführen lassen, denen ihre Väter nachgefolgt sind;
5sondern
ich will ein Feuer nach Juda schicken, das soll die Paläste von Jerusalem verzehren.
¶6So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Israel will ich sie nicht schonen, weil sie die Unschuldigen für Geld und die Armen
für ein Paar Schuhe verkaufen.
7Sie
treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Wege. Sohn und Vater gehen zu demselben Mädchen, um meinen heiligen Namen zu entheiligen.
8Und bei allen Altären schlemmen sie auf den
gepfändeten Kleidern und trinken Wein vom Gelde der Bestraften im Hause ihres Gottes.
9Und dabei habe ich
den Amoriter vor ihnen her vertilgt, der so hoch war wie die Zedern und so stark wie die Eichen, und ich vertilgte oben seine Frucht und unten seine Wurzel.
10Auch habe ich euch aus Ägyptenland geführt und vierzig Jahre in der Wüste geleitet, damit ihr der Amoriter Land besäßet.
11Und ich habe aus euren Söhnen Propheten erweckt und
Gottgeweihte aus euren Jünglingen. Ist's nicht so, ihr Israeliten? spricht der HERR.
12Aber ihr gebt den Gottgeweihten Wein zu trinken und gebietet den Propheten und sprecht: 
Ihr sollt nicht weissagen!
¶13Siehe, ich will's unter euch schwanken machen, wie ein Wagen voll Garben schwankt, 14so daß, wer schnell ist, nicht entfliehen noch der Starke etwas vermögen soll, und der Mächtige soll nicht sein Leben retten können. 15Die Bogenschützen sollen nicht standhalten, und wer schnell laufen kann, soll nicht entrinnen, und wer da reitet, soll sein Leben nicht retten, 16und wer unter den Starken der mannhafteste ist, soll nackt entfliehen müssen an jenem Tage, spricht der HERR.
3Erwählung bewahrt nicht vor Gericht
¶1Höret, was der HERR wider euch redet, ihr Israeliten, wider alle Geschlechter, die ich aus Ägyptenland geführt habe:
2Aus allen Geschlechtern auf Erden habe ich allein euch erkannt, darum will ich auch an euch heimsuchen all eure Sünde.
Wenn Gott redet, kann der Prophet nicht schweigen
¶3Können etwa zwei miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander?
4Brüllt etwa ein Löwe im Walde, wenn er keinen Raub hat? Schreit etwa ein junger Löwe aus seiner Höhle, er habe denn etwas gefangen?
5Fällt etwa ein Vogel zur Erde, wenn kein Fangnetz da ist? Oder springt eine Falle auf von der Erde, sie habe denn etwas gefangen?
6Bläst man etwa die Posaune in einer Stadt und das Volk entsetzt sich nicht? 
Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht tut?
7- Gott der HERR tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluß den Propheten, seinen Knechten.
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8Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten? Gott der HERR redet, wer sollte nicht Prophet werden?
Ankündigung des Gerichts über Samaria
¶9Verkündigt in den Palästen von Aschdod und in den Palästen im Lande Ägypten und sprecht: Sammelt euch auf den Bergen um Samaria und sehet, welch ein großes Zetergeschrei und Unrecht darin ist!
10Sie achten kein Recht, spricht der HERR; sie sammeln Schätze von Frevel und Raub in ihren Palästen.
11Darum spricht Gott der HERR: Man wird dies Land ringsumher bedrängen und dich von deiner Macht herunterreißen und deine Häuser plündern.
¶12So spricht der HERR: Gleichwie ein Hirte dem Löwen zwei Beine oder ein Ohrläppchen aus dem Maul reißt, so sollen die Israeliten herausgerissen werden, die zu Samaria sitzen in der Ecke des Ruhebettes und auf dem Lager von Damast.
¶13Hört und bezeugt es dem Hause Jakob, spricht Gott der HERR, der Gott Zebaoth:
14Zur Zeit, da ich die Sünden Israels heimsuchen werde, will ich die Altäre in Bethel heimsuchen und die Hörner des Altars abbrechen, daß sie zu Boden fallen sollen,
15und will Winterhaus und Sommerhaus zerschlagen, und die 
elfenbeingeschmückten Häuser sollen zugrunde gehen und viele Häuser vernichtet werden, spricht der HERR.
4¶1Höret dies Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berge Samarias seid und den Geringen Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringt her, laßt uns saufen! 2Gott der HERR hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe, es kommt die Zeit über euch, daß man euch herausziehen wird mit Angeln und, was von euch übrigbleibt, mit Fischhaken. 3Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinaus müssen, eine jede vor sich hin, und zum Hermon weggeschleppt werden, spricht der HERR.
Gottes Züchtigungen werden mißachtet
¶4Ja, kommt her nach Bethel und treibt Sünde, und nach
Gilgal, um noch viel mehr zu sündigen! Bringt eure Schlachtopfer am Morgen und eure
Zehnten am dritten Tage,
5räuchert
Sauerteig zum Dankopfer und ruft freiwillige Opfer aus und verkündet sie; denn so habt ihr's gern, ihr Israeliten, spricht Gott der HERR!
¶6Ich habe euch in allen euren Städten müßige Zähne gegeben und Mangel an Brot in allen euren Orten; DENNOCH BEKEHRT IHR EUCH NICHT ZU MIR, spricht der HERR.
7Auch habe ich euch den
Regen vorenthalten, als noch drei Monate waren bis zur Ernte, und ich ließ regnen über eine Stadt, und auf die andere Stadt ließ ich nicht regnen, ein Acker wurde beregnet, und der andere Acker, der nicht beregnet wurde, verdorrte.
8Und es zogen zwei, drei Städte zu einer Stadt, um Wasser zu trinken, und konnten nicht genug finden; DENNOCH BEKEHRT IHR EUCH NICHT ZU MIR, spricht der HERR.
9Ich plagte euch mit
dürrer Zeit und mit Getreidebrand; auch fraßen die
Raupen alles, was in euren Gärten und Weinbergen, auf euren Feigenbäumen und Ölbäumen wuchs; DENNOCH BEKEHRT IHR EUCH NICHT ZU MIR, spricht der HERR.
10Ich schickte unter euch die
Pest wie in Ägypten; ich tötete eure junge Mannschaft durchs Schwert und ließ eure Pferde gefangen wegführen, ich ließ den Gestank eures Heerlagers in eure Nasen steigen; DENNOCH BEKEHRT IHR EUCH NICHT ZU MIR, spricht der HERR.
11Ich richtete unter euch Zerstörung an, wie Gott
Sodom und Gomorra zerstörte, daß ihr waret wie ein
Brandscheit, das aus dem Feuer gerissen wird; DENNOCH BEKEHRT IHR EUCH NICHT ZU MIR, spricht der HERR.
¶12Darum will ich's weiter so mit dir machen, Israel! Weil ich's denn weiter so mit dir machen will, so bereite dich, Israel, und begegne deinem Gott!
13Denn siehe, er ist's, der die Berge macht und den Wind schafft; er zeigt dem Menschen, was er im Sinne hat. Er macht die Morgenröte und die Finsternis,
er tritt einher auf den Höhen der Erde - er heißt „HERR, Gott Zebaoth“.
5¶1Höret, ihr vom Hause Israel, dies Wort; denn ich muß dies Klagelied über euch anstimmen: 2Die Jungfrau Israel ist gefallen, daß sie nicht wieder aufstehen wird; sie ist zu Boden gestoßen, und niemand ist da, der ihr aufhelfe. 3Denn so spricht Gott der HERR: Die Stadt, aus der Tausend zum Kampf ausziehen, soll nur Hundert übrig behalten, und aus der Hundert ausziehen, die soll nur Zehn übrig behalten im Hause Israel.
Gegen die Unterdrücker
¶4Denn so spricht der HERR zum Hause Israel:
Suchet mich, so werdet ihr leben.
5
Suchet nicht Bethel und kommt nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerscheba; denn Gilgal wird gefangen weggeführt werden, und Bethel wird zunichte werden.
6Suchet den HERRN, so werdet ihr leben, daß er nicht daherfahre über das Haus Josef wie ein verzehrendes Feuer, das niemand löschen kann zu Bethel -
7die ihr 
das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit zu Boden stoßt.
¶8Der das
Siebengestirn und den Orion macht, der aus der Finsternis den Morgen macht und aus dem Tag die finstere Nacht, der
das Wasser im Meer herbeiruft und schüttet es auf den Erdboden - er heißt „HERR“ -,
9der über den Starken Verderben kommen läßt und bringt Verderben über die feste Stadt.
¶10Sie sind dem gram,
der sie im Tor zurechtweist, und verabscheuen den, der ihnen die Wahrheit sagt.
¶11Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn, so
sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Quadersteinen gebaut habt, und den Wein nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt habt.
12Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt.
13Darum muß der Kluge zu dieser Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit.
¶14Suchet das Gute und nicht das Böse, auf daß ihr leben könnt, so wird der HERR, der Gott Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmt.
15
Hasset das Böse und liebet das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der HERR, der Gott Zebaoth, doch gnädig sein denen, die von Josef übrigbleiben.
¶16Darum spricht der HERR, der Gott Zebaoth, der Herr: Es wird in allen Gassen Wehklagen sein, und auf allen Straßen wird man sagen: „Wehe, wehe!“ Und man wird den Ackermann zum Trauern rufen und zum Wehklagen, wer die Totenklage erheben kann. 17In allen Weinbergen wird Wehklagen sein; denn ich will unter euch fahren, spricht der HERR.
Der Tag des HERRN
¶18
Weh denen, die des HERRN Tag herbeiwünschen! Was soll er euch? Denn des HERRN Tag ist Finsternis und nicht Licht,
19gleichwie wenn jemand vor dem Löwen flieht und ein Bär begegnet ihm und er kommt in ein Haus und lehnt sich mit der Hand an die Wand, so sticht ihn eine Schlange!
20Ja, des HERRN Tag wird finster und nicht licht sein, dunkel und nicht hell.
Der äußerliche Gottesdienst tut's nicht
¶21Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und
mag eure Versammlungen nicht riechen.
22Und wenn ihr mir auch
Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.
23Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!
24Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
¶25
Habt ihr vom Hause Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lang Schlachtopfer und Speisopfer geopfert?
26Ihr truget den Sakkut, euren König, und Kewan*, den Stern eures Gottes, eure Bilder, welche ihr euch selbst gemacht habt; *Sakkut und Kewan (vgl. Sach- und Worterklärungen) sind Namen heidnischer Götter, die in Israel verehrt wurden.
27so will ich euch wegführen lassen bis jenseits von Damaskus, spricht der HERR, der Gott Zebaoth heißt.
6Gegen Selbstsicherheit und Schwelgerei der Vornehmen in Israel
¶1Weh den Sorglosen zu Zion und weh denen, die voll Zuversicht sind auf dem Berge Samarias, den Vornehmen des Erstlings unter den Völkern, zu denen das Haus Israel kommt!
2Gehet hin nach
Kalne und schauet und von da nach Hamat, der großen Stadt, und ziehet hinab nach Gat der Philister! Seid ihr besser als diese Königreiche, ist euer Gebiet größer als das ihre,
3die ihr meint, vom bösen Tag weit ab zu sein, und
trachtet immer nach Frevelregiment,
4die ihr schlaft auf elfenbeingeschmückten Lagern und euch streckt auf euren Ruhebetten? Ihr eßt die Lämmer aus der Herde und die gemästeten Kälber
5
und spielt auf der Harfe und erdichtet euch Lieder wie David
6und trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl, aber bekümmert euch nicht um den Schaden Josefs.
¶7Darum sollen sie nun vorangehen unter denen, die gefangen weggeführt werden, und soll das Schlemmen der Übermütigen aufhören.
8Denn Gott der HERR hat geschworen bei sich: Mich verdrießt die Hoffart Jakobs, spricht der HERR, der Gott Zebaoth, und ich hasse seine Paläste. Darum will ich die Stadt übergeben mit allem, was darin ist.
9Und wenn auch zehn Männer in einem Hause übrigbleiben, sollen sie doch sterben.
10Und nimmt dann einen sein Verwandter, der ihn bestatten und seine Gebeine aus dem Hause tragen will, so sagt er zu dem, der drin im Hause ist: Sind ihrer noch mehr da? Und der wird antworten: Sie sind alle dahin! Und er wird sagen: Still! Denn man darf des HERRN Namen nicht nennen.
11Denn siehe, der HERR hat geboten, daß man die großen Häuser in Trümmer schlagen soll und die kleinen Häuser in Stücke.
¶12Wer kann auf Felsen mit Rossen rennen oder mit Rindern pflügen? Denn
ihr wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut,
13die ihr euch freut über Lo-Dabar und sprecht: Haben wir nicht durch unsere Kraft Karnajim genommen?
14Darum siehe, ich will gegen euch, ihr vom Hause Israel, ein Volk aufstehen lassen, spricht der HERR, der Gott Zebaoth, das soll euch bedrängen von da an, wo man nach Hamat geht, bis an den Bach in der Wüste.
7Die drei ersten Visionen: Heuschrecken, Feuer, Bleilot
¶1Gott der HERR ließ mich schauen, und siehe, da war einer, der machte Heuschrecken zur Zeit, als das Grummet aufging; und siehe, das Grummet war gewachsen, nachdem der König hatte mähen lassen.
2Als sie nun alles Gras im Lande abfressen wollten, sprach ich: Ach Herr HERR, sei gnädig! Wer soll Jakob wieder aufhelfen? Er ist ja so schwach.
3Da reute es den HERRN, und er sprach: Wohlan, es soll nicht geschehen.
¶4Gott der HERR ließ mich schauen, und siehe, Gott der HERR rief das Feuer, um damit zu strafen. Das verzehrte
die große Tiefe und fraß das Ackerland.
5Da sprach ich: Ach Herr HERR, laß ab! Wer soll Jakob wieder aufhelfen? Er ist ja so schwach.
6Da reute den HERRN das auch, und Gott der HERR sprach: Es soll auch nicht geschehen.
¶7Er ließ mich abermals schauen, und siehe, der Herr stand auf der Mauer, die mit einem Bleilot gerichtet war, und er hatte ein Bleilot in seiner Hand.
8Und der HERR sprach zu mir: Was siehst du, Amos? Ich sprach: Ein
Bleilot. Da sprach der Herr zu mir: Siehe, ich will das Bleilot legen an mein Volk Israel und
ihm nichts mehr übersehen,
9sondern die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels zerstört werden, und ich will mich mit dem Schwert über das Haus Jerobeam hermachen.
Amos wird aus Bethel ausgewiesen
¶10
Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen.
11Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden.
12Und Amazja sprach zu Amos: Du
Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iß dort dein Brot und weissage daselbst.
13Aber weissage nicht mehr in
Bethel; denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs.
14Amos antwortete und sprach zu Amazja: Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern
ich bin ein Hirt, der Maulbeeren züchtet.
15Aber der HERR nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!
16So höre nun des HERRN Wort! Du sprichst:
Weissage nicht wider Israel und eifere nicht wider das Haus Isaak!
17Darum spricht der HERR: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Meßschnur ausgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden.
8Die vierte Vision: Ein Korb mit reifem Obst
¶1Gott der HERR ließ mich schauen, und siehe, da stand ein Korb mit reifem Obst.
2Und er sprach: Was siehst du, Amos? Ich aber antwortete: Einen Korb mit reifem Obst. Da sprach der HERR zu mir: Reif zum Ende ist mein Volk Israel;
ich will ihm nichts mehr übersehen.
3Und die Lieder im Tempel sollen in Heulen verkehrt werden zur selben Zeit, spricht Gott der HERR.
Es werden an allen Orten viele Leichname liegen, die man heimlich hinwirft.
4Höret dies, die ihr
die Armen unterdrückt und die Elenden im Lande zugrunde richtet
5und sprecht: Wann will denn der Neumond ein Ende haben, daß wir Getreide verkaufen, und der
Sabbat, daß wir Korn feilhalten können und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage fälschen,
6damit wir die Armen um Geld und
die Geringen um ein Paar Schuhe in unsere Gewalt bringen und Spreu für Korn verkaufen?
¶7Der HERR hat bei sich, dem Ruhm Jakobs, geschworen: Niemals werde ich diese ihre Taten vergessen!
8Sollte nicht um solcher Taten willen das Land erbeben müssen und alle Bewohner trauern? Ja,
es soll sich heben wie die Wasser des Nils und sich senken wie der Strom Ägyptens.
¶9Zur selben Zeit, spricht Gott der HERR, will ich
die Sonne am Mittag untergehen und das Land am hellen Tage finster werden lassen.
10Ich will eure Feiertage in Trauer und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln. Ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe kahl machen und will ein Trauern schaffen,
wie man trauert über den einzigen Sohn, und sie sollen ein bitteres Ende nehmen. Tob 2,5.6
Einst wird man vergeblich nach Gottes Wort verlangen
¶11Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der HERR, daß ich einen Hunger ins Land schicken werde,
nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, es zu hören;
12daß sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des HERRN Wort suchen und
doch nicht finden werden.
13Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst,
14die jetzt schwören bei dem Abgott Samarias und sprechen:
„So wahr dein Gott lebt, Dan!“ und: „So wahr dein Gott lebt, Beerscheba!“ Sie sollen so fallen, daß sie nicht wiederaufstehen können.
9Die letzte Vision: Gott über dem Altar; dem Gericht kann niemandentrinnen
¶1Ich sah den Herrn über dem Altar stehen, und er sprach: Schlage an den Knauf, daß die Pfosten beben und die Trümmer ihnen allen auf den Kopf fallen; und was noch übrigbleibt von ihnen, will ich mit dem Schwert töten, daß keiner von ihnen entfliehen noch-irgendeiner entkommen soll!
2Und 
wenn sie sich auch unten bei den Toten vergrüben, soll sie doch meine Hand von dort holen, und wenn sie zum Himmel hinaufstiegen, will ich sie doch herunterstoßen.
3Und wenn sie sich auch versteckten oben auf dem Berge Karmel, will ich sie doch suchen und von dort herabholen; und wenn sie sich vor meinen Augen verbärgen im Grunde des Meeres, so will ich doch der Schlange befehlen, sie dort zu beißen.
4Und wenn sie vor ihren Feinden gefangen einhergingen, so will ich doch dem Schwert befehlen, sie dort zu töten. Denn
ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.
¶5Denn Gott, der HERR Zebaoth, ist es, der die Erde anrührt, daß sie bebt und alle ihre Bewohner trauern müssen, und daß sie
sich hebt wie die Wasser des Nils und sich senkt wie der Strom Ägyptens;
6er ist es, der seinen Saal in den Himmel baut und
seinen Palast über der Erde gründet, der
das Wasser im Meer herbeiruft und schüttet es auf das Erdreich. Er heißt HERR!
¶7Seid ihr Israeliten mir nicht
gleichwie die Mohren? spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die
Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?
8Siehe, die Augen Gottes des HERRN sehen auf das sündige Königreich, daß ich's vom Erdboden vertilge, wiewohl ich das Haus Jakob nicht ganz vertilgen will, spricht der HERR.
9Denn siehe, ich will befehlen und das Haus Israel unter allen Heiden schütteln lassen, gleichwie man mit einem Sieb schüttelt und kein Stein zur Erde fällt.
10Alle Sünder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen:
Es wird das Unglück nicht so nahe sein noch uns begegnen.
Das künftige Heil des Gottesvolkes
¶11Zur selben Zeit will ich die 
zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und, was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist,
12damit sie in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom, und alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der HERR, der solches tut.
¶13Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß man
zugleich ackern und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und
die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein.
14Denn ich
will die Gefangenschaft meines Volks Israel wenden, daß sie
die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, daß sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen.
15Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, daß sie nicht mehr aus ihrem Land ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der HERR, dein Gott.